Bosch verfehlt Gewinnziele deutlich
Konzernchef Hartung warnt vor schwierigen Aussichten und fordert Reformen

Der Technologiekonzern Bosch wird seine selbst gesteckten finanziellen Ziele für das Jahr 2025 deutlich verfehlt haben. Das machte Vorstandschef Stefan Hartung in einem Interview deutlich. Der Vorsteuergewinn des weltgrößten Autozulieferers werde spürbar unter den eigenen Erwartungen liegen und zugleich niedriger ausfallen als im Jahr zuvor. Damit setzt sich die angespannte wirtschaftliche Lage des Unternehmens fort, das mit strukturellen Belastungen und einem schwierigen Marktumfeld konfrontiert ist.
Im Jahr 2024 hatte Bosch einen Vorsteuergewinn von gut drei Milliarden Euro erzielt, bei einem Umsatz von mehr als 90 Milliarden Euro. Für 2025 zeichnet sich jedoch ein klarer Rückgang ab. Die vollständigen Geschäftszahlen will der Konzern Ende Januar vorlegen. Bosch befindet sich im Besitz einer Stiftung, was langfristige Stabilität sichern soll, die kurzfristigen Herausforderungen jedoch nicht abfedert.
Auch für das Jahr 2026 sieht Hartung keine Entspannung. Der sozialverträgliche Stellenabbau, den Bosch bereits angekündigt hat, werde hohe Kosten verursachen. In Deutschland sollen insgesamt 22.000 Arbeitsplätze wegfallen. Gleichzeitig rechnet der Konzern mit einer Abschwächung des Wachstums in wichtigen Absatzmärkten wie China und den USA. Für Europa und insbesondere Deutschland seien die wirtschaftlichen Prognosen ohnehin verhalten. Die für Investitionen notwendige Zielrendite von mindestens sieben Prozent dürfte nach Einschätzung des Managements frühestens ab 2027 wieder erreichbar sein.
Trotzdem sieht Hartung Bosch nicht in einer grundlegenden Krise. Vielmehr befinde sich das Unternehmen in einer anspruchsvollen Phase, die politische und wirtschaftliche Reformen erforderlich mache. Um international wettbewerbsfähig zu bleiben, seien bessere Rahmenbedingungen nötig. Technologisch könne Bosch weiterhin mit der Konkurrenz mithalten, doch Geschwindigkeit und Effizienz hätten deutlich an Bedeutung gewonnen.
Konkret sprach sich Hartung für flexiblere Arbeitszeitmodelle aus. Im internationalen Vergleich, insbesondere mit China, stellten sich Fragen nach der Wettbewerbsfähigkeit klassischer Arbeitszeitregelungen. Dort seien deutlich längere Arbeitszeiten üblich, was den Kostendruck auf europäische Unternehmen erhöhe.
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Zur AktienanalyseDarüber hinaus verwies der Bosch-Chef auf gesellschaftliche Herausforderungen. Leistungsbereitschaft müsse sich wieder stärker auszahlen, und der Staat müsse als funktionierend wahrgenommen werden. Andernfalls drohe nicht nur der Verlust von Potenzial, sondern auch ein Erstarken populistischer Strömungen. Besonders kritisch sehe Hartung die fehlenden Chancen vieler junger Menschen auf Wohneigentum, selbst bei hoher Arbeitsleistung. Mehr Chancengleichheit sei daher aus seiner Sicht ein zentraler Faktor für wirtschaftliche und gesellschaftliche Stabilität.


