Bessent und Powell warnen Bankchefs vor KI-Modell Mythos von Anthropic
US-Finanzminister und Fed-Chef beriefen Dringlichkeitstreffen ein, um Banken vor Cyberrisiken durch Anthropics neues KI-Modell zu warnen.

US-Finanzminister Scott Bessent und Federal-Reserve-Chef Jerome Powell haben in dieser Woche ein Dringlichkeitstreffen mit führenden Bankenchefs einberufen. Thema war das neue KI-Modell „Mythos" des Unternehmens Anthropic, das nach Einschätzung von Experten erhebliche Cyberrisiken für den Finanzsektor birgt. Dies berichteten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen am Donnerstag gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.
Das Treffen fand am Dienstag im US-Finanzministerium in Washington statt. Ziel war es laut einer der Quellen, sicherzustellen, dass sich die Banken der von Mythos und ähnlichen KI-Modellen ausgehenden Risiken bewusst sind und geeignete Schutzmaßnahmen für ihre Systeme ergreifen. Die Einladungen wurden verschickt, während sich die meisten CEOs der größten US-Banken ohnehin bereits für andere Termine in Washington aufhielten.
Was macht das Modell Mythos so gefährlich?
Anthropic hatte das leistungsstarke Modell „Mythos" Anfang dieser Woche vorgestellt, jedoch auf eine breite Veröffentlichung verzichtet. Als Begründung nannte das Unternehmen Bedenken, dass das Modell bisher unbekannte Cybersicherheitslücken offenlegen könnte. Konkret gab Anthropic an, das Modell sei in der Lage, Schwachstellen in „jedem gängigen Betriebssystem und jedem gängigen Webbrowser" zu identifizieren und auszunutzen – eine Fähigkeit, die in falschen Händen verheerende Folgen haben könnte.
Bereits in der vergangenen Woche hatte Anthropic erklärt, man befinde sich in laufenden Gesprächen mit Vertretern der US-Regierung über die „offensiven und defensiven Cyber-Fähigkeiten" des Modells. Eine dritte, der Angelegenheit nahestehende Quelle bestätigte dieses proaktive Vorgehen: Anthropic habe hochrangige US-Regierungsbeamte und wichtige Branchenvertreter bereits vor der Veröffentlichung über die Fähigkeiten von Mythos informiert.
Zugang auf rund 40 Technologieunternehmen beschränkt
Der Zugang zu Mythos wird laut Angaben des Start-ups auf etwa 40 Technologieunternehmen beschränkt bleiben, darunter Branchengiganten wie Microsoft und Google. Diese kontrollierte Verbreitung unterstreicht, wie ernst Anthropic selbst die potenziellen Risiken des Modells einschätzt.
Laut einem Bericht von Bloomberg News, der am Donnerstag als erstes über die Angelegenheit berichtete, waren beim Treffen im Finanzministerium die CEOs von Citigroup, Morgan Stanley, Bank of America, Wells Fargo und Goldman Sachs anwesend. JPMorgan-Chef Jamie Dimon konnte hingegen nicht teilnehmen, wie eine der Quellen gegenüber Reuters erklärte.
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Zur AktienanalyseGoldman Sachs, Wells Fargo und die Federal Reserve lehnten eine Stellungnahme zu dem Treffen ab. Das Finanzministerium, die übrigen Kreditinstitute sowie Anthropic reagierten zunächst nicht auf Anfragen von Reuters nach einer Stellungnahme.
Das Vorgehen von Bessent und Powell zeigt, wie ernst die US-Behörden die Cyberrisiken durch hochentwickelte KI-Modelle nehmen. Für den globalen Finanzsektor – und damit auch für europäische und deutsche Banken – dürfte die Entwicklung rund um Anthropics Mythos ein wichtiges Signal sein: Die nächste Generation von KI-Modellen stellt nicht nur eine technologische Chance, sondern auch eine ernsthafte Sicherheitsherausforderung dar.


