BofA: Europäische Versicherer mit geringerem Private-Assets-Risiko als befürchtet
Bank of America analysiert Private-Asset-Engagements europäischer Versicherer und gibt Entwarnung.

Analysten der Bank of America haben das Engagement europäischer Versicherungsunternehmen in privaten Vermögenswerten unter die Lupe genommen. Ihr Fazit: Das tatsächliche Risikoniveau fällt deutlich geringer aus, als aktuelle Marktsorgen vermuten lassen. Die Untersuchung liefert wichtige Orientierung für Anleger, die den jüngsten Kursrückgang im europäischen Versicherungssektor einordnen wollen.
Die Aktien europäischer Versicherer standen zuletzt unter erheblichem Druck. Bedenken über die Qualität der Vermögenswerte, bekannte Insolvenzen, anstehender Refinanzierungsbedarf sowie die Sorge vor technologischer Veraltung durch Künstliche Intelligenz verunsicherten Investoren. Hinzu kamen ein schwächerer Preisausblick im Schaden- und Unfallversicherungsgeschäft sowie geopolitische Risiken durch den Nahost-Konflikt.
Durchschnittlich 27 Prozent in privaten Vermögenswerten
Laut der BofA-Analyse halten europäische Versicherer im Schnitt 11 Prozent ihrer Anlagen im Deckungsstock in Privatkrediten und Private Equity. Bezieht man alle privaten Vermögenswerte ein – also Hypotheken, Darlehen, verbriefte Produkte, Private Credit, Private Equity und Immobilien – steigt dieser Wert auf 27 Prozent. Die Analysten betonen jedoch, dass Hypothekenportfolios typischerweise hohe Qualität aufweisen und das direkte Immobilienengagement stark diversifiziert ist.
Bereinigt man die Zahlen um Hypotheken und Immobilienbesitz, reduziert sich das Engagement auf lediglich 7 Prozent in der privaten Kreditvergabe und 4 Prozent in Private Equity. Britische Lebensversicherer stechen mit einem kombinierten Anteil von 15 bis 25 Prozent in privaten Krediten und Private Equity als am stärksten exponiert hervor. Niederländische Lebensversicherer gelten dagegen als defensiver positioniert, da ihre Allokation überwiegend in hochwertige niederländische Wohnimmobilienhypotheken fließt.
Unterschiede zwischen den großen Anbietern
Bei den einzelnen Versicherungskonzernen zeigen sich deutliche Unterschiede. Aegon weist aufgrund seines US-Fokus ein höheres Engagement auf, unterhält aber ein konservativeres Portfolio als direkte amerikanische Wettbewerber. AXA zeigt unter den großen Kompositversicherern ein leicht überdurchschnittliches Engagement, bedingt durch den konservativen Ansatz bei verbrieften Vermögenswerten. Generali und Zurich erscheinen laut BofA besser positioniert als der Branchendurchschnitt.
Schaden- und Unfallversicherer weisen aufgrund kürzerer Bilanzlaufzeiten generell geringere Engagements auf. Munich Re und Hannover Re liegen jedoch leicht über dem Sektordurchschnitt. In der Portfoliozusammensetzung der Privatkredite und Private-Equity-Bestände dominieren Infrastruktur und Energie, während Software und IT nur einen Minderheitsanteil ausmachen. Staatlich geförderte Projekte machen einen bedeutenden Teil der britischen Bestände aus.
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Zur AktienanalyseStresstest zeigt überschaubare Verluste
Die Bank of America führte zudem einen Stresstest durch. Dabei wurden Ausfallraten von 5 Prozent für Infrastrukturanleihen und 10 Prozent für andere Formen von Privatkrediten und Private Equity angenommen – das entspricht etwa dem Doppelten des aktuellen Niveaus. In diesem Szenario würden sich die Verluste auf rund 4 Prozent der Marktkapitalisierung des Sektors belaufen, sofern Aktionäre alle Verluste trügen. In der Praxis würden Versicherungsnehmer jedoch ebenfalls an Verlusten beteiligt, was die Auswirkungen auf Aktionäre weiter begrenzen würde.

