Bitchat: Dorseys Messaging-App wird zum Protest-Tool
Die dezentrale Messaging-App Bitchat von Twitter-Gründer Jack Dorsey erlebt einen massiven Nutzerzuwachs in Uganda und Iran. Während Regierungen das Internet sperren, setzen Aktivisten auf die Bluetooth-basierte Technologie.

In Uganda und Iran greifen Demonstranten vermehrt auf Bitchat zurück, eine Messaging-App des ehemaligen Twitter-CEOs Jack Dorsey. Die Anwendung ermöglicht Kommunikation ohne Internet- oder Mobilfunkverbindung und wird zum wichtigen Werkzeug gegen staatliche Zensur.
Explosives Wachstum in Krisenregionen
Laut Analysefirma Apptopia verzeichnete Bitchat in Uganda allein in diesem Jahr über 28.000 Downloads – eine Vervierfachung gegenüber den beiden Vormonaten. Die App stürmte an die Spitze der App-Stores von Apple und Google. Im Iran stieg die Nutzung um mehr als das Dreifache, nachdem die klerikalen Herrscher Internetsperren zur Unterdrückung landesweiter Proteste verhängten.
Die Besonderheit von Bitchat liegt in ihrer dezentralen Bluetooth-Mesh-Technologie. Nachrichten werden über die Smartphones anderer Nutzer weitergeleitet, bis sie ihr Ziel erreichen. Eine Internetverbindung ist nicht erforderlich. Dorsey entwickelte die App nach eigenen Angaben innerhalb einer Woche im Juli des vergangenen Jahres.
Uganda sperrt Internet vor Wahlen
Der ugandische Oppositionskandidat Bobi Wine, ein bekannter Popstar, rief seine Landsleute Ende letzten Monats zum Download von Bitchat auf. Er warnte, die Regierung plane eine Internetsperre, um zu verhindern, dass sich Bürger organisieren und Wahlergebnisse überprüfen können. Sein Aufruf auf X wurde fast 2.000 Mal geteilt.
Am Dienstag wurde Wine bestätigt: Die ugandischen Behörden unterbrachen den Internetzugang und schränkten Mobilfunkdienste landesweit ein. Offiziell sollen laut einem Reuters vorliegenden Schreiben "Fehlinformationen, Desinformationen und Wahlbetrug" eingedämmt werden. Vor der Wahl am Donnerstag nahmen Sicherheitskräfte bereits Hunderte Oppositionsanhänger fest und setzten bei Wahlkampfveranstaltungen scharfe Munition und Tränengas ein.
Experten kritisieren Internetsperren scharf
Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International fordern Uganda auf, die Sperre zu beenden. "Internetsperren verletzen grundlegende Menschenrechte und sind zu einem bekannten Instrument geworden, das Regierungen in Zeiten politischen Stresses einsetzen", erklärt Aditya Vashistha, Assistenzprofessor an der Cornell University. Es gebe kaum Beweise dafür, dass sie Fehlinformationen reduzieren – im Gegenteil könnten sie Gerüchte verstärken.
Die Wächter für digitale Rechte Access Now und die Koalition #KeepItOn dokumentierten 2024 insgesamt 296 Internetsperren in 54 Ländern. Bluetooth-basierte Messaging-Dienste entwickeln sich dabei zunehmend zur bevorzugten Alternative für Demonstranten.
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Zur AktienanalyseDorseys Mission gegen Zentralisierung
Dorsey, der sich selbst als "teilweise schuld" an der Zentralisierung des Internets bezeichnet, will mit Bitchat gegensteuern. Die App erfordert keine Anmeldung und verfügt über eine minimalistische Benutzeroberfläche. Ihr Aufstieg erinnert an die Rolle, die Twitter während des Arabischen Frühlings spielte, als Aktivisten Echtzeitaufnahmen von Protesten verbreiteten.
Ähnliche Apps wie Bridgefy wurden bereits bei den Pro-Demokratie-Protesten in Hongkong 2020 eingesetzt. Nach der Machtübernahme des Militärs in Myanmar 2021 verzeichnete Bridgefy über eine Million Downloads. Die Technologie etabliert sich zunehmend als digitales Widerstandswerkzeug gegen autoritäre Regime.


