Bernstein erklärt: So sehen erstklassige Rechenzentrumsmärkte aus
Analysten von Bernstein beschreiben drei Markttypen für Rechenzentren in den USA und empfehlen Digital Realty und Equinix.

Das Analysehaus Bernstein hat in einer aktuellen Mitteilung drei Archetypen von Rechenzentrumsmärkten in den USA definiert. Trotz wachsender Sorgen über Verzögerungen bei der Stromversorgung, Widerstand aus der Bevölkerung und Lieferkettenengpässe heben die Analysten Aktien von Unternehmen hervor, die in den Top-Märkten bauen oder zukaufen.
Bernstein unterscheidet dabei zwischen Großstadtmärkten (Major Metro), kleineren Stadtmärkten (Minor Metro) und ländlichen Märkten (Rural). Die erste Gruppe umfasst die acht bis zehn wichtigsten Märkte in den USA. Die zweite Kategorie bezieht sich auf sogenannte „Tiers 2-4" – also kleinere Städte oder die äußeren Randgebiete der Großstadtmärkte. Die dritte Gruppe richtet sich an Workloads, die unempfindlich gegenüber Latenzzeiten oder sehr preissensibel sind.
Großstadtmärkte bleiben das Maß der Dinge
„Großstadtmärkte sind und bleiben die wichtigsten Märkte für latenzsensible Anwendungsfälle (einschließlich Inferenz) sowie für Enterprise-Colocation", so die Bernstein-Analysten. Gleichzeitig räumen sie ein, dass der Aufbau in diesen Märkten schwierig sei: Lange Warteschlangen für Stromanschlüsse, hohe Baukosten und angespannte Lieferketten erschweren neue Projekte erheblich.
Ein weiteres Risiko ist das sogenannte NIMBY-Prinzip – „Not-In-My-Back-Yard" oder auf Deutsch: „Nicht in meinem Hinterhof". Dieses Phänomen nimmt laut Bernstein aufgrund steigender Stromkosten zu, insbesondere in Nord-Virginia (NoVa) und Phoenix. Die Analysten betonen jedoch, dass etablierte Bauunternehmen dieses Risiko effektiv managen werden, auch wenn es ein neu entstehendes Risiko bleibe.
Nord-Virginia ist mit einer Kapazität von rund 8 GW der größte Rechenzentrumsmarkt in den USA. Weitere rund 5 GW befinden sich dort im Bau, und die Warteschlangen für Stromanschlüsse erstrecken sich über einen Zeitraum von etwa sieben Jahren. Die Preise in NoVa liegen bei rund 217 US-Dollar pro KW und Monat, während die Leerstandsquote stabil unter 1 Prozent verharrt.
Kleinere Märkte als Überlaufventil
Kleinere Stadtmärkte gelten laut Bernstein als nächste bevorzugte Wahl, da hierhin Überlaufkapazitäten fließen. „Dies funktioniert dort, wo eine geringfügig niedrigere Latenzempfindlichkeit und/oder eine geringfügig höhere Preissensibilität besteht", erklärten die Analysten. Sie verweisen auf das signifikante Wachstum in diesen Märkten in den vergangenen fünf Jahren, das sich ihrer Erwartung nach fortsetzen wird.
Ländliche Märkte punkten hingegen mit schnellerer Stromverfügbarkeit und niedrigeren Baukosten. Allerdings weisen sie tendenziell größere Anlagen, mehr spekulative Bauprojekte und weniger erfahrene Entwickler auf als die Großstadtmärkte.
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Zur AktienanalyseDigital Realty und Equinix als Top-Picks
Die börsennotierten Rechenzentrumsgesellschaften Digital Realty Trust (NYSE: DLR) und Equinix Inc. (NASDAQ: EQIX) konzentrieren sich auf Groß- und Kleinstadtmärkte. Bernstein bezeichnet sie als Unternehmen, die „am stärksten gegen Marktgeräusche abgeschirmt sind". Beide Unternehmen sprachen zuletzt über große, auf Hyperscale ausgerichtete Bauprojekte außerhalb von Atlanta – einem weiteren Top-Markt für Rechenzentren in den USA, der schnell wächst. Die Preise in Atlanta liegen bei 175 US-Dollar pro KW und Monat, bei einer Leerstandsquote von rund 2 Prozent.
„Wir schätzen diese Strategie – die Marktdynamik ist günstig, sowohl DLR als auch EQIX sind versierte Bauherren mit starken, erfahrenen Teams in den Großstadtmärkten und einem relativ begrenzten Ausführungsrisiko", so die Bernstein-Analysten. Das Analysehaus bewertet beide Aktien mit „Outperform" und gibt Kursziele von 232 US-Dollar für DLR sowie 1.222 US-Dollar für EQIX aus.


