Blackrock-Fonds verliert 19 Prozent: Private Credit unter Druck
Wertberichtigung bei TCP-Fonds offenbart Risiken des boomenden Marktes für alternative Unternehmenskredite

Der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock musste bei seinem börsennotierten Kreditfonds TCP eine Wertberichtigung von 19 Prozent vornehmen. Betroffen sind vor allem Investments in E-Commerce-Firmen und die Hausrenovierungs-Plattform Renovo Home Partners. Die Aktien des auf kleine und mittlere Unternehmen spezialisierten Fonds brachen daraufhin um 13 Prozent ein – rund 50 Millionen Dollar Börsenwert gingen verloren.
Für Anleger ist der Vorfall ein deutliches Warnsignal. Er zeigt exemplarisch, welche Bewertungsrisiken im boomenden Private-Credit-Markt lauern. Dieser Markt umfasst Kredite von Nichtbanken wie Vermögensverwaltern, Hedgefonds oder Private-Equity-Gesellschaften an Unternehmen, die bei traditionellen Banken oft leer ausgehen.
Der Fall weckt Erinnerungen an die Pleite des US-Autozulieferers First Brands im Herbst 2024. Damals mussten Investoren – darunter Anleger in Fonds einer UBS-Tochter – massive Verluste verkraften. Das Unternehmen hatte sich stark über Private-Credit-Fonds finanziert.
Höhere Renditen, höhere Risiken
Der Private-Credit-Markt verspricht attraktive Renditen, birgt aber erhebliche Risiken. Weil diese Kreditwelt weniger streng reguliert ist als das Bankensystem, können alternative Geldgeber höhere Zinsen und Gebühren verlangen. Für Unternehmen, die keine ausreichenden Sicherheiten bieten können oder wollen, bleibt oft nur dieser Weg.
Bis vor wenigen Jahren investierten hauptsächlich institutionelle Anleger in private Unternehmenskredite. Ihre Strategie: Kaufen, halten und Dividende kassieren. Doch zunehmend entdecken auch Privatanleger diesen Markt für sich – über Publikumsfonds, Spezialvehikel wie European Long-Term Investment Funds oder börsennotierte Business Development Companies wie Blackrock TCP.
Das Risikoprofil einzuschätzen, ist für Privatanleger jedoch nahezu unmöglich. Die mangelnde Transparenz macht eine fundierte Bewertung extrem schwierig. Bereits Ende 2025 warnte der New Yorker Bundesanwalt Jay Clayton vor verzerrten Bewertungen, die höhere Gebühren rechtfertigen sollen. Clayton kennt die Branche aus seiner Zeit als Chef des Vermögensverwalters Apollo Global.
Trump öffnet Altersvorsorge für Private Credit
Eine neue Dimension erreicht der Markt durch US-Präsident Donald Trump. Er hat Altersvorsorgeprodukte wie 401(k)-Pläne für alternative Anlagen wie Krypto und Unternehmenskredite geöffnet. In diesen vom Arbeitgeber geförderten, steuerbegünstigten Sparplänen stecken fast 10 Billionen Dollar – bisher überwiegend in traditionellen Aktien, Anleihen und ETFs.
Vermögensverwalter bauen bereits entsprechende Fondskonstrukte auf, obwohl das Arbeitsministerium die Leitlinien noch nicht veröffentlicht hat. Demokratische Politiker wie Senatorin Elizabeth Warren warnen eindringlich: Die Kombination aus Private Credit und Privatanlegern passe nicht zusammen.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseDie Ratingagentur Moody's weist auf eine weitere Gefahr hin: Privatanleger sind kurzfristiger orientiert als institutionelle Investoren. Das könnte höhere Volatilität in den Markt bringen. Fonds müssten mehr Liquidität vorhalten, um Anleger auszuzahlen – die Kapitalkosten würden steigen. Der auf Kaufen-und-Halten ausgelegte Markt würde sich fundamental verändern.
Systemisches Risiko noch begrenzt
Mit rund 450 Millionen Dollar Marktkapitalisierung ist das systemische Risiko bei Blackrock TCP noch überschaubar. Geraten jedoch milliardenschwere Altersvorsorge-Investitionen in Schieflage, würde dies sofort zum Politikum. Die Entwicklung zeigt: Der Private-Credit-Markt steht an einem kritischen Wendepunkt – mit ungewissem Ausgang für Privatanleger.


