Berenberg sieht Kaufchancen bei britischen Wohnungsbauaktien trotz Kursverfall
Trotz eines durchschnittlichen Kursrückgangs von 38% stuft Berenberg mehrere britische Bauträger auf „Buy" hoch und sieht attraktive Bewertungen.

Die Investmentbank Berenberg hat ihre Gewinnprognosen und Einstufungen für britische Wohnungsbauunternehmen überarbeitet. Trotz eines herausfordernden Marktumfelds sieht das Analysehaus Chancen aufgrund niedriger Bewertungen, solider Bilanzen und attraktiver Kapitalrückzahlungen. Der Sektor ist im vergangenen Jahr im Durchschnitt um 38% gefallen – ein erheblicher Wertverlust, der nun Einstiegsgelegenheiten eröffnet.
Die Verluste im Sektor reichten dabei von 7% bei der Berkeley Group bis zu 61% bei Crest Nicholson und Vistry. Dieser massive Kursrückgang hat den durchschnittlichen materiellen Nettoinventarwert (Tangible Net Asset Value, TNAV) des Mainstream-Sektors auf das 0,7-Fache gedrückt – deutlich unter dem 20-Jahres-Durchschnitt von 1,2x. Berenberg sieht darin trotz schwächerer Gewinnaussichten interessante Einstiegsmöglichkeiten für Investoren.
Ein zentrales Argument der Analysten ist die finanzielle Stärke der Unternehmen. Die Bilanzen seien so aufgestellt, dass sie durch die Reduzierung von Nettoinvestitionen in Grundstücke weiter gestärkt werden könnten, da die meisten Unternehmen über umfangreiche Grundstücksreserven verfügen. Dies gibt den Bauträgern einen wichtigen Puffer in einem schwierigen Marktumfeld.
Barratt Redrow und Bellway: Hochstufungen auf „Buy"
Barratt Redrow erhält von Berenberg eine Hochstufung auf „Buy" mit einem Kursziel von 348 GBp. Die Prognosen für den Gewinn vor Steuern (PBT) für den Zeitraum 2026–2028 wurden im Schnitt um 15% gesenkt. Für das Geschäftsjahr 2026 erwartet Berenberg einen PBT von 560 Millionen GBP, was einem Rückgang von 5% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Für 2027 prognostiziert das Analysehaus zwar ein Volumenwachstum von 2%, aber einen Margenrückgang von 10,3% auf 9,0%, was den PBT auf 510 Millionen GBP drückt. Die Aktie ist im vergangenen Jahr um 43% gefallen und wird aktuell mit dem 0,6-Fachen des TNAV und dem 10-Fachen des Gewinns je Aktie gehandelt. Besonders attraktiv: Berenberg erwartet für 2026 und 2027 jeweils eine Nettocash-Position von rund 600 Millionen GBP, und das Unternehmen könnte in den nächsten drei Jahren fast 25% seiner Marktkapitalisierung an Aktionäre zurückgeben.
Auch Bellway wird auf „Buy" hochgestuft, mit einem Kursziel von 2.400 GBp. Die PBT-Prognosen für 2027–2028 wurden um 5% gesenkt. Die EBIT-Prognose für das Geschäftsjahr 2026 bleibt mit 327 Millionen GBP unverändert und deckt sich mit der eigenen Unternehmensprognose von 320 bis 330 Millionen GBP. Für 2027 erwartet Berenberg keine Volumensteigerung und eine EBIT-Marge von 9,0% (zuvor 10,7%), was zu einem EBIT-Rückgang von 15% führt. Die Aktie ist im Jahresvergleich um 34% gefallen. Berenberg prognostiziert für Bellway in den nächsten zwei Jahren eine nahezu schuldenfreie Bilanz, während gleichzeitig eine Dividendenrendite von 4% und jährliche Aktienrückkäufe von 150 Millionen GBP finanziert werden. Über drei Jahre entspricht das einer Kapitalrückzahlung von rund 700 Millionen GBP oder 32% der Marktkapitalisierung.
MJ Gleeson und Taylor Wimpey im Fokus
Bei MJ Gleeson behält Berenberg die Einstufung „Buy" und das Kursziel von 310 GBp unverändert bei. Für das Geschäftsjahr 2026 prognostiziert das Analysehaus einen Gewinn vor Steuern von lediglich 10 Millionen GBP – ein Rückgang von 53% gegenüber dem Vorjahr. Dieser starke Einbruch spiegelt die Margenerosion bei Gleeson Homes sowie einen operativen Verlust von -1 Million GBP bei Gleeson Land wider, verglichen mit einem Gewinn von 7 Millionen GBP im Geschäftsjahr 2025 aufgrund verzögerter Grundstücksverkäufe. Für 2027 erwartet Berenberg eine Erholung auf 20 Millionen GBP PBT. Die Aktie wird auf Basis der 2027er-Prognosen mit dem 0,4-Fachen des TNAV und dem 10-Fachen des Gewinns je Aktie bewertet.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseTaylor Wimpey bleibt ebenfalls mit „Buy" eingestuft, allerdings senkt Berenberg das Kursziel auf 100 GBp und kürzt die PBT-Prognosen für 2026–2028 um durchschnittlich 14%. Für das Geschäftsjahr 2026 erwartet das Analysehaus einen PBT von 300 Millionen GBP, was einem Rückgang von 24% gegenüber dem Vorjahr entspricht, bei einer operativen Gewinnmarge von 8,9%. Für 2027 prognostiziert Berenberg einen Anstieg des PBT auf 333 Millionen GBP, ein Plus von 11%. Die Aktie wird auf Basis der 2027er-Prognosen mit dem 0,7-Fachen des TNAV und dem 12-Fachen des Gewinns je Aktie gehandelt. Die Kapitalrückzahlungsstrategie sieht jährlich 7,5% des Nettovermögens vor, was rund 10% der Marktkapitalisierung entspricht. Über drei Jahre soll die Gruppe mindestens 30% der Marktkapitalisierung zurückzahlen.
Insgesamt zeichnet Berenberg ein differenziertes Bild des britischen Wohnungsbausektors: Die Gewinnaussichten sind zwar gedämpft, doch die tiefen Bewertungen, starken Bilanzen und großzügigen Kapitalrückzahlungsprogramme machen die Aktien für langfristig orientierte Anleger interessant.


