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Bolivien gibt Dollar-Bindung auf und wertet Währung ab

Nach 15 Jahren fixer Wechselkurse führt Bolivien ein flexibles System ein – ein historischer Kurswechsel zur Wiederherstellung wirtschaftlicher Stabilität.

Bolivien gibt Dollar-Bindung auf und wertet Währung ab

Bolivien beendet seine seit 2011 bestehende Bindung des Boliviano an den US-Dollar. Die Regierung gab am Freitag bekannt, ein flexibles Wechselkurssystem einzuführen – ein bedeutender politischer Kurswechsel, der die Währung faktisch abwertet. Die bolivianische Zentralbank wird den Übergang überwachen.

Ziel der Maßnahme sei es laut einem Dekret des Wirtschaftsministeriums, „die makroökonomische Stabilität zu stärken, die externe Wettbewerbsfähigkeit zu wahren und zum Gleichgewicht der Zahlungsbilanz beizutragen". Der Schritt ist Teil umfassenderer Bemühungen, die Devisenmärkte zu normalisieren und das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen.

Bolivien hatte seinen offiziellen Wechselkurs seit 2011 weitgehend unverändert bei 6,86 Bolivianos pro US-Dollar für Käufe und 6,96 für Verkäufe gehalten. Doch sinkende Devisenreserven und ein zunehmender Dollarmangel führten zur Entstehung eines Parallelmarktes, auf dem der US-Dollar zeitweise bei fast 20 Bolivianos gehandelt wurde – ein deutliches Zeichen für die tiefe Krise des Landes.

Neuer Wechselkurs und IWF-Verhandlungen

Kurz nach dem Dekret aktualisierte die Zentralbank ihre Website und wies für Montag einen offiziellen Wechselkurs von 9,73 Bolivianos pro US-Dollar aus. Dies entspricht einem Wertverlust der Währung von rund 30 Prozent gegenüber dem bisherigen Ankaufskurs. In jüngster Zeit hatte die Regierung bereits einen Referenzkurs von etwa 9,90 Bolivianos verwendet, über den die meisten Handels- und Finanztransaktionen abgewickelt wurden.

Parallel dazu verhandelt Bolivien mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) über ein Finanzierungsprogramm. Das angestrebte Volumen beläuft sich auf mindestens 2,5 Milliarden US-Dollar, mit einem Gesamtrahmen von etwa 3 Milliarden US-Dollar. Der IWF hatte Bolivien bereits in seinem letztjährigen Jahresbericht empfohlen, die Währungsbindung aufzugeben. Der aktuelle Schritt der Regierung wird als positives Signal für den Antrag auf ein IWF-gestütztes Programm gewertet.

Der Ökonom Gonzalo Chavez mahnte dennoch zur Vorsicht: „Sobald dies umgesetzt ist, kommt es darauf an, weiterhin US-Dollar zu beschaffen und über internationale Reserven in der Zentralbank zu verfügen", sagte er einem lokalen Radiosender. Die Herausforderungen für das Land seien damit noch nicht überwunden.

Proteste und politischer Widerstand

Die Aussicht auf den Systemwechsel und die IWF-Gespräche stoßen auf erheblichen Widerstand im Land. Gewerkschaftsgruppen blockieren seit Mai wichtige Straßen, um gegen die Regierung von Präsident Rodrigo Paz zu protestieren. Eine der wichtigsten Gruppen, die Central Obrera Boliviana, forderte die Regierung auf, IWF-Kredite als Bedingung für die Aufhebung der Blockaden auszuschließen. Die Sorge: Ein IWF-Abkommen könnte zu Sparmaßnahmen führen.

Die Regierung hält dagegen und argumentiert, dass externe Finanzierungen notwendig seien, um Reserven wieder aufzubauen, die öffentlichen Finanzen zu stabilisieren und den Übergang zum neuen Wechselkurssystem zu erleichtern. Präsident Paz rief vergangene Woche den Ausnahmezustand aus, was es den Sicherheitskräften ermöglichte, Straßensperren zu räumen, die die Wirtschaft seit fast zwei Monaten gelähmt hatten.

Für internationale Anleger und Beobachter markiert der Schritt einen wichtigen Wendepunkt: Bolivien bewegt sich weg von einer starren Währungspolitik hin zu einem marktorientierten System – ein Weg, den viele Schwellenländer in wirtschaftlichen Krisenzeiten eingeschlagen haben, um ihre Wettbewerbsfähigkeit und Zahlungsfähigkeit wiederherzustellen.

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