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BOJ-Ratsmitglied Koeda fordert Zinserhöhung wegen Inflationsrisiken

Junko Koeda warnt vor kriegsbedingtem Überschießen der Inflation und stärkt die Argumente für eine Zinserhöhung im Juni.

BOJ-Ratsmitglied Koeda fordert Zinserhöhung wegen Inflationsrisiken

Das Bank-of-Japan-Ratsmitglied Junko Koeda hat sich am Donnerstag klar für eine Zinserhöhung ausgesprochen. In einer Rede vor Wirtschaftsvertretern in der südjapanischen Stadt Fukuoka erklärte sie, die BOJ solle die Zinssätze in einem „angemessenen Tempo" anheben. Als Hauptgrund nannte sie den Inflationsdruck infolge des Krieges im Nahen Osten, der die Kerninflation über das Ziel von 2% treiben könnte.

„Angesichts der Lage im Nahen Osten sehe ich eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass die Kerninflation künftig 2% überschreiten könnte", sagte Koeda. Sie fügte hinzu, dass der jüngste Anstieg der langfristigen Inflationserwartungen besondere Aufmerksamkeit verdiene. Die ehemalige Akademikerin betonte zudem, die Zentralbank müsse den Nebenwirkungen negativer Realzinsen mehr Gewicht beimessen, da die Ölpreise über einen längeren Zeitraum hoch bleiben könnten.

Koeda warnte ausdrücklich vor den Risiken, wenn die inflationsbereinigten Realzinsen deutlich unter dem neutralen Niveau verharren. Dies könne zu unbeabsichtigten Verzerrungen bei der künftigen Ressourcenallokation führen. „Wenn die Wirtschaft keinen größeren Einbruch erleidet, muss den Nebenwirkungen eines weiteren Rückgangs der Realzinsen mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden", so Koeda.

Märkte preisen 80-prozentige Wahrscheinlichkeit für Juni-Erhöhung ein

Koedas Aussagen reihen sich in eine Serie falkenhafter Signale aus dem BOJ-Rat ein. Bereits vergangene Woche hatte Ratsmitglied Kazuyuki Masu gefordert, die Zinsen so bald wie möglich anzuheben, sofern keine klaren Anzeichen für eine wirtschaftliche Abschwächung vorliegen. Die Märkte preisen inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von rund 80% für eine Zinserhöhung bei der nächsten BOJ-Sitzung am 15. und 16. Juni ein. Fast zwei Drittel der von Reuters befragten Ökonomen erwarten ebenfalls eine Anhebung im nächsten Monat.

Derzeit hält die BOJ ihren kurzfristigen Leitzins bei 0,75% – obwohl die Kernverbraucherinflation seit vier Jahren das Ziel von 2% überschreitet. Auf der Sitzung vom 27. bis 28. April hatte die BOJ den Zinssatz stabil gehalten, allerdings stimmten drei der neun Ratsmitglieder dagegen und forderten eine Erhöhung. Sollten sich Masu und Koeda diesen drei falkenhaften Abweichlern anschließen, würden fünf der neun Ratsmitglieder eine Zinserhöhung befürworten – genug, um die taubenhafte Mehrheit zu überstimmen.

Koeda erläuterte auf einer Pressekonferenz, warum sie im April noch für eine Beibehaltung der Zinsen gestimmt hatte: „Es bestand ein erhebliches Risiko, dass sich unser Szenario je nach den Entwicklungen im Nahen Osten drastisch ändern könnte." Inzwischen sei jedoch die Wahrscheinlichkeit gestiegen, dass der Konflikt die Ölpreise dauerhaft auf hohem Niveau halten könnte.

Großhandelsinflation auf Dreijahreshoch

Japans Großhandelsinflation beschleunigte sich im April so schnell wie seit drei Jahren nicht mehr. Als Treiber gelten der Iran-Krieg sowie gestiegene Preise für Öl und chemische Güter. Koeda verwies zudem darauf, dass die starke globale KI-Nachfrage ebenfalls zu höheren Energiepreisen beitragen könnte – mit der Folge, dass die Preise künftig bei einer Vielzahl von Artikeln steigen könnten.

Trotz der Inflationsrisiken zeigte sich Koeda vorsichtig optimistisch für die japanische Konjunktur. Angesichts der positiven Produktionslücke Japans und der starken weltweiten IT-Nachfrage werde die japanische Wirtschaft in den kommenden Jahren wahrscheinlich einen größeren wirtschaftlichen Abschwung vermeiden. Die Inflationsrisiken seien bereits größer als das Rezessionsrisiko, da Unternehmen höhere Kosten stetig untereinander weitergeben würden.

Die BOJ hatte im Jahr 2024 ihre jahrzehntelange, massive geldpolitische Stimulierung beendet und die Zinsen mehrmals angehoben – zuletzt im Dezember. Hintergrund war die Einschätzung, dass Japan kurz davor stehe, sein Inflationsziel von 2% dauerhaft zu erreichen. Der anhaltende Konflikt im Nahen Osten erschwert der BOJ nun die Aufgabe, da höhere Energiekosten die Inflation anheizen und gleichzeitig die stark von Ölimporten abhängige japanische Wirtschaft belasten. „Im Vergleich zur Vergangenheit hat die Rolle, die die Geldpolitik bei der Bekämpfung der Inflation spielen muss, zugenommen", betonte Koeda abschließend.

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