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Benzinpreise bleiben hoch – auch wenn der Ölpreis fällt

Trotz sinkender Rohölpreise verharren die Benzinpreise auf hohem Niveau – und das könnte noch länger so bleiben.

Benzinpreise bleiben hoch – auch wenn der Ölpreis fällt

Die Rohölmärkte haben sich zuletzt etwas beruhigt, doch für Verbraucher an der Zapfsäule ist das kaum spürbar. Während sich der Preis für die US-Referenzsorte WTI um 80 US-Dollar pro Barrel bewegt – rund 18 Prozent über dem Niveau vor Beginn des Iran-Krieges –, liegen die Benzinpreise in den USA laut dem Energiedatenunternehmen OPIS bei 3,94 US-Dollar pro Gallone. Das entspricht einem Anstieg von 32 Prozent gegenüber dem Vorkrisenniveau und damit deutlich mehr als beim Rohöl selbst.

Präsident Trump ist es zwar zeitweise gelungen, die Rohölmärkte zu stabilisieren, doch auf die Benzinpreise hat er nicht denselben Einfluss. Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran hält weiter an, und die Auswirkungen auf die Kraftstoffmärkte sind gravierender als auf den Rohölmarkt – ein Umstand, der für Millionen von Verbrauchern unmittelbar spürbar ist.

Crack-Spreads auf Vier-Jahres-Hoch

Ein zentraler Indikator für dieses Phänomen sind die sogenannten Benzin-Crack-Spreads. Dieser Begriff bezeichnet die Differenz zwischen dem Preis für Rohöl und dem daraus gewonnenen Benzin – also die Raffineriemarge. Im laufenden Monat liegen diese Crack-Spreads im Durchschnitt bei 90 US-Cent pro Gallone. Laut Daten von Novi Labs ist das der höchste Stand seit vier Jahren.

Hohe Crack-Spreads bedeuten, dass Raffinerien deutlich mehr verdienen als üblich – gleichzeitig aber auch, dass Verbraucher überproportional stark belastet werden. Der Unterschied zwischen dem Anstieg beim Rohöl (18 Prozent) und beim Benzin (32 Prozent) verdeutlicht, wie stark sich die Kraftstoffmärkte von den Rohölmärkten abgekoppelt haben.

Fehlende Puffer auf den Kraftstoffmärkten

Der entscheidende Grund für die hartnäckig hohen Benzinpreise liegt laut Experten in der unterschiedlichen Marktstruktur. Die Kraftstoffmärkte verfügten schlicht nicht über die Puffer, die dem Rohölmarkt zur Verfügung standen. Während Rohöl in strategischen Reserven gelagert werden kann und globale Lieferketten flexibler reagieren, sind die Benzin- und Dieselmärkte enger und anfälliger für Angebotsschocks.

Das hat eine wichtige Konsequenz: Selbst wenn ein erneuter Waffenstillstand den Ölfluss wieder normalisieren sollte, werden die Benzin- und Dieselpreise voraussichtlich länger auf erhöhtem Niveau verharren. Die Anpassung der Kraftstoffmärkte dauert schlicht länger als die Beruhigung der Rohölmärkte.

Für deutsche Verbraucher und Anleger ist diese Entwicklung aus mehreren Gründen relevant. Zum einen beeinflussen die US-Benzinpreise als globaler Referenzmarkt auch die europäischen Kraftstoffmärkte. Zum anderen sind hohe Energiepreise ein wichtiger Inflationstreiber, der Kaufkraft und Konsumklima belastet. Die Entkopplung von Rohöl- und Benzinpreisen zeigt dabei, dass ein Rückgang der Ölnotierungen allein noch keine Entlastung an der Zapfsäule garantiert.

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