Britische Arbeitslosigkeit steigt 2026 auf Elfjahreshoch von 5,4 Prozent
Mindestlohn und Arbeitgeberabgaben belasten Arbeitsmarkt stärker als erwartet, warnt führende Denkfabrik NIESR.

Die britische Arbeitslosigkeit wird 2026 voraussichtlich auf 5,4 Prozent steigen – den höchsten Stand seit 2015. Das prognostiziert das renommierte National Institute of Economic and Social Research (NIESR) in seiner aktuellen Analyse. Die Entwicklung übertrifft damit die Erwartungen der meisten Volkswirte deutlich und liegt spürbar über der Quote von 4,8 Prozent aus dem Vorjahr.
Als Hauptursache identifiziert die Londoner Denkfabrik die stark gestiegenen Arbeitskosten für britische Unternehmen. "Ein Teil dieser Arbeitslosenentwicklung im Vereinigten Königreich sind steigende Arbeitskosten", erklärt NIESR-Ökonom Ben Caswell. Besonders betroffen seien Branchen mit hohem Mindestlohnanteil, die parallel zum Kostenanstieg auch die größten Zuwächse bei der Arbeitslosigkeit verzeichneten.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Die Einstellungskosten für Berufseinsteiger kletterten im vergangenen Jahr um 10,6 Prozent. Verantwortlich dafür sind zum einen der kontinuierlich angehobene Mindestlohn, den aufeinanderfolgende Regierungen auf zwei Drittel des mittleren Verdienstes hochgeschraubt haben. Zum anderen belasten höhere Sozialversicherungsbeiträge der Arbeitgeber die Personalbudgets zusätzlich.
Mindestlohn steigt weiter – KI bedroht IT-Jobs
Ab April 2026 soll der britische Mindestlohn um weitere 4 Prozent steigen. Im internationalen Vergleich gehört Großbritannien damit zu den Ländern mit den höchsten Mindestlöhnen im Verhältnis zum Durchschnittsverdienst. Die Regierung von Premierminister Keir Starmer plant zudem, den niedrigeren Mindestlohn für 18- bis 20-Jährige schrittweise abzuschaffen.
Überraschend zeigt sich auch ein Anstieg der Arbeitslosigkeit im IT-Sektor. Das NIESR führt dies auf die zunehmende Verbreitung Künstlicher Intelligenz zurück, die offenbar die Nachfrage nach Einstiegspositionen in der Branche dämpft. Ein Warnsignal für eine Entwicklung, die auch deutsche Arbeitsmärkte künftig betreffen könnte.
Nicht alle Arbeitslosen sind jedoch Opfer fehlender Stellen. Die Denkfabrik beobachtet, dass verstärkt Menschen auf den Arbeitsmarkt zurückkehren, die nach der Pandemie erwerbsinaktiv waren. Diese Personengruppe wurde statistisch bisher nicht als arbeitslos erfasst, da sie nicht aktiv nach Arbeit suchte. Die sogenannte Inaktivitätsrate war in den Pandemiejahren deutlich gestiegen.
Erholung erst 2028 erwartet – Bank of England vor Zinssenkungen
Eine Entspannung am Arbeitsmarkt zeichnet sich erst mittelfristig ab. Sofern keine Rezession eintritt, erwartet das NIESR einen Rückgang der Arbeitslosenquote auf etwa 5 Prozent bis 2028 oder 2029. Dieser Wert entspräche der langfristig tragfähigen Quote außerhalb eines Wirtschaftsbooms.
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Zur AktienanalyseZum Vergleich: In den Jahren 2019 und 2022 hatte die britische Arbeitslosigkeit mit 3,8 Prozent den niedrigsten Stand seit rund 50 Jahren erreicht. Allerdings werden die offiziellen Erhebungsmethoden derzeit grundlegend überarbeitet, nachdem Qualitätsprobleme bei den Umfragen aufgetreten waren.
Für die britische Wirtschaft insgesamt zeigt sich das NIESR etwas optimistischer. Die Wachstumsprognosen für 2026 und 2027 wurden leicht auf 1,4 beziehungsweise 1,3 Prozent angehoben, nachdem im November noch jeweils 1,2 Prozent prognostiziert worden waren. Die Bank of England dürfte laut NIESR 2026 zweimal die Zinsen senken und den Leitzins von derzeit 3,75 auf 3,25 Prozent reduzieren.
Die Notenbank veröffentlicht am Donnerstag ihre aktualisierten Wirtschaftsprognosen zusammen mit der geldpolitischen Entscheidung. Von Reuters befragte Ökonomen rechnen frühestens im März mit einer ersten Zinssenkung.


