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Bayer streicht Stellen und schließt Werk in Frankfurt

Agrarsparte schwächelt, Glyphosat verliert Bedeutung, Kritik von Betriebsrat und Gewerkschaft wächst

 Bayer streicht Stellen und schließt Werk in Frankfurt

Bayer wird erstmals in seiner Unternehmensgeschichte einen Standort in Deutschland schließen. Betroffen ist das Werk in Frankfurt, das mit rund 500 Arbeitsplätzen bis Ende 2028 komplett stillgelegt werden soll. Teile des Standorts sollen verkauft werden. Auch in Dormagen, wo der Konzern ebenfalls Pflanzenschutzmittel herstellt, sind Stellenstreichungen geplant. Der Arbeitsplatzabbau ist Teil eines umfassenden Fünf-Jahres-Plans zur Effizienzsteigerung im Agrargeschäft, das etwa die Hälfte des Konzernumsatzes ausmacht. Die Maßnahme wird von Arbeitnehmervertretern scharf kritisiert.

Das Agrargeschäft von Bayer schwächelt bereits seit Jahren. Im ersten Quartal 2025 sank der Umsatz in diesem Segment um drei Prozent, das Betriebsergebnis (Ebitda) ging um mehr als zwanzig Prozent zurück. Andere Unternehmen der Branche wie Syngenta oder Corteva sind ebenfalls von geringer Nachfrage und wachsender Billigkonkurrenz aus Asien betroffen. Bei Syngenta zeigte sich allerdings im selben Zeitraum eine positive Entwicklung: Dort stieg das Ebitda um 18 Prozent. Bei Bayer hingegen belasten zusätzlich regulatorische Probleme. So ruht in den USA die Zulassung für das Mittel Dicamba, da der Wirkstoff auf benachbarte Felder übergreifen kann. Für das Insektizid Movento ist die Genehmigung ausgelaufen.

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor bleibt Glyphosat. Der Unkrautvernichter steht seit Jahren in der Kritik und ist Gegenstand zahlreicher Rechtsstreitigkeiten in den USA, die Bayer bereits hohe Summen gekostet haben. Der Konzern zieht inzwischen sogar in Betracht, Glyphosat vom US-Markt zu nehmen. Auch wirtschaftlich hat das Mittel an Bedeutung verloren: Die Nachfrage ist rückläufig, der Preisdruck durch billigere Konkurrenz wächst.

Im Rahmen der geplanten Umstrukturierungen strebt Bayer im Agrargeschäft bis 2029 ein Wachstum über Marktniveau an. Die angestrebte Umsatzsteigerung von mehr als 3,5 Milliarden Euro soll durch Innovationen erreicht werden. CEO Bill Anderson kündigte Veränderungen im Produktportfolio sowie bei Forschung und Entwicklung, Produktion, Vertrieb und globalen Funktionen an.

Die angekündigten Werksschließungen stoßen bei Arbeitnehmervertretern auf massiven Widerstand. Sie sehen darin einen Bruch mit dem erklärten Ziel, den Standort Deutschland zu stärken. Die IG BCE und der Bayer-Gesamtbetriebsrat bewerten die Pläne als historisch einschneidend. Besonders kritisch sehen sie die Schließung des Frankfurter Werks, das zuletzt neue Aufträge gewinnen konnte und mit seinen Forschungsergebnissen zur Nachhaltigkeit beigetragen habe.

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