Brent-Öl steigt 2,5%: US-Angriffe im Iran schüren Marktangst
US-Militärschläge im Südiran und ausbleibende Friedenseinigung treiben Brent-Rohöl auf 98,50 Dollar pro Barrel.

Die Rohölmärkte reagierten am Dienstag mit deutlichen Kursgewinnen auf neue geopolitische Eskalationen im Nahen Osten. Brent-Futures stiegen um 06:30 Uhr GMT um 2,36 Dollar oder 2,5% auf 98,50 Dollar pro Barrel – nachdem sie in der vorangegangenen Sitzung noch 7% verloren hatten. Die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) notierte bei 91,95 Dollar pro Barrel, was gegenüber dem Schlusskurs vom Freitag einem Rückgang von 4,65 Dollar oder 4,8% entspricht. Am Montag gab es aufgrund des US-Feiertags Memorial Day keinen offiziellen Abrechnungspreis.
Auslöser der neuerlichen Preisbewegung waren US-Militärschläge im Südiran sowie israelische Angriffe auf die Hisbollah. Michael McCarthy, CEO der Online-Handelsplattform Moomoo Australia, erklärte, diese Ereignisse hätten die Brent-Preise beflügelt und den Spread zwischen Brent und WTI ausgeweitet. Zuvor waren beide Kontrakte während der Nachtsitzung aufgrund von Hoffnungen auf ein Friedensabkommen gefallen.
Straße von Hormus: Schlüssel zur globalen Energieversorgung
Im Zentrum des Konflikts steht die Straße von Hormus – eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Teheran hat seit Kriegsbeginn nahezu den gesamten nicht-iranischen Schiffsverkehr durch die Meerenge faktisch gestoppt und damit rund ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssigerdgasströme blockiert. Für die globalen Energiemärkte und insbesondere für importabhängige Länder wie Deutschland hat diese Blockade erhebliche Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit und die Preisbildung.
Schiffsverfolgungsdaten zeigten zuletzt jedoch erste Bewegungen: In den vergangenen Tagen passierten drei Flüssigerdgastanker die Meerenge in Richtung Pakistan, China und Indien. Zudem durchquerte ein Supertanker mit irakischem Rohöl für China die Straße – ein Schiff, das zuvor fast drei Monate lang festgesessen hatte.
Friedensverhandlungen: Fortschritte, aber kein Durchbruch
Die Angriffe erfolgten ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, als sich der iranische Chefunterhändler und Außenminister in Doha zu Gesprächen mit dem katarischen Premierminister über ein mögliches Abkommen mit den USA aufhielten. Sowohl Washington als auch Teheran erklärten, Fortschritte bei einer Absichtserklärung erzielt zu haben. Diese soll den Krieg stoppen und den Unterhändlern 60 Tage Zeit geben, um ein endgültiges Abkommen zu erreichen.
Laut einem Bericht des Nikkei, der sich auf eine diplomatische Quelle aus dem Nahen Osten beruft, würde der Iran im Rahmen des Abkommens innerhalb von 30 Tagen Minen aus der Meerenge räumen. Danach könnten Schiffe aller Länder frei navigieren, und Teheran würde zudem auf die Erhebung von Transitgebühren verzichten.
US-Außenminister Marco Rubio dämpfte jedoch die Erwartungen: Die Aushandlung eines Abkommens mit dem Iran könnte „einige Tage dauern", sagte er am Dienstag. Damit bremste er Hoffnungen auf eine schnelle Lösung. Zusätzlich bekräftigte US-Präsident Donald Trump seine Forderung, dass der Iran sein angereichertes Uran zur Vernichtung übergeben müsse – eine Bedingung, die die Verhandlungen erheblich erschwert.
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Zur AktienanalyseAnalysten warnen vor Scheitern in letzter Minute
Marktbeobachter bleiben vorsichtig. „Händler wetten stark darauf, dass ein Durchbruch endlich die lange Zeit blockierten Tanker in und um die Straße von Hormus befreien wird", sagte Tim Waterer, Chef-Marktanalyst bei KCM Trade. Die Hoffnung auf eine Normalisierung der Schifffahrtsrouten treibt die Spekulation an den Ölmärkten an.
Dennoch mahnt Tony Sycamore, Marktanalyst bei IG, zur Vorsicht: „Es ist eine deutliche Erinnerung daran, dass das Abkommen in letzter Minute noch scheitern könnte, ähnlich wie die fünf vorangegangenen Versuche." Für Anleger und Energieverbraucher weltweit bleibt die Lage damit weiterhin angespannt und unberechenbar.


