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Britische Anleiherenditen auf 27-Jahres-Hoch: Pfund bricht ein

Politische Unsicherheit um Premier Starmer treibt britische Staatsanleiherenditen auf höchsten Stand seit 1998 und belastet das Pfund.

Britische Anleiherenditen auf 27-Jahres-Hoch: Pfund bricht ein

Die langfristigen Kreditkosten Großbritanniens haben am Dienstag den höchsten Stand seit fast 30 Jahren erreicht. Die Rendite 30-jähriger britischer Staatsanleihen (Gilts) kletterte auf 5,81% – der höchste Wert seit 1998 – und stieg zeitweise um bis zu 14 Basispunkte. Auch die richtungsweisende 10-jährige Gilt-Rendite zog auf 5,13% an, den höchsten Stand seit 2008. Gleichzeitig brach das Pfund Sterling auf einen Tagestiefstand von 1,3503 US-Dollar ein und verzeichnete mit einem Minus von 0,5% gegenüber dem Dollar den größten Tagesverlust seit über einem Monat.

Auslöser der Marktturbulenzen ist die wachsende politische Unsicherheit rund um Premierminister Keir Starmer. Nach schweren Verlusten der regierenden Labour-Partei bei den Kommunalwahlen der vergangenen Woche fordern fast 80 Abgeordnete seinen Rücktritt. Auf der Wettplattform Polymarket wird ein Rücktritt Starmers bis Ende Juni mittlerweile als 50:50-Chance gehandelt. Die Wahrscheinlichkeit, dass er bis Jahresende ausscheidet, ist von rund 70% vor den Kommunalwahlen auf 80% gestiegen.

Starmer selbst gab sich bei einer Kabinettssitzung am Dienstag kämpferisch und erklärte den Ministern, er werde „mit dem Regieren weitermachen". Es habe keinen offiziellen Schritt zur Einleitung eines Führungsstreits gegeben, betonte er. Einer seiner Minister bestätigte, dass niemand den Premierminister während der Sitzung offen herausgefordert habe.

Märkte fürchten Linksschwenk und höhere Ausgaben

Den Anlegern reichte diese Beruhigung nicht aus. Sie befürchten, dass ein möglicher Nachfolger Starmers politisch weiter links stehen und in einer Zeit bereits stark belasteter britischer Staatsfinanzen höhere Ausgaben fordern könnte. „Der Anleihemarkt reagiert nicht nur auf den potenziellen Abgang Starmers, sondern auch darauf, wer sein Nachfolger sein könnte, und auf die Aussicht auf einen langwierigen Führungskampf, der zu weiteren fiskalischen Versprechungen führt, die sich Großbritannien nicht leisten kann", erklärte Kathleen Brooks, Forschungsdirektorin beim Broker XTB.

Anleger betrachten Starmer und seine Finanzministerin Rachel Reeves als die marktfreundlichsten Optionen – insbesondere wegen Reeves' Verpflichtung zu Fiskalregeln, die die staatliche Kreditaufnahme begrenzen. Jordan Rochester, Leiter der Strategie für festverzinsliche Wertpapiere, Rohstoffe und Devisen bei Mizuho, kommentierte die Lage nüchtern: „Für viele sind die Zeichen zum jetzigen Zeitpunkt bereits deutlich; es ist nur eine Frage dessen, wie schnell der Abgang erfolgt."

Die Renditen gaben nach der Nachricht über die ruhig verlaufene Kabinettssitzung leicht nach, lagen zuletzt aber noch immer rund 10 Basispunkte im Plus. Michael Brown, leitender Stratege beim Broker Pepperstone, warnte: „Wenn man sich die Staatsanleihen und das Pfund ansieht, wird es wahrscheinlich noch viel schlimmer werden, bevor es besser wird."

Britische Banken unter Druck – JPMorgan erwartet höhere Bankenabgabe

Auch britische Bankaktien gerieten unter erheblichen Druck. Barclays, NatWest und Lloyds verloren jeweils über 3% und führten damit die Verluste unter den europäischen Bankwerten an. Analysten von JPMorgan erklärten, sie erwarteten nun, dass die britische Bankenabgabe von derzeit 3% auf 5% steigen werde, da ein Linksschwenk in der Regierungspolitik wahrscheinlicher geworden sei. Der breitere britische Aktienmarkt schloss 0,4% im Minus.

Großbritannien verzeichnet bereits die höchsten Kreditkosten unter den G7-Industrienationen. Hinzu kommen Inflationssorgen, die zu einer dramatischen Verschiebung der Markterwartungen geführt haben: Statt der zuvor antizipierten Zinssenkungen der Bank of England rechnen Händler nun zunehmend mit Zinserhöhungen. Auch die europäischen Anleihemärkte standen unter Druck, nachdem US-Präsident Donald Trump erklärt hatte, ein Waffenstillstand mit dem Iran hänge am „seidenen Faden" – was die Hoffnungen auf ein Friedensabkommen dämpfte.

Am Mittwoch werden Anleger die Gelegenheit haben, Starmers politische Pläne genauer zu prüfen: König Charles wird bei der feierlichen Parlamentseröffnung das Gesetzgebungsprogramm der Regierung für die kommende Periode verlesen.

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