Beat-and-Raise reicht nicht mehr: JPMorgan warnt vor Aktienmarkt-Stagnation
Starke Quartalszahlen und angehobene Prognosen treiben Aktienkurse laut JPMorgan nicht mehr automatisch nach oben.

Die laufende Berichtssaison für das zweite Quartal hat bislang einen starken Auftakt hingelegt. Dennoch warnt JPMorgan: Anhebungen der Gewinnprognosen könnten nicht mehr ausreichen, um die Aktienkurse weiter nach oben zu treiben. Das klassische „Beat-and-Raise"-Muster – also das Übertreffen der Erwartungen kombiniert mit einer Anhebung des Ausblicks – verliert offenbar an Wirkung.
In den vergangenen zwei Wochen haben zahlreiche Wall-Street-Schwergewichte ihre Ergebnisse für das zweite Quartal vorgelegt. Dazu zählen Finanzriesen wie Goldman Sachs und Bank of America sowie Big-Tech-Konzerne wie die Google-Mutter Alphabet und der Elektroautohersteller Tesla. Die Berichte fielen insgesamt stark aus und sorgten zunächst für positive Stimmung an den Märkten.
Unternehmen heben Jahresprognosen an
Zu den Unternehmen, die ihre Jahresprognosen im Zuge der Berichtssaison angehoben haben, gehören BNY Mellon, der Pharma- und Konsumgüterkonzern Johnson & Johnson sowie das Softwareunternehmen ServiceNow. Solche Prognoseanhebungen gelten traditionell als starkes Signal für die weitere Kursentwicklung einer Aktie.
Doch genau hier setzt die Warnung von JPMorgan an. Die Analysten der US-Großbank deuten darauf hin, dass der Markt diese positiven Signale möglicherweise bereits eingepreist hat. Das bedeutet: Selbst wenn Unternehmen die Erwartungen übertreffen und ihre Ausblicke verbessern, reagieren die Aktienkurse nicht mehr mit den gewohnten Kurssprüngen.
Was steckt hinter dem „Beat-and-Raise"-Phänomen?
Das sogenannte „Beat-and-Raise"-Muster beschreibt eine Situation, in der ein Unternehmen sowohl die Gewinnerwartungen der Analysten übertrifft als auch gleichzeitig seinen eigenen Ausblick für das laufende oder kommende Geschäftsjahr anhebt. Für Anleger gilt dies als doppelt positives Signal: Es zeigt, dass das Unternehmen nicht nur in der Vergangenheit gut performt hat, sondern auch für die Zukunft optimistisch gestimmt ist.
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Zur AktienanalyseAn der Börse wurde dieses Muster lange Zeit zuverlässig mit Kursgewinnen belohnt. Wenn Märkte jedoch bereits hohe Erwartungen einpreisen, reicht selbst eine Übererfüllung dieser Erwartungen nicht mehr aus, um weitere Käufer anzulocken. Dieses Phänomen ist unter Marktteilnehmern auch als „Buy the rumor, sell the news" bekannt.
Für deutsche Privatanleger ist diese Entwicklung besonders relevant, da viele der betroffenen US-Konzerne wie Alphabet, Goldman Sachs oder Johnson & Johnson auch in deutschen Depots und ETFs stark vertreten sind. Eine nachlassende Kursreaktion auf gute Quartalszahlen könnte ein Hinweis darauf sein, dass die Bewertungen an den US-Märkten bereits sehr ambitioniert sind. Anleger sollten daher die weiteren Signale aus der laufenden Berichtssaison genau beobachten.


