Betrug bei britischem Hausisolierungsprogramm: Vier Festnahmen nach Razzia
100 Ermittler durchsuchten Wohnungen und Büros – mutmaßlicher Schaden: 44 Millionen Pfund öffentlicher Gelder.

Britische Ermittler haben vier Personen wegen des Verdachts der Verschwörung zum Betrug im Zusammenhang mit dem staatlichen Hausisolierungsprogramm ECO4 festgenommen. Bei einer Razzia in den frühen Morgenstunden durchsuchten rund 100 Ermittler des Serious Fraud Office (SFO) Wohnungen und Büros in drei Grafschaften. Dabei beschlagnahmten sie Computer, Festplatten sowie Krypto-Vermögenswerte.
Das SFO untersucht eine nach eigenen Angaben „ausgeklügelte Verschwörung", um unrechtmäßig 44 Millionen Britische Pfund an öffentlichen Geldern zu erschleichen. Chefermittler Ross Corrigan erklärte, das SFO vermute einen „ausgeklügelten und systemischen Betrug innerhalb des ECO4-Programms der Regierung, das eigentlich dazu gedacht war, Menschen in Energiearmut zu unterstützen". Er fügte hinzu: „Und doch haben wir es hier mit mutmaßlicher Kriminalität zu tun, die diesen guten Zweck möglicherweise ausgenutzt hat."
Das ECO4-Programm: Milliardenprojekt für einkommensschwache Haushalte
Das ECO4-Programm (Energy Company Obligation 4) startete im Jahr 2022 und umfasste die Installation von Wärmepumpen, Solarmodulen und Dämmungen in mehr als 300.000 Haushalten. Es richtete sich gezielt an ältere oder schutzbedürftige Menschen mit geringem Einkommen. Das inzwischen abgeschlossene Programm wurde über eine Umlage auf die Energierechnungen privater Haushalte finanziert und kostete insgesamt 4 Milliarden Britische Pfund.
Das SFO benannte drei Unternehmen, die an dem mutmaßlichen Betrug beteiligt gewesen sein sollen: JJ Crump aus Sheffield, South Coast Insulation Services in Fareham sowie das in Cannock ansässige Unternehmen Warmfront. South Coast Insulation Services meldete bereits im Februar Insolvenz an. Den drei Firmen wird vorgeworfen, Gelder für Dämmungsarbeiten an 5.000 Immobilien kassiert zu haben, die niemals durchgeführt wurden. Die BBC hat alle drei Unternehmen um eine Stellungnahme gebeten.
Mangelhafte Dämmungen ruinierten Tausende Häuser
Der Betrugsfall ist eingebettet in ein breiteres Versagen des Programms. Nahezu alle im Rahmen von ECO4 installierten Außenwanddämmungen – konkret 98 Prozent – waren laut einem Bericht des National Audit Office reparaturbedürftig. Die BBC berichtet seit Jahren über die mangelhafte Qualität der durchgeführten Arbeiten, die zu Feuchtigkeit und Schimmel geführt und die Gesundheit von Bewohnern gefährdet haben.
In einem besonders drastischen Fall in Luton war der Hausschwamm so weit fortgeschritten, dass das Haus vollständig entkernt werden musste. Die Instandsetzungskosten belaufen sich auf mehr als 250.000 Britische Pfund und werden vom Versicherer des Installateurs getragen. Die Regierung erklärte, sie setze ein sogenanntes „Find-and-Fix"-Programm zur Unterstützung betroffener Hausbesitzer um. Bisher seien mehr als 3.000 von 30.000 betroffenen Häusern repariert worden.
Politische Reaktionen: „Freibrief für Scharlatane"
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Zur AktienanalyseSir Geoffrey Clifton-Brown, Abgeordneter und Vorsitzender des Rechnungsprüfungsausschusses (Public Accounts Committee), übte scharfe Kritik. Die SFO-Untersuchung lasse das ECO4-Programm zunehmend wie einen „Freibrief für Scharlatane" erscheinen. Er betonte, dass die Summe von 44 Millionen Pfund nur unterstreiche, dass das tatsächliche Ausmaß des Betrugs im Programm erheblich unterschätzt werde – wie der Ausschuss bereits Anfang des Jahres gewarnt hatte.
Energieminister Martin McCluskey äußerte sich ebenfalls: „Es ist erschreckend, dass Menschen mutmaßlich versucht haben, sich an Geldern zu bereichern, die Familien dabei helfen sollten, ihre Energiekosten zu senken und in einem warmen, komfortablen Zuhause zu leben." Er begrüßte die ergriffenen Maßnahmen und betonte, dass skrupellose Personen, die solche Programme ausnutzten, vor Gericht gebracht werden müssten.
Das SFO forderte Installateure und Gutachter, die an den betreffenden Verträgen gearbeitet haben, auf, sich vertraulich unter confidential@sfo.gov.uk zu melden. Die Ermittlungen dauern an.


