Berkshire Hathaway kauft Tokio Marine: Lohnt sich der Einstieg?
Warren Buffetts Konglomerat investierte 1,8 Milliarden Dollar in den japanischen Versicherer – und liegt bereits deutlich im Plus.

Wenn Berkshire Hathaway in ein Versicherungsunternehmen investiert, horcht der Markt auf. Im März erwarb die Berkshire-Tochtergesellschaft National Indemnity eine Beteiligung von 2,5 Prozent an Tokio Marine, einem der größten Versicherer Japans. Die Investition belief sich zum Zeitpunkt des Einstiegs auf rund 1,8 Milliarden Dollar und ist nach einem kräftigen Kursanstieg der Tokio-Marine-Aktie inzwischen etwa 2,2 Milliarden Dollar wert.
Das Investment reiht sich in Berkshires wachsendes Engagement in Japan ein. Während Anleger bislang vor allem die Beteiligungen des Konglomerats an japanischen Handelshäusern im Blick hatten, signalisiert der Einstieg bei Tokio Marine, dass Buffett auch im japanischen Versicherungssektor attraktive Chancen sieht.
Warum Berkshire Versicherungsgeschäfte so schätzt
Das Versicherungsgeschäft bildet seit Jahrzehnten das Fundament von Berkshire Hathaways Erfolg. Die Versicherungstöchter des Unternehmens generieren jedes Jahr Prämieneinnahmen in Milliardenhöhe und schaffen damit das, was Buffett als „Float" bezeichnet – Gelder, die investiert werden können, bevor Schadensfälle ausgezahlt werden müssen. Dieser Float hat Berkshire dabei geholfen, eines der weltweit größten Anlageportfolios aufzubauen und in den vergangenen sechs Jahrzehnten Dutzende von Unternehmen zu erwerben.
Buffett gilt daher als einer der besten Kenner des globalen Versicherungsmarkts. Sein Einstieg bei Tokio Marine ist deshalb kein Zufall, sondern ein klares Signal: Der japanische Versicherer erfüllt offenbar die strengen Qualitätskriterien, die Berkshire an potenzielle Beteiligungen anlegt.
Tokio Marine hat sich einen Ruf für Disziplin im Underwriting erarbeitet – eine Eigenschaft, die Buffett konsequent bevorzugt. Viele Kerngeschäftsbereiche des Unternehmens weisen beständig Schaden-Kosten-Quoten (Combined Ratios) von unter 100 aus. In der Versicherungsbranche bedeutet eine Combined Ratio unter 100, dass das operative Versicherungsgeschäft profitabel ist, noch bevor Kapitalerträge berücksichtigt werden. Dies ist besonders bemerkenswert angesichts steigender Katastrophenschäden, der Inflation und höherer Rückversicherungskosten, mit denen die gesamte globale Versicherungsbranche in den vergangenen Jahren zu kämpfen hatte.
Tokio Marine: Mehr als ein japanischer Versicherer
Trotz seines Namens ist Tokio Marine längst kein rein japanisches Unternehmen mehr. Durch gezielte Akquisitionen in Nordamerika, Europa und Asien hat das Unternehmen sein internationales Geschäft massiv ausgebaut, das heute einen erheblichen Teil zum Gesamtergebnis beiträgt. Diese globale Diversifizierung macht Tokio Marine weniger abhängig von der Entwicklung der japanischen Wirtschaft und des heimischen Versicherungsmarkts.
Die Finanzzahlen unterstreichen die Stärke des Geschäftsmodells. Im Jahr 2025 meldete Tokio Marine einen jährlichen Nettogewinn von fast 7 Milliarden Dollar – ein Anstieg von rund 45 Prozent gegenüber 4,8 Milliarden Dollar im Jahr 2024. Für das Geschäftsjahr 2026 meldete das Unternehmen einen bereinigten Nettogewinn von 4,47 Milliarden Dollar, verglichen mit etwa 3,8 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum, was einem Wachstum von 17 Prozent entspricht.
Darüber hinaus gibt Tokio Marine kontinuierlich Kapital an seine Aktionäre zurück – durch Dividendenerhöhungen und Aktienrückkäufe – und strebt eine Eigenkapitalrendite im mittleren Zehnerbereich an.
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Keine Investition ist garantiert erfolgreich, selbst wenn sie von Berkshire Hathaway unterstützt wird. Dennoch vereint Tokio Marine mehrere attraktive Merkmale:
- Führende Marktposition im globalen Versicherungsmarkt
- Disziplinierte Underwriting-Kultur mit beständig profitablen Combined Ratios
- Globale Diversifizierung über Japan hinaus
- Starke Rentabilität mit zweistelligem Gewinnwachstum
- Aktionärsfreundliche Kapitalallokation durch Dividenden und Rückkäufe
Auch die Bewertung erscheint moderat. Die Aktie wird derzeit etwa zum 14-fachen des erwarteten Gewinns gehandelt – ein angemessenes Multiple für ein Unternehmen mit zweistelligem Gewinnwachstum und Gewinnen in Milliardenhöhe. Für deutsche und europäische Anleger, die über inländische Finanztitel hinausblicken möchten, bieten die American Depositary Receipts (ADRs) von Tokio Marine eine Möglichkeit, in diesen globalen Versicherer zu investieren.

