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Brasilien startet subventioniertes Motorrad-Kreditprogramm für Lieferfahrer

Die brasilianische Regierung legt ein Kreditprogramm mit Zinsen weit unter dem Leitzins auf – gezielt vor den Wahlen im Oktober.

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Brasilien startet subventioniertes Motorrad-Kreditprogramm für Lieferfahrer

Die brasilianische Regierung hat am Freitag ein subventioniertes Kreditprogramm für App-basierte Lieferfahrer zum Kauf von Motorrädern vorgestellt. Das Programm bietet jährliche Zinssätze von 11,5 Prozent für Fahrerinnen und 12,5 Prozent für Fahrer – deutlich unterhalb des aktuellen Leitzinses der brasilianischen Zentralbank von 14,5 Prozent. Planungsminister Bruno Moretti gab die Details während einer Veranstaltung im Präsidentenpalast in Brasilia bekannt.

Die staatlichen Kreditinstitute Caixa Economica Federal und Banco do Brasil werden die Finanzierungen für berechtigte Kreditnehmer bereitstellen. Ein staatlicher Fonds soll dabei das Kreditrisiko mindern, indem er einen Teil etwaiger Verluste abdeckt. Das Ministerium für Entwicklung, Industrie und Handel erwartet, dass das Volumen der neuen Kredite bis zu 2,5 Milliarden Reais – umgerechnet rund 494 Millionen US-Dollar – erreichen wird.

Wer ist berechtigt und zu welchen Konditionen?

Das Programm richtet sich gezielt an Fahrer, die seit mindestens sechs Monaten auf Plattformen registriert sind und mindestens 100 Fahrten oder Lieferungen absolviert haben. Eingeschlossen sind auch Radfahrer, Motorradkurierfahrer und Taxifahrer, die seit mindestens sechs Monaten formell beim selben Unternehmen beschäftigt sind. Gefördert wird ausschließlich der Kauf von in Brasilien hergestellten Motorrädern, einschließlich elektrischer Modelle.

Den Kreditnehmern wird eine zweimonatige tilgungsfreie Zeit gewährt, bevor die Rückzahlungen beginnen. Die maximale Kreditlaufzeit beträgt 48 Monate. Damit soll die finanzielle Belastung für eine Berufsgruppe abgefedert werden, die in den vergangenen Jahren in Brasilien rasant gewachsen ist.

Politischer Kontext: Wahlen im Oktober als Treiber

Die Initiative ist die jüngste in einer Reihe von quasi-fiskalischen Maßnahmen, die die Regierung von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva seit Jahresbeginn eingeführt hat. Diese Maßnahmen beeinflussen den Primärsaldo der Bundesregierung nicht direkt, zielen jedoch darauf ab, die Nachfrage im Vorfeld der Wahlen im Oktober anzukurbeln. Lula, ein Linkspolitiker, strebt eine vierte, nicht aufeinanderfolgende Amtszeit an.

Zu den bereits eingeführten Maßnahmen zählen ein umfassendes Programm zur Neuverhandlung überfälliger Verbraucherschulden sowie Initiativen zur Förderung von Lkw-Käufen und zur Unterstützung der Fahrzeugfinanzierung für Fahrer von Fahrdienstvermittlern. Finanzminister Dario Durigan bekräftigte zudem die Pläne, noch im Juni ein weiteres Programm zur Neuverhandlung von Privatkrediten für Brasilianer aufzulegen, die nicht mit ihren Zahlungen im Verzug sind.

Ökonomen warnen vor Inflationsrisiken

Kritische Stimmen aus der Wirtschaft mahnen zur Vorsicht. Ökonomen warnen, dass die verschiedenen nachfragesteigernden Maßnahmen in Verbindung mit dem bestehenden Inflationsdruck die Aussichten für eine Lockerung der Geldpolitik in Brasilien getrübt haben. Die jährliche Inflation liegt derzeit bei 4,72 Prozent – über dem offiziellen Zentralbankziel von 3 Prozent.

Die Investmentbank BTG Pactual erwartet für die kommende Woche lediglich eine weitere Zinssenkung um 25 Basispunkte, gefolgt von einer Pause für den Rest des Jahres. In einem aktuellen Bericht schätzte BTG Pactual, dass die bisherigen Konjunkturmaßnahmen der Regierung Lula in diesem Jahr insgesamt 142 Milliarden Reais in die Wirtschaft pumpen würden – das entspricht rund einem Prozent des brasilianischen Bruttoinlandsprodukts.

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