Bosch kämpft mit Margendruck: Nur 2% Rendite statt 7% Ziel
Konzernchef Hartung verschiebt Zielerreichung erneut – 22.000 Stellen fallen bis 2030 weg

Die Zahlen sind ernüchternd: Bosch hat 2025 eine Ergebnismarge von nur rund zwei Prozent erzielt – weit entfernt vom selbst gesteckten Ziel von sieben Prozent. Konzernchef Stefan Hartung räumt offen ein, dass die Zielvorgabe "in Stein gemeißelt" bleibe, "aber der Stein leider oft verrückt worden" sei. Im Vorjahr lag die Marge noch bei 3,5 Prozent. Fast acht Jahre ist es her, dass der Technologiekonzern solch hohe Gewinne verzeichnete.
Die Gründe für den Rückgang sind vielschichtig. In Europa schrumpfte der Umsatz erneut um 0,6 Prozent. In Asien wuchs Bosch zwar wechselkursbereinigt um mehr als fünf Prozent, kann aber bei neuen Technologien nicht mehr die gewohnten Margen durchsetzen. Der US-Markt entwickelte sich volatil, zeigte aber durch die Heizungssparten-Übernahme ein Plus von über neun Prozent.
"Es war ein Jahr im Gegenwind, teilweise ein schmerzliches Jahr", so Hartung. Der Konzern baut derzeit 22.000 Stellen im deutschen Autobereich bis 2030 ab – der größte Stellenabbau der jüngeren Firmengeschichte. Allein 2025 fielen 6.500 Arbeitsplätze in Deutschland weg.
Zielmarge frühestens 2027 erreichbar
Die Geschäftsführung zeigt sich vorsichtig: Die Sieben-Prozent-Marge wird "frühestens 2027" erwartet. Für 2026 rechnet Bosch mit einem mageren Wachstum von 2,3 Prozent. "Wir haben gelernt und sind demütig geworden", gibt Hartung zu. Das Unternehmen hat 2,7 Milliarden Euro Rückstellungen für den Stellenabbau gebildet – eine Hypothek, die den Gewinn nach Steuern auch in den kommenden Jahren belasten wird.
Trotz der schwierigen Lage sieht Mobility-Chef Markus Heyn Lichtblicke. In China sei man "vorne dabei" und auf den Wandel "bestens vorbereitet". Die E-Achsen verzeichnen große Auftragsvolumen. Mit Hochleistungscomputern und Sensoren erwirtschaftet Bosch bereits zehn Milliarden Euro Umsatz. Erste Bestellungen aus China für By-Wire-Technologie – softwaregesteuerte Bremsen und Lenkungen – liegen vor.
Die Strategie: In China bei Softwareautos, autonomem Fahren und Chassis zu den Top 3 aufsteigen, Innovationen vorantreiben und dann mit ausgereiften Produkten auf den Heimatmärkten punkten. Bis 2030 soll das Auftragsvolumen im Lkw-Bereich von einer auf zwei Milliarden Euro verdoppelt werden.
Local Content statt Zölle
Erstmals sprach sich Hartung ausdrücklich für eine Mindestabnahme-Quote heimischer Anbieter aus. "Local Content ist besser als Zölle", betonte er. Europa müsse seine Zulieferer besser schützen, damit diese weiter Beschäftigung und Steuern sichern können. Konkrete Details blieb er jedoch schuldig.
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Zur AktienanalyseProblematisch entwickelt sich der Konsumbereich mit Kühlschränken und Bohrmaschinen. Die Nachfrage schrumpfte um fast zwei Prozent. Neubauprojekte fehlen europaweit, Verbraucher kaufen preiswerter ein. Boschs Antwort: Bis 2027 sollen bis zu 2.000 neue Produkte auf den Markt kommen. Ob diese Quantitätsoffensive ausreicht, bleibt fraglich.
Positive Impulse erhofft sich der Konzern von der Heizungssparte "Energy and Building". Die teuerste Akquisition der Firmengeschichte – die Heiz- und Lüftungssparte von Johnson Controls und Hitachi für über sieben Milliarden Euro – soll vor allem das US-Geschäft stabilisieren. Kunden fragen verstärkt "made in USA" nach. Der wichtigste Teil des Neugeschäfts wird am Standort Norman in Oklahoma entwickelt und produziert.
Trotz einzelner Hoffnungsschimmer bleibt Hartung realistisch. Zu viele geopolitische Unsicherheiten, zu viele positive Annahmen, die aufgehen müssen. Bosch hat in den vergangenen Jahren die Märkte mehrfach falsch eingeschätzt, Tausende Stellen auf- und wieder abgebaut. "Der Prozess des Stellenabbaus hat gerade erst angefangen", warnt der Konzernchef. Die Devise lautet: Durchhalten und "Weichen stellen für die Zukunft".


