Brasiliens Pix-System erobert E-Commerce: 50% Marktanteil bis 2028 erwartet
Das Echtzeit-Zahlungssystem der brasilianischen Zentralbank verdrängt zunehmend Kreditkarten im Online-Handel.

Das brasilianische Echtzeit-Zahlungssystem Pix steht vor einem historischen Durchbruch im E-Commerce. Laut einer Prognose des Zahlungsdienstleisters Ebanx wird Pix bis 2028 die Hälfte aller Online-Transaktionen in Brasilien abwickeln – ein bemerkenswerter Erfolg für ein System, das erst Ende 2020 eingeführt wurde.
Der Aufstieg von Pix verlief rasant: Bereits im vergangenen Jahr überholte das System Kreditkarten im brasilianischen Online-Handel mit einem Anteil von 42 Prozent gegenüber 41 Prozent bei Kreditkarten. Bis Jahresende soll der Anteil auf 45 Prozent steigen, und für 2028 prognostiziert Ebanx einen Vorsprung von 14 Prozentpunkten gegenüber Kreditkarten.
Seit seiner Einführung hat Pix die Zahlungslandschaft in Lateinamerikas größter Volkswirtschaft revolutioniert. Das von der brasilianischen Zentralbank entwickelte und betriebene System reduzierte die Bargeldnutzung drastisch und übertraf 2023 bereits die kombinierte Anzahl aller Kredit- und Debitkartentransaktionen. Gemessen am Transaktionswert liegt Pix nur noch hinter traditionellen Interbanken-Überweisungen, die hauptsächlich für sehr große Beträge genutzt werden.
Finanzielle Inklusion durch digitale Infrastruktur
Der Erfolg von Pix zeigt sich auch in der finanziellen Inklusion: Mehr als 70 Millionen Menschen erhielten seit der Einführung erstmals Zugang zum Finanzsystem. Die brasilianische Zentralbank verteidigt ihre Doppelrolle als Betreiber und Regulator mit dem Argument, als neutraler Anbieter öffentlicher digitaler Infrastruktur einen effizienteren, inklusiveren und wettbewerbsfähigeren Markt zu ermöglichen.
Diese Position geriet allerdings ins Visier der USA, die 2024 eine Untersuchung wegen potenziell unfairer Handelspraktiken einleiteten. Washington stellte die Doppelrolle der Zentralbank infrage – ein Konflikt, der die strategische Bedeutung digitaler Zahlungssysteme im internationalen Wettbewerb verdeutlicht.
Druck auf US-Kartenanbieter
Die wachsende Dominanz von Pix setzt die US-Konzerne Mastercard und Visa unter erheblichen Druck. Brasilien galt lange als Hochburg für Kreditkarten im E-Commerce, doch diese Position erodiert zunehmend. Ein entscheidender Faktor für den Durchbruch war die Einführung wiederkehrender Zahlungen durch die Zentralbank im vergangenen Jahr.
"Es gab eine starke Vertrauensbildung bei den Verbrauchern rund um Pix, kombiniert mit einer breiteren Verfügbarkeit auf Websites", erklärt Eduardo de Abreu, Chief Product Officer von Ebanx. Daten der Zentralbank zeigen, dass Zahlungen von Verbrauchern an Unternehmen seit September volumenmäßig die größte Kategorie darstellen. Im Januar machten sie 46 Prozent aller Pix-Transaktionen aus, verglichen mit 40 Prozent bei Privatüberweisungen.
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Zur AktienanalyseRatenzahlungen bleiben wichtig
Trotz des Siegeszugs von Pix werden Kreditkarten eine loyale Basis behalten. Der Grund: In Brasilien sind zinsfreie Ratenzahlungen tief in der Kaufkultur verwurzelt, besonders bei hochpreisigen Artikeln. Selbst wenn Händler Rabatte für Sofortzahlungen per Pix anbieten, entscheiden sich viele Brasilianer für die Ratenzahlung.
"Rabatte sind attraktiv und mathematisch sinnvoll. Aber die Menschen schauen darauf und denken: Selbst mit dem Rabatt kann ich diesen Monat nicht alles bezahlen", so Abreu. "Ratenzahlungen bedienen zunehmend das Bevölkerungssegment, das diese Flexibilität beim Cashflow wirklich benötigt." Diese kulturelle Komponente könnte der Schlüssel sein, warum Kreditkarten trotz der Pix-Offensive einen bedeutenden Marktanteil behalten werden.


