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Big-Tech-Aktien: Analysten preisen ein KI-Kostenwunder ein

Wall-Street-Prognosen für die größten KI-Hyperscaler setzen auf rasant steigende Margen – trotz explodierender Investitionsausgaben.

Big-Tech-Aktien: Analysten preisen ein KI-Kostenwunder ein

Die Erwartungen der Wall Street an die größten Technologiekonzerne sind ehrgeizig – vielleicht zu ehrgeizig. Analysten prognostizieren, dass die fünf führenden KI-Hyperscaler ihre operativen Margen bis 2029 auf rund 31% steigern werden, verglichen mit 27% im vergangenen Jahr. Das wäre der höchste kollektive Wert der Gruppe seit dem Börsengang von Meta im Jahr 2012.

Doch dieser Optimismus setzt einen enormen Vertrauensvorschuss voraus: dass Alphabet, Microsoft, Meta Platforms, Amazon und Oracle ihren Umsatz deutlich schneller steigern können als ihre Betriebskosten – und das ausgerechnet in einer Phase massiver Investitionen in künstliche Intelligenz. Die Anleger sind bereits nervös, denn die Investitionsausgaben (Capex) dieser Unternehmen schießen in die Höhe.

Steigende Capex, sinkende Kreditwürdigkeit

Die Risiken sind bereits sichtbar. Die Ratingagentur S&P senkte diesen Monat die Kreditwürdigkeit von Oracle auf eine Stufe über Ramschniveau – ein deutliches Signal, dass die Schuldenlast durch die KI-Investitionen wächst. Auch die Alphabet-Aktie gab zuletzt nach, nachdem die Google-Muttergesellschaft ihre Capex-Schätzungen angehoben hatte. Microsoft und Meta Platforms legen ihre Quartalszahlen am Mittwoch vor, Amazon folgt am Donnerstag.

Das optimistische Gewinnszenario der Analysten basiert auf einer neuartigen operativen Effizienz, die diese Unternehmen erreichen sollen – selbst während sie in den nächsten Jahren Billionen von US-Dollar für Investitionen ausgeben. Laut Daten von Visible Alpha ist die Hälfte der erwarteten Margenverbesserung davon abhängig, dass die Vertriebs-, Gemein- und Verwaltungskosten (SG&A) von derzeit rund 10% auf etwa 8% des Umsatzes sinken – und das bei einem Umsatz, der sich im gleichen Zeitraum nahezu verdoppeln soll.

77 Milliarden Dollar weniger Betriebskosten erwartet

Ein Rückgang der SG&A-Kosten um zwei Prozentpunkte klingt zunächst bescheiden. Doch bei einem erwarteten kombinierten Jahresumsatz von über 3 Billionen US-Dollar in drei Jahren summieren sich diese Einsparungen schnell. Konkret bedeutet dies: Die fünf Hyperscaler würden im Jahr 2029 rund 77 Milliarden US-Dollar weniger für den Geschäftsbetrieb ausgeben, als wenn die Gemeinkosten auf ihrem Umsatzanteil von 2025 verbleiben würden.

Dieses Szenario lässt jedoch kaum Spielraum für Fehler. Die Abschreibungen werden in den kommenden Jahren stark ansteigen, da die Unternehmen massiv in neue Gebäude und Ausrüstungen investieren. Diese Abschreibungen sind nach den allgemein anerkannten Rechnungslegungsgrundsätzen (GAAP) Teil des operativen Ergebnisses und könnten die erhofften Einsparungen bei den Gemeinkosten zunichtemachen.

Sollten die Abschreibungskosten höher ausfallen als prognostiziert, reicht die Hoffnung auf sinkende SG&A-Quoten nicht aus, um die entstehende Lücke zu schließen. Für Anleger bedeutet das: Die aktuellen Bewertungen der Big-Tech-Aktien spiegeln ein Szenario wider, das zwar möglich, aber keineswegs garantiert ist. Die kommenden Quartalsergebnisse von Microsoft, Meta und Amazon dürften erste Hinweise liefern, ob die Konzerne tatsächlich auf dem Weg zu diesem Kostenwunder sind.

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