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BHP vs. Rio Tinto: Welche Bergbauaktie überzeugt als Investment?

Morningstar-Analyst Jon Mills vergleicht die zwei größten ASX-Bergbaukonzerne – und zeigt überraschende Unterschiede trotz ähnlicher Performance.

BHP vs. Rio Tinto: Welche Bergbauaktie überzeugt als Investment?

BHP und Rio Tinto gelten als die unbestrittenen Schwergewichte des australischen Bergbausektors. Beide Unternehmen werden häufig im selben Atemzug genannt, haben eine ähnliche Marktgröße und zeigen seit 2010 eine bemerkenswert parallele Kursentwicklung. Doch wie ähnlich sind die beiden Konzerne wirklich als Investment-Cases – und was könnte den Ausschlag geben?

Morningstar-Bergbauanalyst Jon Mills hat beide Unternehmen einer detaillierten Analyse unterzogen. Das Ergebnis: Trotz vieler Gemeinsamkeiten gibt es bei näherer Betrachtung relevante Unterschiede, die für Anleger entscheidend sein können.

Rohstoffengagement: Eisenerz dominiert bei beiden

Der wichtigste Einflussfaktor für die Gewinne eines Bergbauunternehmens ist die Preisentwicklung der abgebauten Rohstoffe. Bei BHP entfallen laut Mills-Prognose rund 50% des EBITDA über die nächsten fünf Jahre auf Eisenerz, während 45% aus Kupfer stammen sollen. Der verbleibende Anteil kommt aus Kraftwerks- und Kokskohle sowie anderen Produkten wie Kali.

Bei Rio Tinto sieht die Verteilung anders aus: Eisenerz soll in den nächsten fünf Jahren etwa zwei Drittel des EBITDA liefern. Das verbleibende Drittel teilt sich etwa gleichmäßig auf Kupfer und Aluminium auf. Das zentrale Fazit: Eisenerz ist für beide Unternehmen entscheidend – für Rio Tinto jedoch deutlich wichtiger, da es einen größeren Anteil am Gesamtergebnis ausmacht.

Burggraben-Analyse: BHP mit leichtem Vorteil

Einen sogenannten Economic Moat – also einen strukturellen Wettbewerbsvorteil, der langfristig Übergewinne ermöglicht – hat Mills für beide Unternehmen auf Gesamtebene mit „No Moat" bewertet. Der Grund: Als Rohstoffproduzenten sind beide eher „Preisnehmer als Preissetzer".

Dennoch sieht Mills Nuancen. Die Eisenerzaktivitäten beider Konzerne würden für sich genommen ein „Narrow Moat"-Rating verdienen, da beide auf der globalen Kostenkurve so niedrig positioniert sind, dass sie in nahezu jedem Preisumfeld profitabel arbeiten können.

Im Kupferbereich teilen BHP und Rio Tinto sogar denselben Schlüsselasset: Die Escondida-Mine in Chile – die größte Kupfermine der Welt – ist ein Joint Venture, an dem BHP rund 58% und Rio Tinto 30% hält. Die Mine liegt im untersten Viertel der Kostenkurve. Aufgrund dieser und weiterer kosteneffizienter Kupferminen wie Pampa Norte und Antamina vergibt Mills für BHPs Kupfergeschäft ein „Narrow Moat"-Rating.

Bei Rio Tinto hingegen hat die kapitalintensive Investition in das Kupferprojekt Oyu Tolgoi ähnlich attraktive Kapitalrenditen weniger wahrscheinlich gemacht. Auch im Aluminiumbereich verhindert der teure Kauf von Alcan im Jahr 2007 nach Einschätzung von Mills, dass Rio Tinto in diesem Segment über das nächste Jahrzehnt Übergewinne erzielen wird. Im Ergebnis verfügt BHP über Burggraben-stärkere Aktivitäten in den für das Unternehmen wichtigsten Rohstoffen.

Solide Bilanzen nach Jahren der Disziplin

Beide Unternehmen befinden sich derzeit in einer starken finanziellen Verfassung. Seit dem Ende des „China-Booms" im Jahr 2011 haben BHP und Rio Tinto ihre Kapitalallokation deutlich disziplinierter gestaltet. Der Fokus lag auf Schuldenabbau und Dividendenzahlungen statt auf aggressivem Wachstum. In Verbindung mit einer langen Phase hoher Eisenerzpreise führte dies zu wesentlich solideren Bilanzen als noch in den 2010er Jahren.

Allerdings ist in den letzten zwei Jahren ein leichter Trend in Richtung Wachstumsinvestitionen zu beobachten – getrieben vom Optimismus über die Nachfrage nach Übergangsrohstoffen wie Kupfer und Lithium.

Risiken: China und Investitionsdisziplin im Fokus

Die größten Abwärtsrisiken für Aktionäre beider Unternehmen sind laut Mills ebenfalls ähnlich. Das wichtigste: Chinas enormer Appetit auf Metalle wie Eisenerz und Kupfer könnte nachlassen. Die chinesische Bevölkerung schrumpft, und Peking signalisiert eine stärkere Fokussierung auf Konsum statt auf rohstoffintensive Infrastrukturprojekte und Immobilien.

Hinzu kommt, dass durch neue Projekte wie Rios Simandou-Mine zusätzliches Angebot auf den Markt kommen wird. Mills schätzt die langfristigen Grenzkosten der Eisenerzproduktion auf etwa 70 US-Dollar pro Tonne – weit unter den zuletzt beobachteten Preisen von über 100 US-Dollar pro Tonne.

Ein weiteres Risiko: Beide Unternehmen könnten ihre Investitionsdisziplin zum falschen Zeitpunkt aufgeben. Mills äußerte Bedenken sowohl gegenüber dem Übernahmeversuch von BHP für Anglo American als auch gegenüber Gerüchten über Fusionsgespräche zwischen Rio Tinto und Glencore. Beides deutete auf extremen Optimismus und mögliche „FOMO"-Dynamiken im Kupferbereich hin.

Bewertung und Fazit: BHP knapp bevorzugt

Beide Aktien erhalten aktuell ein Drei-Sterne-Rating von Morningstar und gelten damit als fair bewertet. BHP wird laut Mills etwa 6% unter seiner Fair-Value-Schätzung von 40 australischen Dollar pro Aktie gehandelt. Rio Tinto notiert im Wesentlichen auf Höhe seiner Fair-Value-Einschätzung von 116 australischen Dollar pro Aktie.

Auf die direkte Frage, welches Unternehmen er bevorzugen würde, antwortete Mills zunächst: das günstigere. Abgesehen vom Preis sprach er sich jedoch für BHP aus – wegen der Burggraben-stärkeren Vermögenswerte und des historisch besseren Managements. Für Anleger, die zwischen den beiden Bergbauriesen wählen müssen, liefert diese Analyse eine fundierte Entscheidungsgrundlage.

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