Bernstein sieht langfristigen Ölpreis bei 75 Dollar je Barrel
Das Analysehaus stützt seine Einschätzung auf eine Umfrage unter den 50 größten börsennotierten Öl- und Gaskonzernen weltweit.

Das Analysehaus Bernstein hält 75 US-Dollar pro Barrel für eine angemessene langfristige Ölpreisannahme zur Aktienbewertung. Das teilte das Unternehmen Anlegern am Donnerstag in einer Mitteilung mit. Grundlage ist eine neue Umfrage unter den 50 weltweit größten börsennotierten Öl- und Gasunternehmen, die auf steigende Grenzkosten und einen rückläufigen Ausblick für die Reserven hindeutet.
Analyst Neil Beveridge schätzte, dass die globalen Grenzkosten für Öl im Jahr 2025 um 2 Prozent auf 69 US-Dollar pro Barrel gesunken sind. Haupttreiber dieses Rückgangs war ein Rückgang der Produktionskosten um 14 Prozent. Für das Jahr 2026 erwartet Bernstein jedoch einen Anstieg auf 77 US-Dollar pro Barrel – angetrieben durch höhere Spotpreise und einen angespannteren physischen Markt, der die Kosteninflation durch die Lieferkette befeuert.
Das Ziel von 75 Dollar liege laut Bernstein über dem aktuellen 60-Monats-Forward-Strip von 70 US-Dollar pro Barrel. Das Unternehmen bezeichnete den Wert als „konsistent mit unserer Annahme von US$75/bbl als angemessene langfristige Ölpreisannahme für die Aktienbewertung". Für Anleger, die Ölaktien bewerten, ist diese Benchmark ein wichtiger Orientierungspunkt.
Branche unter Druck: Reserven auf 20-Jahres-Tief
Die Umfrage liefert weitere aufschlussreiche Kennzahlen zur Lage der globalen Ölindustrie. Der Nettoertrags-Break-even der Branche liegt bei 50 US-Dollar pro Barrel, während die globalen Stückproduktionskosten um 5 Prozent auf 35 US-Dollar pro Barrel Öläquivalent gesunken sind. Die Rentabilität des durchschnittlich eingesetzten Kapitals (ROACE) fiel im vergangenen Jahr auf 10 Prozent – ein Wert, der im Einklang mit dem langfristigen Durchschnitt und den Kapitalkosten steht.
Besonders auffällig ist die Entwicklung bei den Reinvestitionen. Die Reinvestitionsquote der Branche lag im Jahr 2025 bei 61 Prozent. Zwar ist das eine Erholung gegenüber dem Tiefstand von 36 Prozent im Jahr 2022, doch bleibt der Wert deutlich unter der historischen Spanne von 80 bis 90 Prozent. Bernstein wertet dies als Zeichen eines „vorsichtigeren Ausblicks auf die langfristige Nachfrage" seitens der Unternehmen.
Noch deutlicher zeigt sich die strukturelle Sorge beim Blick auf die Reservenreichweite. Diese fiel auf 10,4 Jahre – ein 20-Jahres-Tief – verglichen mit einem langfristigen Durchschnitt von 13 Jahren. Bernstein weist darauf hin, dass dieser Rückgang im Zeitverlauf ein bullisches Signal für die Ölpreise darstellen könnte, da sinkende Reserven langfristig das Angebot verknappen.
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Zur AktienanalyseEinordnung für Anleger
Für deutsche Privatanleger, die in Öl- und Gasaktien oder entsprechende ETFs investiert sind, liefert die Bernstein-Analyse wichtige Orientierung. Die Kombination aus steigenden Grenzkosten ab 2026, sinkenden Reserven und einer strukturell niedrigen Reinvestitionsquote deutet darauf hin, dass das Angebot mittelfristig unter Druck geraten könnte. Gleichzeitig signalisiert die aktuelle Bewertungsannahme von 75 Dollar, dass Bernstein weder einen dauerhaften Preisverfall noch einen starken Preisanstieg erwartet – sondern ein moderates, stabiles Preisniveau als Basis für die Unternehmensbewertung ansetzt.


