Bellingham-Doppelpack schießt England ins WM-Halbfinale gegen Norwegen
Jude Bellingham trifft zweimal und führt England nach einem dramatischen Verlängerungssieg über Norwegen ins WM-Halbfinale.

England steht im Halbfinale der FIFA Weltmeisterschaft der Männer. Im Viertelfinale besiegte die Mannschaft von Trainer Thomas Tuchel Norwegen nach Verlängerung – dank eines Doppelpacks von Jude Bellingham. Das Spiel in Miami begann um 17:00 Uhr Ortszeit unter drückender Hitze und entwickelte sich zu einem taktischen Duell, das lange auf Messers Schneide stand.
Das Aufeinandertreffen war im Vorfeld als Duell der Mittelstürmer angekündigt worden: Harry Kane gegen Erling Haaland. Doch beide Trainer neutralisierten ihre jeweiligen Gegenspieler so konsequent, dass keiner der beiden Stars eine nennenswerte Chance erhielt. Englands Innenverteidiger Marc Guéhi lieferte dabei eine überragende Manndeckung gegen seinen Manchester-City-Teamkollegen Haaland, unterstützt von John Stones als zusätzlichem Absicherungsspieler. „Ich denke, wir waren heute in der Innenverteidigung sehr, sehr gut", lobte Tuchel seine Defensive.
Norwegen ging in der 36. Minute in Führung – und Haaland hatte dabei keine Hand im Spiel. Kane verlor den Ball im Mittelfeld an Patrick Berg, Martin Ødegaard bediente anschließend den 22-jährigen Linksaußen Andreas Schjelderup, der den Ball unhaltbar ins lange Eck hämmerte. Englands Rechtsverteidiger Ezri Konsa – bereits der vierte auf dieser Position im Turnierverlauf – stand zu weit entfernt, um den Schuss zu verhindern.
Bellingham dreht das Spiel
England war kurzzeitig erschüttert. Alexander Sørloth schoss knapp über die Latte, Ødegaard zwang Torhüter Jordan Pickford zu einer Glanzparade. Doch in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit schlug Bellingham zurück. Anthony Gordon, Barcelonas neuer Linksaußen, fand mit einer scharfen, flachen Flanke den Mittelfeldspieler von Real Madrid. Bellingham nahm den Ball an, beschleunigte in den norwegischen Strafraum und schoss flach ins lange Eck – 1:1.
Gordon verdient dabei besondere Erwähnung. Der Engländer ist nach Einschätzung des Berichts kein überragend technischer Spieler, agiert aber schnell und intelligent. Er versteht seine Rolle: Kane und Bellingham so früh wie möglich in Szene zu setzen. Nach einem schwachen Turnierstart ist Gordon in dieses Turnier hineingewachsen.
Tuchel hatte Bellingham bei diesem Turnier weiter vorne spielen lassen als bisher unter seiner Regie – mit großem Erfolg. „Die Formel ist ziemlich einfach: Bringt Harry und Jude zusammen, und sie werden den Rest entscheiden", sagte der deutsche Trainer. „Sie haben einen Weg gefunden, so effizient miteinander durch die Mitte des Spielfelds zu spielen."
Haaland sorgt für Aufreger – und kostet sein Team ein Tor
Haaland, der im Verlauf des Spiels zunehmend frustriert wirkte, versuchte kurz nach der Halbzeit offenbar, Elliot Anderson hochzuheben und wegzuschleudern. Wenige Minuten später kostete ihn sein Verhalten sein Team ein Tor: Torbjørn Heggem traf nach einer Ecke, doch der Videoassistent annullierte den Treffer, weil Haaland Anderson zuvor zu Boden geworfen hatte. Norwegische Eckbälle blieben dennoch gefährlich – in der 75. Minute köpfte Kristoffer Ajer den Ball an die Latte.
Am Ende der regulären Spielzeit hatte England zwar mehr Ballbesitz, Norwegen aber fünf Torschüsse gegenüber nur zwei englischen. In der Verlängerung drehte sich das Bild vollständig: England verzeichnete sechs weitere Torschüsse, Norwegen keinen einzigen.
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Zur AktienanalyseEinwechselspieler Rogers bereitet Bellinghams Siegtreffer vor
Der entscheidende Treffer fiel drei Minuten nach Beginn der Verlängerung. Einwechselspieler Morgan Rogers feuerte einen spekulativen Schuss aus 25 Metern ab. Norwegens Torhüter Ørjan Nyland – der gegen Brasilien noch das Spiel seines Lebens gemacht hatte – ließ den Ball von der Brust abprallen. Nyland ist derzeit vereinslos, nachdem er beim FC Sevilla als Ersatztorwart entlassen worden war. Den Nachschuss verwertete der schnellste Spieler auf dem Platz: Bellingham – sein viertes Tor in der K.-o.-Runde und sein sechstes Turniertor insgesamt.
Bemerkenswert ist dabei, dass Tuchel laut Bericht zeitweise erwogen hatte, Bellingham beim Turnier zunächst auf der Bank zu lassen oder ihn gar nicht erst zu nominieren – angetrieben von Stimmen, die Bellinghams selbstbewusstes, rebellisches Auftreten kritisierten. Die Entscheidung, ihn von Beginn an einzusetzen und weiter vorne spielen zu lassen, hat sich als goldrichtig erwiesen. England steht im Halbfinale der Weltmeisterschaft.


