Brasilien-Wahl: Lula führt in Umfrage vor Flavio Bolsonaro
Eine neue Datafolha-Erhebung zeigt Amtsinhaber Lula klar vor dem rechten Herausforderer Flavio Bolsonaro – ein Skandal belastet die Opposition.

Der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat in den Umfragen zur Präsidentschaftswahl die Führung übernommen. Laut einer am Freitag vom renommierten Umfrageinstitut Datafolha veröffentlichten Erhebung würde der linke Amtsinhaber eine Stichwahl im zweiten Wahlgang gegen den oppositionellen Senator Flavio Bolsonaro mit 47% zu 43% der Stimmen gewinnen.
Dies stellt eine deutliche Trendwende dar. Bei einer Umfrage vom 16. Mai lagen beide Kandidaten noch gleichauf – die neue Erhebung zeigt somit eine spürbare Verschiebung zugunsten Lulas innerhalb weniger Wochen.
Lula auch gegen Michelle Bolsonaro vorne
Nicht nur gegen Flavio Bolsonaro liegt der Amtsinhaber vorn. In einem separaten Szenario würde Lula laut Datafolha auch eine Stichwahl gegen Michelle Bolsonaro gewinnen – mit 48% der Stimmen gegenüber 43% für die Herausforderin. Damit zeigt sich Lula in beiden potenziellen Duellen als klarer Favorit für den zweiten Wahlgang.
Im ersten Wahlgang sieht die Umfrage folgendes Bild: Lula führt mit 40% der Wahlabsichten, gefolgt von Flavio Bolsonaro mit 31%. Die weiteren Kandidaten Caiado, Zema und Santos kommen jeweils auf 4%, 3% und 3% und spielen damit bislang eine untergeordnete Rolle im Rennen ums Präsidentenamt.
Skandal um Flavio Bolsonaro belastet die Opposition
Die Verschiebung in den Umfragewerten kommt nicht von ungefähr. Berichte über Verbindungen von Flavio Bolsonaro zu einem in Ungnade gefallenen Banker haben sein Ansehen bei den Wählern offenbar beschädigt. Solche Verbindungsvorwürfe sind in Brasilien politisch besonders heikel, da das Land eine lange Geschichte von Korruptionsskandalen hat, die Politiker aller Lager betroffen haben.
Flavio Bolsonaro ist der Sohn des ehemaligen Präsidenten Jair Bolsonaro und gilt als einer der prominentesten Vertreter des rechten politischen Lagers in Brasilien. Sein Aufstieg zum Präsidentschaftskandidaten der Opposition folgt auf das politische Erbe seines Vaters, der nach seiner Wahlniederlage gegen Lula im Jahr 2022 das Land verlassen hatte.
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Brasilien ist als größte Volkswirtschaft Lateinamerikas und bedeutender Rohstofflieferant auch für deutsche und europäische Investoren von großem Interesse. Politische Stabilität und die wirtschaftspolitische Ausrichtung der Regierung haben direkten Einfluss auf Investitionsentscheidungen in der Region. Die aktuellen Umfragewerte deuten darauf hin, dass Lula seine Wiederwahl anstrebt und dabei derzeit die besseren Ausgangsbedingungen hat.
Die Präsidentschaftswahl in Brasilien findet traditionell im Oktober statt. Sollte kein Kandidat im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erreichen – was angesichts der aktuellen Umfragewerte wahrscheinlich erscheint –, käme es zu einer Stichwahl zwischen den beiden stärksten Kandidaten.


