BP feuert Aufsichtsratschef Manifold wegen Governance-Mängeln sofort
Der britische Ölkonzern BP hat Verwaltungsratsvorsitzenden Albert Manifold nach nur acht Monaten im Amt abberufen.

BP hat seinen Verwaltungsratsvorsitzenden Albert Manifold mit sofortiger Wirkung abberufen. Als Begründung nannte der britische Ölkonzern am Dienstag Mängel bei der Governance-Aufsicht sowie Verhaltensfragen. Der Schritt erfolgt nur wenige Monate nachdem Manifold angetreten war, um eine strategische Neuausrichtung des Unternehmens zu begleiten.
„Der Verwaltungsrat war überrascht und enttäuscht, von Mängeln bei der Governance-Aufsicht und Verhaltensfragen zu erfahren, die er für inakzeptabel hält, und hat entschlossene Maßnahmen ergriffen", erklärte Amanda Blanc, Senior Independent Director bei BP, in einer offiziellen Mitteilung des Unternehmens. Konkrete Details zu den Hintergründen der Entlassung wurden nicht genannt.
Manifold hatte in seiner kurzen Amtszeit eine wichtige Rolle bei der Umstrukturierung des Konzerns gespielt. Ihm wurde unter anderem zugeschrieben, die Vereinfachung des Unternehmens vorangetrieben, den Turnaround beschleunigt und die Ernennung der neuen CEO Meg O'Neill beaufsichtigt zu haben. O'Neill bleibt weiterhin im Amt und führt den Konzern als Vorstandsvorsitzende.
Analysten sehen Fragezeichen über BPs Strategie
Henry Tarr, Analyst bei Berenberg in London, ordnet die Entwicklung in einen größeren Kontext ein: „Dies ist die jüngste in einer Reihe von Veränderungen im Führungsteam von BP. Seine plötzliche Abberufung wird Fragen zur Strategie des Unternehmens und zu den Gründen für den anhaltenden Wechsel von Führungskräften und Verwaltungsratsmitgliedern aufwerfen." Tarr weist zudem darauf hin, dass auf der jüngsten Hauptversammlung 18 Prozent der Aktionäre gegen Manifolds Wiederwahl gestimmt hatten – nachdem der Verwaltungsrat eine Klimaresolution der aktivistischen Aktionärsgruppe „Follow this" blockiert hatte.
Biraj Borkhataria von RBC Capital Markets betont, dass Manifold für viele Investoren als „Agent des Wandels" bei BP galt. „Da viele Investoren uns gegenüber Albert als ‚Agenten des Wandels' bei BP bezeichnet hatten, ist die negative Kursreaktion angemessen", so Borkhataria. Er fügt hinzu, dass BP-Aktien bei anhaltender Underperformance aus Bewertungssicht für potenzielle Käufer attraktiver werden könnten – sofern keine finanziellen Auswirkungen vorliegen.
David Morrison, Senior Market Analyst bei Trade Nation, zeichnet ein ernüchterndes Bild des Konzerns: „Es ist immer irgendeine unangenehme, schlechte PR-Geschichte, die das Unternehmen trifft. Bei BP passiert es leider immer wieder." Morrison sieht BP als eine Aktie, die eigentlich auf Augenhöhe mit Konkurrenten wie Chevron, ExxonMobil oder Shell stehen sollte, aber seit Jahren einen schlechten Lauf hat.
Investoren beobachten Kontinuität der Strategie
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Zur AktienanalyseEine zentrale Frage, die Analysten nun beschäftigt, ist die nach der strategischen Kontinuität. Borkhataria formuliert es so: „Die genauen Gründe für die Entlassung wurden nicht bekannt gegeben, sind aber aus unserer Sicht hinfällig. Das Problem ist, dass er, ungewöhnlich für einen großen internationalen Ölkonzern, Teil der ‚Equity Story' war." Viele Investoren hatten sich nach Jahren der Turbulenzen bei BP gerade wegen Manifolds Reformkurs wieder für die Aktie interessiert.
Die entscheidende Frage lautet nun, ob Manifold in seiner achtmonatigen Amtszeit – insbesondere durch die Ablösung des früheren CEO und die Verpflichtung von Meg O'Neill – genug angestoßen hat, damit der Investitionspfad für BP weitgehend feststeht. Für deutsche Anleger, die BP-Aktien im Depot halten oder beobachten, bleibt die Lage damit vorerst unübersichtlich. Die Reaktion des Marktes auf die Nachricht wurde von Analysten als „außergewöhnlich" beschrieben.


