Ben & Jerry's: Machtkampf um unabhängigen Verwaltungsrat eskaliert
Abgesetzte Direktoren wehren sich gegen Magnum Ice Cream. Streit um Autonomie der Kultmarke vor Gericht.

Die Auseinandersetzung um die Unabhängigkeit von Ben & Jerry's erreicht eine neue Eskalationsstufe. Ehemalige Direktoren des unabhängigen Verwaltungsrats haben vor einem US-Bezirksgericht in New York gegen die Pläne der Magnum Ice Cream Company protestiert, neue Vorstandsmitglieder zu ernennen. Sie werfen dem Eiscreme-Konzern vor, seine Unternehmensbefugnisse zu überschreiten.
Magnum Ice Cream entstand im Dezember durch die Abspaltung der Eiscreme-Sparte von Unilever. Der britisch-niederländische Konsumgüterkonzern hält weiterhin 19,9 Prozent der Anteile an Magnum. Die neue Eigentümerin steht nun im Zentrum eines juristischen Konflikts, der die soziale Mission und Autonomie der in Vermont ansässigen Kultmarke Ben & Jerry's betrifft.
Verwaltungsratsvorsitzende Anuradha Mittal wurde im Dezember von Magnum abgesetzt. Das Unternehmen erachtete sie als ungeeignet für das Amt. Fünf weitere Direktoren verließen den Verwaltungsrat, nachdem Magnum Amtszeitbegrenzungen von neun Jahren einführte und die Einhaltung seines Kodex für Geschäftsintegrität forderte.
Streit um Unabhängigkeit
Die abgesetzten Direktoren widersprechen energisch Magnums Behauptung, einen unabhängigen Verwaltungsratsvorsitzenden ernennen zu können. "Ein von der Muttergesellschaft ernannter Vorsitzender ist per Definition nicht unabhängig", erklärten sie in einer Stellungnahme vom 29. Januar. Nur ein unabhängiger Verwaltungsrat könne unabhängige Direktoren ernennen oder abberufen.
"Diese Befugnis wurde der Muttergesellschaft absichtlich vorenthalten, um die Unabhängigkeit von Ben & Jerry's zu gewährleisten – und das ist auch heute noch der Fall", betonten die ehemaligen Direktoren. Sie sehen in den Aktionen von Magnum einen fundamentalen Angriff auf die Autonomie der Marke.
Wurzeln des Konflikts
Der Machtkampf hat seinen Ursprung im Jahr 2021. Damals kündigte Ben & Jerry's an, den Verkauf seiner Produkte in der israelisch besetzten Westbank einzustellen. Diese Entscheidung markierte den Beginn der Spannungen mit der damaligen Muttergesellschaft Unilever. Die sich verschlechternden Beziehungen entwickelten sich zu einem ständigen Problem für Magnum, insbesondere während der Vorbereitungen auf den geplanten Börsengang.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseMagnum Ice Cream reagierte auf die jüngsten Vorwürfe mit einer diplomatischen Stellungnahme. Das Unternehmen erklärte, es fühle sich weiterhin verpflichtet, das Ben & Jerry's-Team zu unterstützen. Man freue sich auf die Entwicklung eines "aufgefrischten" Verwaltungsrats. Den langwierigen Rechtsstreit bezeichnete Magnum als "bedauerlich". Die Gerichtseingabe der Kläger enthalte "nichts Neues", so das Unternehmen.
Der Fall wirft grundsätzliche Fragen über die Balance zwischen unternehmerischer Kontrolle und der Wahrung von Markenwerten auf. Für deutsche Anleger, die den geplanten Börsengang von Magnum beobachten, bleibt die juristische Auseinandersetzung ein bedeutender Unsicherheitsfaktor.


