Beauty Pie-Gründerin Marcia Kilgore: Fünf Erfolgsgeheimnisse für Unternehmer
Die 57-jährige Serienunternehmerin baute fünf Marken auf – und teilt ihre wichtigsten Lektionen für Gründer.

Marcia Kilgore ist eine der bemerkenswertesten Serienunternehmerinnen der Welt. Die 57-Jährige gründete unter anderem das Luxus-Spa Bliss, die Kosmetikmarke Soap & Glory, die Schuhmarke FitFlop und schließlich Beauty Pie – ein rein digitales Abonnement-Modell, das die Beautybranche weltweit verändert hat. In einem Interview mit BBC Business teilt Kilgore die fünf Erfolgsgeheimnisse, die sie auf ihrem Weg gelernt hat.
Kilgores Geschichte beginnt nicht mit einem ausgefeilten Businessplan, sondern mit dem Überlebenswillen einer jungen Frau aus Kanada. Als ihr Finanzierungsplan für das Studium an der Columbia University in New York scheiterte, musste sie sich schnell einen Job suchen. Sie arbeitete als Personal Trainerin und belegte abends Kosmetikkurse – und entdeckte dabei ihr Talent für die Schönheitsbranche. Schließlich brach sie das Studium ab, um dort eine Karriere zu verfolgen.
1. Kein perfekter Plan nötig
Kilgore erklärt, dass sie schon früh den Wunsch entwickelte, finanziell unabhängig zu sein. „Ich erinnere mich, wie ich mit acht Jahren beschloss, dass ich in dem Alter meiner Eltern niemals wegen meiner Stromrechnung gestresst sein wollte", sagt sie. Dieser Antrieb prägte ihren gesamten unternehmerischen Weg. Für sie war klar: „Als Unternehmer trägt man das Risiko zumindest selbst."
2. Das Geschäft von Grund auf kennen
Kilgore betont, wie wichtig tiefes Fachwissen ist. Als sie in den 1990er-Jahren das Bliss Spa eröffnete, kündigten viele Mitarbeiter kurz nach der Eröffnung aus Überforderung. Kilgore konnte einspringen, weil sie selbst wusste, wie man wachst und Gesichtsbehandlungen durchführt. „Man braucht tiefgreifende Expertise, damit man nicht im Regen steht, wenn Menschen einen enttäuschen oder unvorhergesehene Dinge passieren", sagt sie.
3. Ideen kritisch hinterfragen
Ein zentraler Rat der Unternehmerin: die eigene Idee konsequent auf den Prüfstand stellen. „Wenn Sie die Frage ‚Na und?' nicht in einem Satz beantworten können, ist Ihre Idee noch nicht gut genug", sagt Kilgore. Sie warnt vor dem sogenannten „Ownership Bias" – der Neigung, eine Idee allein deshalb für brillant zu halten, weil sie die eigene ist. Ihr Rat: Ideen bei der Zielgruppe testen, bevor zu viel investiert wird. Kilgore sieht auch in künstlicher Intelligenz eine große Chance für Gründer, da KI Ideen herausfordern und blinde Flecken aufzeigen kann – ganz ohne teures Beraterbudget.
4. Opfer bringen und freundlich bleiben
Kilgore betont, dass Unternehmertum Verzicht bedeutet. „Man wird nicht viel Freizeit haben", sagt sie. Die Führung eines Unternehmens erfordere, stets über Markttrends, Wettbewerber und verändertes Kundenverhalten informiert zu bleiben – oft auch außerhalb der regulären Arbeitszeiten. Gleichzeitig habe sie von Beginn an darauf geachtet, „die freundlichste, fleißigste und gewissenhafteste Person" zu sein. Freundlichkeit und Verlässlichkeit bauten Loyalität auf und führten dazu, dass ihr erster kleiner Schönheitssalon Monate im Voraus ausgebucht war. Trotz allem setzte Kilgore klare Grenzen: Wichtige Familienereignisse wie Schulaufführungen und Familienurlaube ließ sie sich nicht nehmen.
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Zur Aktienanalyse5. Der Sterbebett-Test als Kompass
Den vielleicht ungewöhnlichsten Ratschlag nennt Kilgore den „Sterbebett-Test". Dabei fragt sie sich, ob ein Projekt am Ende des Lebens noch als sinnvoll empfunden werden würde. „Stellen Sie sich vor, Sie liegen auf dem Sterbebett. Überlegen Sie, was Sie anders gemacht hätten, und tun Sie genau das", sagt sie. Für Kilgore geht es beim Erfolg nicht nur darum, ein weiteres Unternehmen aufzubauen, sondern zu entscheiden, welche Ideen die Zeit wert sind, die ihr Aufbau in Anspruch nehmen wird.
Kilgores Geschichte zeigt, dass unternehmerischer Erfolg selten das Ergebnis eines perfekten Plans ist. Vielmehr entsteht er aus Anpassungsfähigkeit, echtem Fachwissen, kritischem Denken und der Bereitschaft, konsequent Opfer zu bringen – ohne dabei die eigenen Werte aus den Augen zu verlieren.


