Bessent: Hohe Anleiherenditen und Energiepreise sind nur vorübergehend
US-Finanzminister Scott Bessent sieht erhöhte Renditen und Inflation als temporäres Phänomen – bedingt durch den laufenden Iran-Konflikt.

US-Finanzminister Scott Bessent hat sich am Rande des G7-Finanzministertreffens in Paris zuversichtlich gezeigt: Die derzeit erhöhten Anleiherenditen und die gestiegene Gesamtinflation seien „vorübergehend" und würden nach dem Ende des Iran-Kriegs wieder nachlassen. Bessent äußerte sich am Dienstag in einem Interview mit Reuters und stellte sich damit deutlich entspannter dar als viele seiner Zentralbankerkollegen.
Beim Treffen der G7-Finanzminister in Paris hätten Zentralbanker größere Besorgnis über die Inflation und einen Ausverkauf am Anleihemarkt geäußert als er selbst, so Bessent. Seine Erklärung dafür ist pragmatisch: „Ich denke, wenn man Zentralbanker ist, wird von einem erwartet, dass man seine Besorgnis zum Ausdruck bringt. Je härter die Rhetorik, desto weniger muss man tatsächlich unternehmen."
Macklem beschreibt „schwierige" Lage für Zentralbanken
Der Gouverneur der Bank of Canada, Tiff Macklem, habe laut Bessent eine „schwierige" Situation beschrieben: Zentralbanker könnten dazu gezwungen sein, die Zinsen zunächst anzuheben, um bei einer anschließenden Abschwächung der Nachfrage schnell wieder zu Zinssenkungen überzugehen. Bessent selbst sieht keinen Anlass für eine solche harte Kommunikation.
„Aus meiner Sicht muss ich keine harte Rhetorik an den Tag legen. Nichts scheint vorübergehender zu sein als dies", sagte Bessent. Er verwies dabei direkt auf den laufenden Konflikt: „Dieser Konflikt wird eines Tages enden. Die Meerenge wird wieder geöffnet, und wir werden die Energiepreise normalisieren."
Anleiherenditen auf Mehrjahreshochs
Die Lage an den Anleihemärkten ist derweil angespannt. Die Rendite der richtungsweisenden 10-jährigen US-Staatsanleihen notierte am Mittwoch bei 4,671 Prozent – nachdem sie zuvor den höchsten Stand seit Januar 2025 erreicht hatte. Noch deutlicher zeigt sich der Druck bei den 30-jährigen Staatsanleihen: Deren Rendite lag bei 5,178 Prozent und damit nahe dem höchsten Niveau seit Juni 2007. Für deutsche Anleger, die US-Treasuries als globale Benchmark beobachten, sind diese Niveaus ein wichtiges Signal für die Risikobereitschaft an den internationalen Kapitalmärkten.
Als weiteres Indiz für seine Einschätzung nannte Bessent die Ölterminmärkte. Diese würden den Konflikt bereits „ausblenden": Während Brent-Terminkontrakte zur Lieferung im Juli bei 105 US-Dollar pro Barrel notierten, lagen die Dezember-Kontrakte bereits deutlich niedriger bei 88 US-Dollar pro Barrel. Die Terminkurve signalisiert damit, dass die Märkte mittelfristig mit einer Entspannung der Energiepreise rechnen.
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Zur AktienanalyseKernrate der Inflation bleibt laut Bessent unter Druck
Zur Inflationsentwicklung differenzierte Bessent zwischen Gesamt- und Kerninflation. „Ich denke, die Gesamtinflation wird hoch bleiben, solange der Konflikt andauert", räumte er ein. Gleichzeitig zeigte er sich überzeugt, dass die erhöhten Energiepreise nicht dauerhaft auf die Kernrate durchschlagen werden: „Ich glaube nicht, dass dies in drei oder vier Monaten auf die Kernrate durchschlagen wird, da die Kernrate meiner Meinung nach bereits rückläufig war."
Für Anleger und Beobachter bleibt die entscheidende Frage, wie lange der Iran-Konflikt andauert und ob Bessents optimistische Einschätzung einer „vorübergehenden" Belastung durch die Realität bestätigt wird. Die Entwicklungen an den Anleihe- und Energiemärkten dürften die Diskussionen bei künftigen Zentralbanktreffen maßgeblich prägen.


