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Bernstein kürt Veolia und Severn Trent zu Top-Picks im Wassersektor

Analyst sieht massiven Investitionszyklus in Großbritannien und Frankreich – Infrastrukturausgaben steigen drastisch.

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Bernstein kürt Veolia und Severn Trent zu Top-Picks im Wassersektor

Das Analysehaus Bernstein hat am Freitag Veolia und Severn Trent zu seinen Top-Favoriten im europäischen Wassersektor ernannt. Hintergrund ist der stark steigende Investitionsbedarf in Großbritannien und Frankreich, wo beide Länder in eine Phase deutlich höherer Infrastrukturausgaben eintreten. Bernstein stufte Veolia mit „Outperform" und einem Kursziel von 40 Euro ein, während Severn Trent ebenfalls mit „Outperform" und einem Kursziel von 3.370 Pence bestätigt wurde.

Darüber hinaus bekräftigte das Analysehaus die Einstufung „Outperform" für United Utilities bei einem Ziel von 1.420 Pence. Die Pennon Group erhielt eine „Market-Perform"-Bewertung bei 600 Pence. Damit deckt Bernstein den britischen Wassersektor umfassend ab und positioniert sich klar für den bevorstehenden Investitionsschub.

Britischer Wassersektor vor gigantischem Capex-Superzyklus

Laut Bernstein tritt der britische Wassersektor in einen „großen Capex-Superzyklus" ein. Die Gesamtausgaben im Rahmen der aktuellen Asset Management Period (AMP8), die von April 2025 bis März 2030 läuft, sollen auf Basis der Preise von 2022/23 rund 104 Milliarden Pfund erreichen. Das ist eine massive Steigerung gegenüber rund 51 Milliarden Pfund im Zeitraum 2020 bis 2025 – also eine Verdopplung der Investitionen innerhalb weniger Jahre.

Von dieser Gesamtsumme sind etwa 11 Milliarden Pfund für Verbesserungen bei Regenwasserüberläufen vorgesehen, die rund 2.500 Überläufe in England betreffen. Weitere fast 5 Milliarden Pfund fließen in die Modernisierung von Kläranlagen. Das National Audit Office schätzt zudem, dass bis zum Jahr 2050 Erweiterungsinvestitionen in Höhe von mindestens 290 Milliarden Pfund erforderlich sein werden – eine Zahl, die den enormen langfristigen Handlungsbedarf unterstreicht.

Der Grund für diesen Investitionsbedarf liegt auf der Hand: Daten der britischen Regulierungsbehörde Ofwat zeigen, dass rund 60 Prozent der Wasserhauptleitungen in England und Wales vor 1981 installiert wurden. Etwa 13 Prozent dieser Leitungen sind mittlerweile über 100 Jahre alt. Neben der maroden Infrastruktur zwingen auch verschärfte Umweltstandards – insbesondere bei Regenwasserüberläufen und Abwassermanagement – die Branche zu umfangreichen Investitionen.

Frankreich: Jährliche Wasserinvestitionen sollen sich fast verdoppeln

Auch in Frankreich zeichnet sich ein deutlicher Investitionsanstieg ab. Laut einer im Bernstein-Bericht zitierten Studie der La Banque Postale und der staatlichen Förderbank SFIL sollen die jährlichen Wasserinvestitionen von etwa 6,7 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf 10 bis 13 Milliarden Euro bis zum Jahr 2040 steigen. Veolia ist dabei der führende Betreiber auf dem französischen Wasserdienstleistungsmarkt, vor den nicht börsennotierten Konkurrenten Suez und Saur.

Das Unternehmen meldete für das Jahr 2025 einen Umsatz im französischen Wassergeschäft von 3,16 Milliarden Euro, was 7,1 Prozent des Gesamtumsatzes der Gruppe entspricht. Im März 2024 sicherte sich Veolia zudem einen bedeutenden 12-Jahres-Vertrag im Wert von 4,3 Milliarden Euro mit der Wasserbehörde des Großraums Paris. Dieser Vertrag umfasst 133 Gemeinden und versorgt 4 Millionen Einwohner.

Bernstein weist allerdings darauf hin, dass Budgetbeschränkungen bei französischen Kommunalbehörden das Investitionstempo bremsen könnten. Gleichzeitig könnten diese Engpässe Gemeinden dazu ermutigen, alternative Finanzierungslösungen und Partnerschaftsmodelle zu prüfen – Bereiche, in denen Veolia laut Bernstein über umfangreiche Erfahrung verfügt.

Unterschiedliche Regulierungsmodelle, ähnliche Herausforderungen

Großbritannien und Frankreich nutzen grundlegend unterschiedliche Regulierungsansätze. Das Vereinigte Königreich arbeitet mit einem privatisierten System, bei dem eine Regulierungsbehörde den Renditerahmen festlegt. Frankreich hingegen setzt auf Verträge auf kommunaler Ebene ohne eine nationale Wasserregulierungsbehörde. Trotz dieser strukturellen Unterschiede stehen beide Länder vor vergleichbaren operativen Herausforderungen: alternde Netze und verschärfte Verschmutzungsstandards machen umfangreiche Investitionen in beiden Märkten unausweichlich.

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