Brasilien erwartet Kaffee-Rekordexporte – El Niño bleibt Risikofaktor
Im neuen Erntejahr ab Juli soll Brasilien rund 50 Millionen Säcke Kaffee exportieren – ein historischer Höchstwert.

Brasilien steht vor einem Rekordexportjahr beim Kaffee. Das neue Erntejahr beginnt im Juli, und laut Carlos Santana, Direktor des Agrarrohstoffhändlers EISA, werden die Exporte von Rohkaffee voraussichtlich rund 50 Millionen Säcke à 60 Kilogramm erreichen. Santana äußerte sich am Rande einer Kaffeekonferenz in der Hafenstadt Santos gegenüber Reuters.
„Vielleicht im Juli oder August werden wir beginnen, diese größeren Mengen an Kaffeelieferungen vom weltweit größten Produzenten und Exporteur zu sehen", sagte Santana. Der bisherige Exportrekord Brasiliens lag bei 46,3 Millionen Säcken Rohkaffee, den das Land im Jahr 2024 aufgestellt hatte – so der Branchenverband CECAFE. Die nun erwarteten 50 Millionen Säcke würden diesen Wert deutlich übertreffen.
Grundlage für die Rekordexporte ist eine historisch hohe Kaffeeproduktion. EISA schätzte Anfang des Jahres, dass Brasilien im Erntejahr 2026/27 (Juli bis Juni) insgesamt 75,8 Millionen Säcke à 60 Kilogramm produzieren wird. Bereits rund 5 Prozent der diesjährigen brasilianischen Ernte seien laut Santana bereits eingebracht worden.
Inverser Markt als Verkaufsanreiz
Ein weiterer Treiber für die hohen Exportmengen ist die aktuelle Marktstruktur. Der Kaffeemarkt befindet sich derzeit in einer sogenannten Inversion – die aktuellen Spotpreise liegen höher als die Terminpreise für spätere Lieferungen. Das schafft für Landwirte einen starken Anreiz, ihre Ernte schnell zu verkaufen und zu liefern, anstatt auf spätere Zeitpunkte zu warten.
Die erwarteten brasilianischen Lieferungen kommen zu einem wichtigen Zeitpunkt für den globalen Kaffeemarkt. Die Bestände in den Verbraucherländern befinden sich auf historisch niedrigen Niveaus. Produktionsausfälle in wichtigen Anbauländern in den Vorjahren hatten zu einem sprunghaften Anstieg der Kaffeepreise geführt. Die brasilianischen Exporte sollen nun dazu beitragen, diese Lagerbestände wieder aufzufüllen.
El Niño als Unsicherheitsfaktor für die nächste Ernte
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Zur AktienanalyseTrotz der positiven Aussichten für das laufende Erntejahr blicken Landwirte und Händler mit Sorge auf das Wetterphänomen El Niño. Santana erklärte, dass El Niño zwar einen positiven Aspekt haben könnte – wärmere Bedingungen könnten Frost verhindern –, die Hitze jedoch potenziell die Blütephase des Kaffees beeinträchtigen könnte. Diese findet in Brasilien üblicherweise im September oder Oktober statt und ist entscheidend für die Ernte des Folgejahres.
Sollte sich El Niño für die Kaffeebäume als eher negativ erweisen, könnten die Produzenten ihr Verkaufstempo drosseln, so Santana. Das Wetterphänomen werde letztlich die Verkaufsstrategien der Landwirte im weiteren Jahresverlauf beeinflussen. Für deutsche Kaffeeimporteure und Röster bleibt die Entwicklung in Brasilien damit ein zentraler Beobachtungspunkt – sowohl für die Versorgungslage als auch für die Preisentwicklung an den Terminmärkten.


