Bosch erwägt Übernahme von Whirlpool
Interesse an US-Hausgerätehersteller könnte Wachstumsstrategie in Amerika stärken

Der Stuttgarter Autozulieferer Bosch prüft einem Bericht zufolge eine Übernahme des US-Hausgeräteherstellers Whirlpool. Bosch habe Interesse und erwäge ein Angebot für den Rivalen der eigenen Tochter BSH Hausgeräte, sagten drei mit den Plänen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Der Konzern habe bereits mit Beratern gesprochen, erklärte einer der Insider. Es sei jedoch nicht garantiert, dass es tatsächlich zu einem Angebot kommen werde.
Whirlpool wird an der New Yorker Börse derzeit mit rund 4,8 Milliarden Dollar bewertet. Die Aktie des Unternehmens legte im vorbörslichen Handel am Mittwoch jedoch um mehr als 17 Prozent zu und erreichte 102 Dollar. Ein Bosch-Sprecher in Stuttgart wollte sich zu den Informationen nicht äußern und sagte lediglich: „Marktgerüchte kommentieren wir grundsätzlich nicht.“ Whirlpool war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.
Ein Zukauf würde zu den Äußerungen von Bosch-Chef Stefan Hartung passen, der sich Wachstum in den USA außerhalb des Kerngeschäfts auf die Fahnen geschrieben hat. „Unser strategisches Ziel ist, Geschäfte weltweit auszubauen, insbesondere in den USA und im nicht-automobilen Bereich“, hatte Hartung kürzlich erklärt. Bosch plane demnach größere Akquisitionen, um seine Marktpräsenz in den USA zu stärken. Hartung betonte, dass die USA im Bosch-Portfolio unterrepräsentiert seien und Bosch in diesem riesigen Markt liefern müsse. Zur Finanzierung von Übernahmen könnte Bosch auch Tochterfirmen an die Börse bringen, deutete er an.
Whirlpool befindet sich derzeit mitten im Umbau. Der US-Konzern hat im vergangenen Jahr die Mehrheit an seinem Europa-Geschäft an den türkischen Rivalen Arcelik verkauft, einschließlich der in Deutschland populären Marke Bauknecht. In den letzten zwei Jahren hat die Whirlpool-Aktie etwa die Hälfte ihres Wertes verloren.
Die Münchner Bosch-Tochter BSH Hausgeräte, die Marken wie Gaggenau, Neff, Siemens und Bosch umfasst, hat im vergangenen Jahr mit rund 60.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 14,8 Milliarden Euro erzielt. In Nordamerika ging das Geschäft aufgrund eines intensiven Rabattkampfes um mehr als zehn Prozent zurück.
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Zur AktienanalyseEin potenzieller Zukauf von Whirlpool würde es Bosch ermöglichen, seine Position im US-Markt erheblich zu stärken und seine Produktpalette im Bereich Hausgeräte zu erweitern. Ob es jedoch zu einem konkreten Angebot kommt, bleibt abzuwarten. Die möglichen Verhandlungen und strategischen Überlegungen verdeutlichen Boschs Ziel, seine globale Präsenz und Marktanteile signifikant auszubauen, insbesondere in Regionen, in denen das Unternehmen bisher weniger stark vertreten ist.


