Bayer legt 7,25 Milliarden Dollar Vergleich für Roundup-Klagen vor
Deutscher Konzern will jahrelangen Rechtsstreit um krebserregendes Herbizid mit gestaffeltem Entschädigungsprogramm beenden

Der Leverkusener Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer hat einen umfassenden Vergleichsvorschlag über 7,25 Milliarden Dollar vorgelegt, um die massiven Roundup-Klagen in den USA beizulegen. Der beim Gericht in St. Louis, Missouri eingereichte Plan sieht ein langfristiges Entschädigungsprogramm vor, das über bis zu 21 Jahre durch gedeckelte jährliche Zahlungen finanziert werden soll.
Der Schritt markiert einen bedeutenden Wendepunkt für Bayer, das seit der 63 Milliarden Dollar teuren Übernahme des US-Agrarriesen Monsanto im Jahr 2018 mit einer Klagewelle konfrontiert ist. Rund 65.000 Kläger werfen dem Unternehmen vor, nach der Anwendung des Unkrautvernichtungsmittels Roundup an Non-Hodgkin-Lymphomen oder anderen Krebsarten erkrankt zu sein.
Die Bayer-Aktie reagierte positiv auf die Nachricht und legte um bis zu 7,7 Prozent zu – der höchste Stand seit September 2023. "Bayers Schritt wird die rechtlichen Risiken erheblich verringern", kommentierte Ingo Speich vom Bayer-Investor Deka Investment. Obwohl der Vergleich sehr kostspielig sei, decke er auch künftige Ansprüche ab.
Massive finanzielle Belastung für Bayer
Die finanziellen Auswirkungen sind erheblich: Bayer geht davon aus, dass die Rückstellungen und Prozessverbindlichkeiten von 7,8 Milliarden Euro auf 11,8 Milliarden Euro ansteigen werden. Für 2026 rechnet der Konzern mit prozessbedingten Auszahlungen von rund 5 Milliarden Euro und erwartet nun einen negativen freien Cashflow für dieses Jahr.
Die Vereinbarung wurde mit führenden US-Anwaltskanzleien wie Motley Rice und Seeger Weiss ausgehandelt, die eine landesweite Sammelklage vertreten würden. Sie deckt den Großteil der anhängigen Klagen ab, erfordert jedoch die Zustimmung eines Richters sowie eine Mindestanzahl an Klägern. Bayer muss keine Haftung eingestehen und kann vom Vergleich zurücktreten, sollten zu viele Kläger eine Teilnahme ablehnen.
Gestaffeltes Entschädigungssystem
Personen, die nachweislich an einem Non-Hodgkin-Lymphom erkrankt sind und vor dem vergangenen Dienstag Roundup ausgesetzt waren, können Ansprüche geltend machen. Die Auszahlungen werden durch ein gestaffeltes System bestimmt, das die Dauer der Exposition, das Alter bei der Diagnose und die Art der Krebserkrankung berücksichtigt. Laut Rechtsanwalt Eric Holland könnten Einzelpersonen bis zu 198.000 Dollar oder mehr erhalten.
Bayer-Chef Bill Anderson zeigte sich in einer Telefonkonferenz zuversichtlich, dass der vorgeschlagene Vergleich die überwiegende Mehrheit der Ansprüche klären wird. Das Unternehmen betont seit Jahrzehnten, dass Studien die Sicherheit von Roundup und seinem Wirkstoff Glyphosat für den Menschen belegen.
Supreme Court Verfahren bleibt entscheidend
Parallel zum Vergleichsvorschlag läuft ein Verfahren vor dem Obersten Gerichtshof der USA, dessen mündliche Verhandlung für Ende April angesetzt ist. Bayer argumentiert, dass Verbraucher das Unternehmen nicht nach einzelstaatlichem Recht verklagen können sollten, da die US-Umweltschutzbehörde EPA kein Krebsrisiko durch Roundup festgestellt habe und keine entsprechende Warnung verlange.
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Zur AktienanalyseMarkus Manns, Portfoliomanager beim Bayer-Aktionär Union Investment, mahnte zur Vorsicht: "Der Vergleich verschafft Bayer Zeit, aber ohne einen Sieg vor dem Supreme Court könnte in einigen Jahren eine neue Klagewelle auf Bayer zurollen." Der Vorschlag sei noch nicht der Durchbruch, den sich viele Investoren erhofft hätten.
Bayer hatte bereits rund 10 Milliarden Dollar gezahlt, um den Großteil der bis 2020 anhängigen Roundup-Klagen beizulegen, konnte damals jedoch keine Einigung erzielen, die auch künftige Fälle abdeckt. Die Bilanz bei den vor Gericht verhandelten Fällen ist gemischt – während Bayer in einer Reihe von Prozessen siegreich war, wurde der Konzern mit hohen Schadensersatzzahlungen konfrontiert, darunter ein Urteil über 2,1 Milliarden Dollar in Georgia im März.
Roundup gehört zu den am häufigsten verwendeten Unkrautvernichtungsmitteln in den Vereinigten Staaten. Das Unternehmen gab an, separat vertrauliche Vergleiche mit bestimmten Anwaltskanzleien geschlossen zu haben, nannte jedoch weder die Namen der Kanzleien noch die genaue Höhe dieser Abschlüsse.


