BMW zweifelt an Elektro-Zukunft des Mini-Werks in Oxford
Handelshürden durch den Brexit und steigender Kostendruck gefährden die Elektrifizierungspläne für das traditionsreiche Mini-Stammwerk.

Das Mini-Werk im englischen Oxford gilt als Herzstück einer der bekanntesten Automarken der Welt. Seit 1959 rollen dort Minis vom Band – zunächst unter britischer Flagge, seit dem Jahr 2000 unter dem Dach des deutschen Premiumherstellers BMW. Als BMW damals den Rover-Konzern zerschlug, behielt man die Marke Mini bewusst und sicherte damit nicht nur ein britisches Nationalsymbol, sondern auch zahlreiche Arbeitsplätze. Die Produktion wurde kurz darauf von Longbridge nach Oxford verlagert, zurück an den historischen Ursprungsort der Marke.
Heute ist Mini die einzige BMW-Submarke, deren Absatz seit Jahren kontinuierlich wächst. Rund 80 Prozent der in Oxford produzierten Fahrzeuge gehen in den Export. Doch trotz dieser Erfolgsgeschichte steht das Werk vor einer ungewissen Zukunft – und die Ursachen dafür liegen sowohl in der Handelspolitik als auch in der Kostenstruktur des Unternehmens.
Brexit-Regeln bedrohen die Wirtschaftlichkeit
Laut Informationen der WirtschaftsWoche stellt BMW die Elektrifizierungspläne für das Werk in Oxford grundsätzlich infrage. Der Auslöser: die sogenannten „Rules of Origin", die Großbritannien und die Europäische Union im Zuge des Brexit vereinbart haben. Diese Regeln sehen vor, dass Elektroautos nur dann zollfrei zwischen der EU und Großbritannien gehandelt werden dürfen, wenn ihre Komponenten zu mindestens 45 Prozent in einer der beiden Regionen gefertigt wurden. Für Batterien liegt der Schwellenwert sogar bei 60 Prozent. Wer diese Grenzwerte unterschreitet, zahlt zehn Prozent Zoll.
Das Problem: In Europa werden bislang nur wenige Batteriezellen hergestellt. Die meisten Hersteller, darunter auch BMW, sind auf Importe aus Asien angewiesen. Sollten die Handelsregeln wie geplant am 1. Januar 2027 in Kraft treten, könne BMW am Standort Oxford „kein Elektrofahrzeug produzieren und verkaufen", zitiert die WirtschaftsWoche einen einflussreichen Insider aus dem Umfeld des neuen BMW-Chefs Milan Nedeljković. „Wenn die britische Regierung die Regel zur Produktherkunft nicht öffnet, wird es eng", so der Insider weiter.
BMW hatte ursprünglich ambitionierte Pläne für Oxford: Bereits 2023 sollte das Werk auf Elektromobilität umgerüstet werden. Von 2019 bis 2023 wurden dort bereits erste E-Minis gebaut. Für den weiteren Ausbau stellte der Konzern fast 700 Millionen Euro bereit und plante, spätestens ab 2030 ausschließlich elektrische Minis in Oxford zu fertigen. Nur ein Jahr nach der Ankündigung zog BMW die Reißleine – und verzichtete dabei sogar auf eine Millionenförderung der britischen Regierung. Offiziell begründete das Unternehmen den Stopp mit ungünstigen „Marktbedingungen".
Magere Margen im Einstiegssegment
Neben den Handelshürden drücken auch strukturelle Kostenprobleme auf die Rentabilität. Laut einem BMW-Aufsichtsrat sind die Margen für die sogenannte „UKL-Plattform" – die Basis für alle Mini-Modelle sowie die BMW 1er und 2er Reihe – „traditionell nicht sehr hoch". Erschwerend kommt hinzu, dass BMW für diese Fahrzeuge vergleichsweise teure Produktionsstandorte in Großbritannien, Deutschland und den Niederlanden unterhält.
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Zur AktienanalyseZuletzt musste BMW auch im Premiumsegment Abstriche hinnehmen: Die Gewinnspanne im Automobilbereich sank auf nur noch 5,0 Prozent. „Mit drei bis vier Prozent Marge mit UKL wird es nicht gehen", kommentiert ein Mitglied des Aufsichtsrats. Der neue CEO Nedeljković hat sich Kostensenkungen auf die Fahne geschrieben – doch ob das in Westeuropa gelingt, bleibt laut dem Kontrolleur fraglich. „In Europa rechnen sich die Fahrzeuge nur in einer Mischkalkulation mit dem Premiumsegment", heißt es.
Aktuell produziert BMW die elektrischen Mini-Cooper-Modelle in China. Die elektrischen und Verbrenner-Varianten des Mini Countryman werden im deutschen Leipzig gefertigt. Eine BMW-Sprecherin erklärte, das Unternehmen prüfe fortlaufend, wann eine Aufnahme des Elektro-Minis in Oxford sinnvoll sei, und investiere weiterhin in den Standort, um ihn „für die Zukunft aufzustellen". Für Anleger bleibt die Frage, wie BMW die Balance zwischen Kosteneffizienz, Standorttreue und dem Hochlauf der Elektromobilität langfristig meistern will.


