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Bernstein: Lebensmittelinflation treibt Gewinne britischer Händler – Top-Picks

Das Analysehaus Bernstein sieht steigende Lebensmittelpreise als Gewinnkatalysator für europäische Einzelhändler in den nächsten 6 bis 12 Monaten.

Bernstein: Lebensmittelinflation treibt Gewinne britischer Händler – Top-Picks

Das Analysehaus Bernstein prognostiziert, dass die steigende Lebensmittelinflation die Gewinne europäischer Lebensmitteleinzelhändler in den kommenden 6 bis 12 Monaten deutlich ankurbeln wird. In einer Mitteilung vom Freitag erwartet Bernstein für das Vereinigte Königreich eine durchschnittliche Lebensmittelinflation von 3 bis 5 % im Jahr 2026, bevor diese 2027 auf 4 bis 6 % ansteigt. Der Höchststand dürfte dabei etwa im Januar oder Februar 2027 erreicht werden.

Als Haupttreiber der Lebensmittelinflation nennt Bernstein höhere Ölpreise, steigende Rohstoffpreise für Nahrungsmittel sowie Wechselkursschwankungen. Die Erzeugerpreisinflation benötigt in der Regel 6 bis 12 Monate, um auf die Verbraucherpreise durchzuschlagen. Konkret erwartet Bernstein, dass die Auswirkungen die Einzelhändler im dritten Quartal 2026 treffen und die Verbraucher im vierten Quartal 2026 sowie im ersten Quartal 2027 erreichen werden.

„Die Lebensmittelinflation ist gut für den Sektor – sie lässt die Gewinne der Lebensmitteleinzelhändler steigen und wird durch Preiserhöhungen an die Verbraucher weitergegeben", so Bernstein in der Mitteilung.

Tesco und Jeronimo Martins als Top-Favoriten

Bernstein stuft Tesco und Jeronimo Martins als Top-Picks im Sektor ein. Daneben gilt Marks & Spencer als interessante Transformationsgeschichte. Die aktuellen Konsensschätzungen für das flächenbereinigte Umsatzwachstum bei Tesco und Sainsbury's liegen bei rund 3 % – ein Wert, den Bernstein in fast allen Inflationsszenarien als zu niedrig erachtet.

Tesco wird derzeit mit dem 15,4-Fachen der geschätzten Gewinne für 2026 gehandelt. Das Kursziel von Bernstein liegt bei 520 britischen Pfund, gegenüber einem Schlusskurs von 448,20 Pfund. Jeronimo Martins, mit „Outperform" bewertet, wird mit dem 13,6-Fachen der 2026er-Gewinne gehandelt, bei einem Kursziel von 29 Euro gegenüber einem Schlusskurs von 17,71 Euro. Marks & Spencer kommt auf das 10,9-Fache der geschätzten Gewinne für 2026, mit einem Kursziel von 440 Pfund gegenüber einem Schlusskurs von 367,40 Pfund.

Auf der anderen Seite stuft Bernstein Ocado, Axfood und B&M mit „Underperform" ein – diese Titel dürften von der Inflationsdynamik weniger profitieren.

Vier Szenarien für die britische Lebensmittelinflation

Bernstein hat vier Szenarien für die Preisentwicklung im Vereinigten Königreich modelliert. Im Low/Base-Case-Szenario liegt der durchschnittliche Verbraucherpreisindex (VPI) für Lebensmittel bei 3,1 % im Jahr 2026, schwächt sich 2027 auf 2,7 % ab und erreicht im Januar 2027 einen Spitzenwert von 4,4 %. Das mittlere Szenario geht von einem Lebensmittel-VPI von 3,2 % im Jahr 2026 aus, der 2027 auf 4,0 % steigt, mit einem Spitzenwert von 5,2 %.

Das High-Case-Szenario, das einen Ölpreis von 110 US-Dollar für den Rest des Jahres 2026 und das gesamte Jahr 2027 sowie ein schwächeres Pfund unterstellt, beziffert den Durchschnitt für 2027 auf 5,0 % mit einem Höchstwert von 6,7 %. Das Very-High-Case-Szenario mit Öl bei 120 US-Dollar und einem Rückgang des handelsgewichteten Pfunds um mehr als 10 % sieht den Durchschnitt für 2027 bei 5,9 % und den Spitzenwert bei 8,4 % im Februar 2027.

Diese Zahlen stehen im klaren Kontrast zu den Konsensprognosen für das flächenbereinigte Wachstum im Jahr 2027 von 2,6 % für Tesco und 2,7 % für Sainsbury's. Bernstein sieht damit in fast allen Szenarien – mit Ausnahme des Basisszenarios – erhebliches Potenzial für Aufwärtskorrekturen der Gewinnprognosen.

Kein Vergleich mit dem Inflationsschock von 2022

Bernstein zieht eine klare Trennlinie zwischen der aktuellen Inflationsphase und dem durch den Russland-Ukraine-Krieg ausgelösten Anstieg im Jahr 2022. Der Ukraine-Konflikt verursachte damals einen direkten Angebotsschock, da russische und ukrainische Exporte von Weizen, Mais, Sonnenblumenöl sowie Gas und Düngemitteln vom Markt verschwanden.

Der aktuelle Inflationstreiber – der Konflikt im Iran – stellt hingegen einen sekundären Schock dar, der die Inputkosten primär über Öl, Flüssigerdgas und Düngemittelströme durch die Straße von Hormus beeinflusst. „Wir erwarten eine geringere und weniger anhaltende Lebensmittelinflation als im Jahr 2022", so das Analysehaus. Zudem seien die Einzelhändler heute stärker gegen Rohstoffpreise und Wechselkursschwankungen abgesichert als zuvor, was den Weitergabeeffekt verzögere.

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