Bayer hofft auf Wende im Glyphosat-Streit
Vergleiche, Rückstellungen und Supreme Court: Konzern kämpft gegen Klagewelle und Altlasten

Tausende Glyphosat-Klagen, Milliardenrückstellungen und ein zäher juristischer Kampf: Der Bayer-Konzern versucht unter hohem Druck, die rechtlichen Altlasten aus der Monsanto-Übernahme in den Griff zu bekommen. Vorstandschef Bill Anderson zeigte sich bei der Vorlage der Quartalszahlen zuversichtlich, dass die Risiken in den USA bis Ende 2026 deutlich reduziert werden können. Demnach seien zahlreiche Verfahren mittlerweile zu vertraulichen und relativ niedrigen Kosten beigelegt worden.
Im Zentrum der Strategie steht weiterhin der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten. Der Supreme Court hat den Generalstaatsanwalt um eine Stellungnahme zu Bayers Antrag auf Revision eines Glyphosat-Urteils gebeten. Eine Entscheidung darüber, ob das höchste Gericht den Fall annimmt, könnte bis zum Sommer 2026 fallen. Es ist bereits der dritte Versuch des Konzerns, den Fall vor den Supreme Court zu bringen. Bayer erhofft sich davon eine Grundsatzentscheidung, um zukünftige Klagen zu verhindern. Ausschlaggebend für den Optimismus sind widersprüchliche Urteile von US-Bundesberufungsgerichten, auf die sich der Konzern stützt.
Gleichzeitig bleibt die finanzielle Belastung erheblich. Bayer hat zusätzliche Rückstellungen in Höhe von rund 1,7 Milliarden Euro gebildet, um laufende Rechtsstreitigkeiten rund um Glyphosat und die Chemikalie PCB abzudecken. Ein Auslöser war die Bestätigung eines für Bayer ungünstigen Glyphosat-Urteils durch ein Berufungsgericht in Missouri im Mai. Die Zahl offener Glyphosat-Klagen sank dennoch auf 61.000, nach zuvor 67.000 Fällen – ein Rückgang, der auf einen groß angelegten Vergleich zurückzuführen ist.
Trotz der juristischen Unsicherheiten sieht sich der Leverkusener Konzern operativ auf einem guten Weg. Das Pharmageschäft entwickelte sich besser als erwartet, was zur Anhebung der währungsbereinigten Prognose für Umsatz und Ergebnis führte. Auch im Agrargeschäft habe sich die Profitabilität verbessert, erklärte Anderson. Darüber hinaus sei von der US-Umweltbehörde EPA die erneute Zulassung des Pflanzenschutzmittels Dicamba vorgeschlagen worden.
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Zur AktienanalyseBayer setzt zur Risikominimierung auf eine mehrgleisige Strategie. Neben der juristischen Auseinandersetzung bleibt auch ein möglicher Rückzug aus dem Glyphosat-Geschäft in den USA ein Thema. Die Vorwürfe gegen das Herbizid weist das Unternehmen weiterhin zurück. Während zahlreiche internationale Behörden Glyphosat nicht als krebserregend einstufen, hält allein die Krebsforschungsagentur IARC an einer abweichenden Einschätzung fest.

