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Big Oil investiert Milliarden in neue Ölfelder fernab Nahost

Exxon, Chevron und Co. beschleunigen globale Exploration – und wollen bis zu 120 Milliarden Dollar in entlegene Vorkommen stecken.

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Big Oil investiert Milliarden in neue Ölfelder fernab Nahost

Exxon Mobil, Chevron und andere Energiekonzerne treiben ihre Suche nach neuen Öl- und Gasvorkommen massiv voran – weit entfernt von den Risiken des Nahost-Konflikts. Der Grund: Irans Angriffe auf Energieinfrastruktur und Engpässe in der Schifffahrt rund um den Persischen Golf haben westlichen Ölkonzernen Umsatzeinbußen in Milliardenhöhe beschert und gleichzeitig einen weltweiten Wettlauf um neue Förderquellen ausgelöst.

Exxon Mobil skizzierte zuletzt einen potenziellen Plan, bis zu 24 Milliarden US-Dollar in Nigerias Tiefsee-Ölfelder zu investieren. Chevron baute unterdessen seine Präsenz in Venezuela aus. BP erwarb Anteile an Ölblöcken vor der Küste Namibias, und der französische Konzern TotalEnergies unterzeichnete ein Explorationsabkommen mit der Türkei. Die Branche sucht gezielt nach Standorten, die politisch stabiler und geografisch weit von den Krisenherden des Nahen Ostens entfernt sind.

Milliardenpotenzial durch steigende Energiepreise

Das Energieforschungs- und Beratungsunternehmen Wood Mackenzie schätzt, dass große Ölkonzerne in den kommenden Jahren gemeinsam einen Wert von bis zu 120 Milliarden US-Dollar aus ihren Explorationsvorhaben schöpfen könnten. Der Anstieg der Energiepreise infolge der geopolitischen Spannungen beschert der Ölindustrie einen erheblichen Geldsegen – und gibt ihr die finanzielle Schlagkraft, in Gebiete vorzustoßen, die zuvor als unwirtschaftlich galten oder vor Jahren aufgegeben wurden.

Dieser Investitionsschub kommt nach einer Phase, in der viele Bohrunternehmen ihre Explorationsausgaben bewusst zurückgefahren hatten. Statt in neue Felder zu investieren, schütteten sie lieber mehr Kapital an ihre Aktionäre aus. Nun dreht sich das Blatt: Mit gefüllten Kassen kehrt der Explorationshunger zurück.

Edward Chow, Non-Resident Senior Associate am Center for Strategic & International Studies und ehemaliger Chevron-Manager, bringt die Stimmung in der Branche auf den Punkt: „Unterschätzen Sie niemals die Romantik von Upstream-Experten, die nach Gelegenheiten suchen. Sie sagen: ‚Mensch, wäre es nicht großartig, wenn wir dies oder jenes tun könnten'." Und er fügt hinzu: „Jetzt haben sie das Kapital dafür."

Geopolitik als Treiber der globalen Öl-Exploration

Für deutsche Anleger und Energiemarktbeobachter ist die Entwicklung bedeutsam: Die Diversifizierung der globalen Ölversorgung weg vom Nahen Osten könnte langfristig die Abhängigkeit von einer der volatilsten Regionen der Welt reduzieren. Gleichzeitig zeigt der Investitionsboom, wie stark geopolitische Risiken die strategischen Entscheidungen der größten Energiekonzerne der Welt beeinflussen.

Die neuen Explorationsziele – von Westafrika über die Karibik bis hin zu Nordafrika und der Türkei – verdeutlichen, wie breit die Branche ihre Suche nach künftigen Förderquellen aufstellt. Ob die Investitionen die erhofften Erträge liefern, wird maßgeblich davon abhängen, wie sich die Energiepreise und die geopolitische Lage in den kommenden Jahren entwickeln.

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