BoE-Expertin: Tokenisierte Einlagen werden Stablecoins langfristig ablösen
Megan Greene von der Bank of England zweifelt an der Zukunft von Stablecoins – und sieht tokenisierte Bankeinlagen als klaren Sieger.

Die Nachfrage nach Stablecoins könnte laut einer hochrangigen Expertin der Bank of England (BoE) schon bald nachlassen. Megan Greene, Mitglied des geldpolitischen Ausschusses der BoE, äußerte sich auf einer Konferenz im kroatischen Dubrovnik skeptisch gegenüber der langfristigen Zukunft dieser digitalen Vermögenswerte. Stablecoins sind Krypto-Assets, die darauf ausgelegt sind, einen stabilen Wert zu halten – etwa durch Bindung an den US-Dollar oder andere Währungen.
„Ich glaube, dass tokenisierte Einlagen die Stablecoins wahrscheinlich ablösen werden, und ich vermute, dass wir uns in fünf Jahren fragen werden, warum wir überhaupt über Stablecoins gesprochen haben", sagte Greene auf dem Podium. Obwohl die Emissionen von Stablecoins in den vergangenen Monaten stagnierten, erwarten manche Marktbeobachter dennoch einen weiteren Anstieg ihrer Verbreitung.
Greene argumentierte, dass es zwar einen Markt für alle drei Formen digitaler Währungen gebe – digitale Zentralbankwährungen (CBDCs), Stablecoins und digitale Einlagen –, dass jedoch tokenisierte Einlagen letztlich die Oberhand gewinnen könnten. Entscheidend sei, wann die Geschäftsbanken erkennen, dass sie andernfalls traditionelle Bankeinlagen an Stablecoins verlieren würden.
Fed-Vertreter Waller verteidigt Stablecoins
Auf demselben Podium in Dubrovnik nahm Christopher Waller, Mitglied des Gouverneursrats der US-Notenbank Federal Reserve, eine deutlich andere Position ein. Er verteidigte Stablecoins als legitime Finanzinnovation und warnte vor übermäßiger Regulierung. „Ich habe Stablecoins immer nur als Zahlungsinstrument betrachtet; daran ist nichts Böses oder Gefährliches", sagte Waller. „Sie bringen lediglich Wettbewerb in die Welt des Zahlungsverkehrs."
Waller betonte zudem, dass Stablecoins insbesondere für grenzüberschreitende Zahlungen genutzt werden und dass traditionelle Banken diese Entwicklung sehr wohl als Bedrohung wahrnehmen. „Wenn Sie glauben, dass die Banken dies nicht als Bedrohung ansehen, warum betreiben sie dann so intensives Lobbying, um es zu stoppen?", fragte er rhetorisch.
Greene hingegen nannte mehrere konkrete Kritikpunkte an Stablecoins. Sie verwies darauf, dass diese Instrumente nicht so stabil seien, wie ihr Name suggeriere, dass Regulierungsfragen ungeklärt seien und dass einige Stablecoins auch für illegale Zwecke verwendet würden. Ein weiteres strukturelles Problem: Stablecoins könnten den Geschäftsbanken Einlagen entziehen und damit die Wirksamkeit der Geldpolitik untergraben.
Das Rennen zwischen Schildkröte, Hase und Nashorn
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Zur AktienanalyseZur Veranschaulichung ihrer Einschätzung bediente sich Greene eines bildhaften Vergleichs. „Ich stelle mir das gerne als ein gewaltiges Rennen zwischen der Schildkröte, dem Hasen und dem Nashorn vor", sagte sie. „Die Schildkröte ist die digitale Zentralbankwährung, der Hase sind die Stablecoins und das Nashorn sind die tokenisierten Einlagen."
Greene geht davon aus, dass am Ende alle drei Formen koexistieren werden – doch wenn sie auf einen Sieger setzen müsste, wären es die tokenisierten Einlagen. Bislang hätten sich diese noch nicht durchgesetzt, weil Geschäftsbanken die damit verbundenen Gebühreneinnahmen nicht aufgeben wollten. „Aber sie werden sie ohnehin verlieren, und wenn sie das erkennen, werden sie mehr Anstrengungen in deren Entwicklung investieren", so Greene.
Die Debatte zwischen Greene und Waller spiegelt eine breitere Diskussion wider, die derzeit in Zentralbanken, Regulierungsbehörden und der Finanzbranche weltweit geführt wird: Welche Form digitalen Geldes wird sich langfristig durchsetzen – und welche Rolle spielen dabei staatliche Regulierung, Bankinteressen und technologische Innovation?


