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Bristol Myers Squibb und Hengrui: Milliardendeal verlagert Pharmaforschung nach China

Der US-Pharmariese kooperiert mit Chinas führendem Arzneimittelhersteller Hengrui – ein Wendepunkt für die globale Medikamentenentwicklung.

Bristol Myers Squibb und Hengrui: Milliardendeal verlagert Pharmaforschung nach China

Bristol Myers Squibb (BMS), eines der größten Pharmaunternehmen der USA, hat am Dienstag eine potenziell milliardenschwere Partnerschaft mit dem chinesischen Arzneimittelhersteller Hengrui Pharma angekündigt. Die beiden Unternehmen wollen gemeinsam rund ein Dutzend Medikamente entwickeln – darunter vier von Bristol entdeckte Wirkstoffe, die für klinische Frühphasenstudien nach China geschickt werden. Zusätzlich sollen beide Partner gemeinsam neue Medikamente entdecken und entwickeln.

Was diesen Deal von anderen unterscheidet, ist sein gegenseitiger Charakter. Bisher war es in der Branche üblich, dass westliche Pharmaunternehmen lediglich Lizenzen für bereits in China entdeckte und getestete Wirkstoffe erwarben. Bristol Myers Squibb geht nun einen Schritt weiter und schickt eigene experimentelle Medikamente nach China – ein Zeichen dafür, dass das Unternehmen die dortige Forschungsinfrastruktur aktiv nutzen will.

Chinas wachsende Rolle in der globalen Pharmaforschung

Die Vereinbarung steht exemplarisch für einen breiteren Trend. Laut Daten des Analysedienstleisters DealForma entfielen in diesem Jahr bisher etwas mehr als die Hälfte aller Lizenzvereinbarungen großer Pharmaunternehmen auf China – verglichen mit 39 Prozent im gesamten Vorjahr und lediglich 5 Prozent im Jahr 2022. Dieser rasante Anstieg zeigt, wie schnell sich China als Forschungsstandort etabliert hat.

Unternehmen wie Pfizer, Merck und AstraZeneca suchen bereits verstärkt in China nach ihren nächsten potenziellen Blockbuster-Medikamenten. AstraZeneca führt den Großteil seiner frühen Studien für eine experimentelle Zelltherapie in China durch. Ruud Dobber, der das Biopharmageschäft von AstraZeneca leitet, erwartet „definitiv", dass der britische Arzneimittelhersteller über seine gesamte Pipeline hinweg mehr Arbeit in China verlagern wird.

Lieven Van der Veken, Senior Partner bei McKinsey, betonte, dass sich die Partnerschaft von Bristol in wesentlichen Punkten von anderen Deals unterscheide. Sie ähnele einem Vertrag, den Hengrui kürzlich mit dem britischen Pharmaunternehmen GSK abgeschlossen hat. Mit der neuen Vereinbarung erkenne Bristol jedoch ausdrücklich an, dass es Medikamente besitzt, die sich in China schneller und kostengünstiger entwickeln lassen.

Frühe Forschung in China: Schneller, günstiger – aber umstritten

Chen Yu, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter des Crossover-Fonds TCGX, beschreibt den aktuellen Moment als „transformativ". In China könnten doppelt so viele Medikamente in der Hälfte der Zeit und zu einem Drittel der Kosten untersucht werden, sagte er. Bis zum Ende des Jahrzehnts könnte die Vorstellung, frühe Arzneimittelforschung in den USA durchzuführen, laut Yu so unrealistisch erscheinen wie die Herstellung des iPhones in den USA.

Yu sieht die frühen Phasen der Medikamentenentwicklung letztlich den Weg der Textilherstellung gehen – also weitgehend nach China abwandern. Studien der mittleren und späten Phase müssen jedoch weiterhin in den USA durchgeführt werden, um die Zulassung der US-Arzneimittelbehörde FDA zu erhalten. Die Durchführung erster Studien in China könnte Unternehmen aber helfen, Medikamente schneller auf den Markt zu bringen.

Die Meinungen über Chinas wachsenden Einfluss in der Pharmaindustrie sind gespalten. Befürworter wie Yu argumentieren, dass schnellere und günstigere Medikamentenentwicklung letztlich den Patienten zugutekommt. Kritiker hingegen, darunter die US-Branchenvertretung Biotechnology Innovation Organization, warnen, dass der Aufstieg Chinas auf Kosten amerikanischer Unternehmen gehen könnte. In einem Punkt sind sich jedoch alle einig: China wird als Kraft in der Arzneimittelentwicklung dauerhaft präsent bleiben.

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