Betriebliche Gesundheitsförderung: Wie Unternehmen Produktivität und Mitarbeiterzufriedenheit steigern
TÜV Süd setzt auf digitale Lösungen gegen psychische Belastungen – mit messbaren Effekten für Arbeitgeber

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Seit 2014 haben sich die Krankheitstage aufgrund psychischer Erkrankungen verdoppelt. Beschäftigte fallen bei psychischen Problemen durchschnittlich sechs Wochen aus. Laut DAK-Erhebung waren Arbeitnehmer 2025 im Schnitt 19,5 Tage krankgeschrieben. Für Unternehmen bedeutet das nicht nur höhere Kosten, sondern auch Produktivitätsverluste.
Jana Vogel, Projektleiterin bei TÜV Süd, kennt die Belastungen ihres Berufsalltags: Präsentationen, Newsletter, Events. Nach einem Seminar mit 450 Teilnehmern sollte eigentlich Entspannung folgen – doch Schlafprobleme machen ihr zu schaffen. Ihr Arbeitgeber bietet nun eine Lösung: Eine App für mentale Gesundheit, genannt Employee Assistance Program (EAP). Der Anbieter verspricht "Weniger Fehlzeiten, mehr Zufriedenheit".
Bereits vor drei Jahren hat TÜV Süd mentale Gesundheit zur Priorität erklärt und eine eigene Gesundheitsmanagerin eingestellt. Sabine Foellbach weiß: "Sicherlich ist es nicht ganz einfach, für diese Themen Geld locker zu machen." Doch die Investition zahlt sich aus. Neben der App bietet das Unternehmen klassische Gesundheitsförderung mit Betriebsarztteam, Führungskräfte-Trainings und Sportangeboten.
Mittelstand entdeckt Gesundheitsförderung
Eine eigene Gesundheitsmanagerin können sich nicht alle Unternehmen leisten. Sandra Kus von der Ludwig-Maximilians-Universität führt seit über zehn Jahren Projekte speziell mit kleinen und mittelständischen Betrieben durch. Die Ziele: Arbeitszufriedenheit erhöhen, Wertschätzung zeigen und die Arbeitgeberattraktivität steigern – entscheidende Faktoren im Wettbewerb um Fachkräfte.
Dennoch war es schwierig, Unternehmen für das aktuelle Forschungsprojekt zu gewinnen. Dabei zeigen Ergebnisse aus der Vergangenheit "signifikant positive Entwicklungen" im Gesundheitsverhalten der Mitarbeitenden. Oft reichen bereits regelmäßige Gesprächsrunden für bessere Unternehmenskultur oder gemeinsame Pausen mit Rückenübungen.
Die IG Metall Bayern weist darauf hin, dass sich Belastungen je nach Branche unterscheiden. "Nachweislich häufiger krank macht Menschen manuelle Arbeit", erklärt ein Sprecher. Die Gewerkschaft fordert deshalb bessere Qualifizierung von Führungskräften im Gesundheitsbereich.
Digitale Therapie im Praxistest
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Zur AktienanalyseBei TÜV Süd nutzt Jana Vogel nun die App-Lösung: Per Videocall spricht sie mit einer Therapeutin über ihren Alltag – ein Hund, zwei Teenager, selten pünktlicher Feierabend. Das Unternehmen finanziert drei Sitzungen à 50 Minuten. Die Therapeutin gibt konkrete Tipps: Meditation über die App, keine Uhr neben dem Bett, sofortige Verhaltensänderungen.
Janas erstes Fazit fällt positiv aus: "Wirklich gut. Ich bleib auf jeden Fall mit ihr in Kontakt." Ob sich der Slogan nach drei Sitzungen erfüllt – "Weniger Fehlzeiten, mehr Zufriedenheit" – wird sich zeigen. Für Unternehmen könnte sich die Investition in betriebliche Gesundheitsförderung jedoch mehrfach auszahlen: durch geringere Fehlzeiten, höhere Produktivität und zufriedenere Mitarbeiter.


