Baugenehmigungen steigen um 10,8% – Branche warnt vor Wohnungsmangel
238.500 neue Wohnungen genehmigt, doch Fertigstellungen bleiben deutlich hinter Bedarf zurück
Die deutschen Baubehörden haben 2025 insgesamt 238.500 neue Wohnungen und Häuser genehmigt. Das entspricht einem Anstieg von 10,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Erstmals seit 2021 zeigt der Trend damit wieder nach oben – allerdings von einem historisch niedrigen Niveau.
Besonders deutlich fiel der Zuwachs bei Einfamilienhäusern aus: Hier stiegen die Genehmigungen um 17,2 Prozent auf 44.500 Einheiten. Bei Zweifamilienhäusern blieb die Zahl mit 12.600 Genehmigungen stabil auf Vorjahresniveau. Die Genehmigungen für Wohnungen in Mehrfamilienhäusern legten um 12,1 Prozent auf 13.900 zu.
Die positive Entwicklung zeigte sich vor allem im zweiten Halbjahr 2025. Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) sieht darin einen Beleg für eine beginnende Trendwende im Wohnungsbau. Das Plus von 17,8 Prozent in der zweiten Jahreshälfte unterstreiche, dass sich der Sektor in die richtige Richtung bewege.
Branche mahnt zur Vorsicht
Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes bewertet den Trend grundsätzlich positiv. "Bauherren und Investoren fassen wieder etwas Vertrauen. Der Negativtrend ist gebrochen", erklärt Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa. Gleichzeitig warnt er jedoch: Mehr Genehmigungen bedeuten nicht automatisch mehr fertiggestellte Wohnungen.
Die Zahlen offenbaren eine erhebliche Lücke zwischen Bedarf und Realität. Nach Branchenschätzungen wurden 2025 lediglich 225.000 Wohnungen fertiggestellt – bei einem jährlichen Mehrbedarf von mindestens 100.000 Einheiten. Für 2026 rechnet die Branche sogar mit sinkenden Fertigstellungszahlen von etwa 215.000 Wohnungen.
Der zeitliche Verzug zwischen Genehmigung und Fertigstellung verschärft die Situation zusätzlich. "Eine genehmigte Wohnung ist erst in zwei bis drei Jahren fertig", betont Pakleppa. Deutschland schiebe ein enormes Defizit vor sich her, was besonders den Wohnungsmarkt in Ballungsräumen unter Druck setze.
Großstädte bleiben Problemzonen
Der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW mahnt zur Realität. "Wir dürfen uns nichts vormachen", erklärt GdW-Präsident Axel Gedaschko. Gerade in Großstädten wie München, Frankfurt oder Berlin bleibe der Druck auf den Wohnungsmarkt hoch. Die Kosten für Wohnraum stellen für viele Menschen eine erhebliche finanzielle Belastung dar.
Dirk Wohltorf vom Immobilienverband Deutschland IVD spricht von einer "Dauerkrise" des Wohnungsbaus. Er fordert neben schnelleren Genehmigungsverfahren auch einfachere bauliche Mindeststandards sowie spürbare Entlastungen bei Steuern und Abgaben. Sein Fazit: "In Baugenehmigungen kann man nicht wohnen."
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Zur AktienanalyseDie schwarz-rote Bundesregierung hat den Wohnungsbau zu einem Kernziel erklärt. Mit einem "Bau-Turbo" sollen Genehmigungen beschleunigt und der schleppende Wohnungsbau angekurbelt werden. Die meisten Hochbau-Unternehmen rechnen jedoch erst für 2027 und 2028 mit spürbaren Effekten dieser Maßnahmen.
Langfristige Förderung gefordert
Die Branche appelliert an die Politik, Förderungen langfristig zu verstetigen. Nur so könnten Bauwillige verlässlich planen. "Wir sind auf dem richtigen Weg, aber noch weit davon entfernt, die Schieflage am Markt zu lösen", fasst Pakleppa die Lage zusammen. Die aktuellen Zahlen zeigen zwar eine Verbesserung der Stimmung, doch bis zur Entspannung auf dem Wohnungsmarkt bleibt noch ein weiter Weg.


