Bretton Woods 1944: Der Deal, der den Dollar zur Weltreservewährung machte
Wie 730 Delegierte aus 44 Ländern in drei chaotischen Wochen die globale Währungsordnung für Jahrzehnte prägten.

Die Bretton-Woods-Konferenz von 1944 gilt als die erfolgreichste internationale Währungsverhandlung der Geschichte. In nur drei Wochen legten 730 Delegierte aus 44 Ländern den Grundstein für drei Jahrzehnte Nachkriegsfrieden und Wohlstand – und setzten den US-Dollar als globale Reservewährung durch.
So beschreibt es der Journalist und Autor Ed Conway in einem aktuellen Podcast-Gespräch mit den FT-Moderatoren Gillian Tett und Robin Wigglesworth. Conway schildert die Konferenz als ein ebenso chaotisches wie historisch bedeutsames Ereignis, das die Weltwirtschaft bis heute prägt.
Chaos, Alkohol und ein baufälliges Hotel
Die Rahmenbedingungen der Konferenz waren alles andere als repräsentativ. Die rund 730 Delegierten sowie etwa 2.000 weitere Teilnehmer wurden in einem abgelegenen, baufälligen Hotel untergebracht – mit Löchern im Dach und kaputten Möbeln. Hinzu kamen ein Eisenbahnwaggon voller Alkohol, russische Spione, deutsche Kriegsgefangene, eine Truppe von „Sekretärinnen" und sogar ein Zauberer.
Inmitten dieses Trubels spielten sich die entscheidenden Verhandlungen ab, die die Nachkriegswirtschaftsordnung formen sollten. Das Ergebnis war die Schaffung eines internationalen Währungssystems, das den US-Dollar ins Zentrum der globalen Finanzarchitektur rückte.
Keynes und White: Die zwei Hauptdarsteller
Im Mittelpunkt der Verhandlungen standen zwei Männer mit gegensätzlichen Interessen. Auf britischer Seite verhandelte John Maynard Keynes, damals der berühmteste Ökonom der Welt. Die Strapazen der Konferenz brachten ihn laut Conway fast um – er überstand die Verhandlungen knapp, ohne einem Herzinfarkt zu erliegen.
Sein amerikanischer Gegenspieler war Harry Dexter White. Während Keynes die britischen Interessen vertrat, setzte White die Dominanz des US-Dollars durch. White sollte später in Verruf geraten – sein Fall ist in dem Buch Treasonable Doubt: The Harry Dexter White Spy Case von R. Bruce Craig dokumentiert.
Ein Erbe, das Jahrzehnte überdauerte
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Zur AktienanalyseDas Ergebnis der Konferenz war bemerkenswert: Das Bretton-Woods-System sicherte drei Jahrzehnte relativer wirtschaftlicher Stabilität in der westlichen Welt. Der US-Dollar wurde zur globalen Leitwährung, an der sich andere Währungen orientierten – ein Status, den er in weiten Teilen bis heute beibehält.
Für deutsche Anleger und Wirtschaftsinteressierte ist die Geschichte von Bretton Woods besonders relevant: Deutschland war als besiegtes Land nicht an den Verhandlungen beteiligt, profitierte aber in der Nachkriegszeit erheblich vom stabilen Währungsrahmen, der den Wiederaufbau und das Wirtschaftswunder ermöglichte.
Die Geschichte der Konferenz wird im FT-Podcast The Story of Money aufgearbeitet, moderiert von Gillian Tett und Robin Wigglesworth. Als Literaturempfehlungen nennt Conway unter anderem sein eigenes Buch The Summit (2015), Keynes' The Economic Consequences of the Peace (1919) sowie die dreibändige Keynes-Biografie von Robert Skidelsky aus den Jahren 1983 bis 2000.


