Brasilien hebt Inflationsprognose auf 4,5 Prozent an
Ölschock durch Nahostkonflikt zwingt Brasiliens Finanzministerium zur deutlichen Revision – Zinssenkungszyklus fällt moderater aus.

Das brasilianische Finanzministerium hat seine Inflationsprognose für das laufende Jahr deutlich nach oben korrigiert. Statt der im März erwarteten 3,7 Prozent rechnet die Regierung nun mit einer Inflationsrate von 4,5 Prozent. Als Hauptursachen nennt das Ministerium die Auswirkungen des Nahostkonflikts auf die globalen Öl- und Kraftstoffpreise sowie einen moderateren geldpolitischen Lockerungszyklus der Zentralbank.
Die neue Prognose platziert die Inflation damit exakt am oberen Ende des offiziellen Zielkorridors der brasilianischen Zentralbank. Dieser sieht ein Ziel von 3 Prozent vor, mit einer Toleranzmarge von 1,5 Prozentpunkten in beide Richtungen – das obere Limit liegt somit bei 4,5 Prozent.
Ölpreisanstieg als zentraler Treiber
Ein wesentlicher Faktor hinter der Revision ist der deutliche Anstieg der Ölpreiserwartungen. Laut dem Sekretariat für Wirtschaftspolitik des Ministeriums ist die Schätzung für den durchschnittlichen Ölpreis um 25 Prozent auf 91,25 US-Dollar pro Barrel gestiegen – verglichen mit der Prognose von vor zwei Monaten. Dieser Preisanstieg habe den dämpfenden Effekt einer bis Jahresende erwarteten stärkeren brasilianischen Währung mehr als ausgeglichen.
Die Regierung unter Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat zudem Maßnahmen beschlossen, um die Weitergabe höherer Kraftstoffpreise an den Inlandsmarkt zu begrenzen. Diese Abmilderungsmaßnahmen sind bereits in der aktualisierten Prognose berücksichtigt, konnten den Inflationsdruck jedoch nicht vollständig kompensieren.
Zinssenkungszyklus fällt flacher aus
Auch beim Leitzins Selic passt die Regierung ihre Erwartungen an. Statt eines Zinsniveaus von 12 Prozent zum Jahresende geht das Finanzministerium nun von 13 Prozent aus. Derzeit liegt der Selic-Zins bei 14,5 Prozent, nachdem die Zentralbank zwei aufeinanderfolgende Senkungen um jeweils 25 Basispunkte vorgenommen hatte. Der Zinssenkungszyklus war im März von der Zentralbank eingeleitet worden.
Trotz der Aufwärtsrevisionen bleibt die brasilianische Regierung optimistischer als der Markt. Ökonomen, die wöchentlich von der Zentralbank befragt werden, haben ihre Inflationsschätzung für dieses Jahr die zehnte Woche in Folge angehoben – auf nun 4,92 Prozent. Beim Leitzins erwarten diese Marktbeobachter zum Jahresende sogar 13,25 Prozent, also einen noch weniger expansiven Kurs als die Regierung.
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Zur AktienanalyseWachstumsprognose bleibt unverändert
Bei der Wirtschaftswachstumsprognose hält die Regierung an ihrer bisherigen Einschätzung fest. Das Bruttoinlandsprodukt soll 2026 um 2,3 Prozent wachsen. Das Ministerium verweist dabei auf eine erwartete Verlangsamung im zweiten und dritten Quartal, gefolgt von einer leichten Erholung gegen Jahresende.
Die befragten Marktökonomen sind auch hier skeptischer: Ihre mittlere Schätzung für das BIP-Wachstum liegt bei lediglich 1,85 Prozent. Die Diskrepanz zwischen offiziellen Regierungsprognosen und Markterwartungen spiegelt die anhaltende Unsicherheit über die wirtschaftliche Entwicklung Brasiliens wider – geprägt von externen Schocks wie dem Ölpreisanstieg und den Folgen geopolitischer Spannungen im Nahen Osten.


