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Biontech: Betriebsrat kämpft gegen drohende Werksschließungen und Stellenabbau

Der Betriebsrat wirft der Unternehmensführung mangelnde Kooperation vor und fordert Vorstandschef Ugur Sahin persönlich an den Verhandlungstisch.

Biontech: Betriebsrat kämpft gegen drohende Werksschließungen und Stellenabbau

Der Konflikt zwischen Biontech-Management und Arbeitnehmervertretern spitzt sich zu. Der Konzernbetriebsrat des Mainzer Impfstoffherstellers wirft der Unternehmensführung fehlende Kooperationsbereitschaft bei der Suche nach einem Investor für die von Schließung bedrohten Standorte vor. In einer Verhandlungsrunde hatte der Betriebsrat vorgeschlagen, eine arbeitnehmernahe Beratungsgesellschaft mit der Investorensuche zu beauftragen – die Arbeitgeberseite lehnte dies kategorisch ab.

Statt konstruktiver Lösungsansätze habe das Management einen Zeitplan für die Schließung der betroffenen Werke vorgelegt, der eine Übernahme durch einen externen Investor nahezu unmöglich machen würde. Der Betriebsrat reagierte mit einer klaren Ansage: Unternehmensgründer und Vorstandsvorsitzender Ugur Sahin soll persönlich zur nächsten Verhandlungsrunde erscheinen. „Wir erwarten Fürsorge und Verantwortung von unserem Vorstandsvorsitzenden statt Konfrontation und Ignoranz", heißt es in der Mitteilung des Konzernbetriebsrats.

Bis zu 1.860 Stellen in Gefahr

Hintergrund des Streits sind Pläne, die Biontech vor wenigen Tagen bekanntgegeben hatte. Das Unternehmen begründet die geplanten Schließungen mit zu geringer Auslastung, Überkapazitäten und dem Ziel der Kosteneinsparung. Konkret betroffen sind Produktionsstandorte in Idar-Oberstein, Marburg und Singapur sowie Standorte des übernommenen Konkurrenten Curevac. Insgesamt können laut Unternehmen bis zu 1.860 Stellen von den Maßnahmen betroffen sein.

Besonders hart trifft es den Curevac-Standort: Allein dort sind rund 820 Jobs bedroht, der Großteil davon am Hauptsitz in Tübingen. Die Betriebsräte der betroffenen Standorte hatten bereits unmittelbar nach der Ankündigung reagiert und die Pläne des Managements als inakzeptabel und verantwortungslos bezeichnet. Gleichzeitig kündigten die Arbeitnehmervertreter entschiedenen Widerstand der Belegschaft an.

Hoffnung auf Investorenlösung bleibt

Trotz der scharfen Kritik geben die Betriebsräte die Hoffnung auf eine außergerichtliche Lösung nicht auf. Sie halten es weiterhin für möglich, die drohende Stilllegung der Werke durch einen Verkauf an einen geeigneten Investor abzuwenden. Voraussetzung dafür wäre jedoch, dass das Management den nötigen Spielraum für eine solche Transaktion lässt – genau das bezweifeln die Arbeitnehmervertreter angesichts des vorgelegten Schließungszeitplans.

Für Privatanleger, die Biontech-Aktien im Depot halten, verdeutlicht der Konflikt die strukturellen Herausforderungen, mit denen das Unternehmen nach dem Ende des Corona-Impfstoffbooms konfrontiert ist. Überkapazitäten und sinkende Auslastung belasten die Kostenstruktur erheblich. Wie das Unternehmen den Umbau sozialverträglich und gleichzeitig wirtschaftlich effizient gestalten kann, dürfte die Aktie und das Unternehmensimage in den kommenden Monaten maßgeblich beeinflussen.

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