Barrick Gold und Newmont einigen sich: IPO der Nordamerika-Assets geplant
Die beiden weltgrößten westlichen Goldminenkonzerne beenden ihren Streit um das Nevada-Joint-Venture und ebnen den Weg für einen Börsengang.

Barrick Gold und Newmont haben eine umfassende Einigung erzielt, um ihren lang anhaltenden Streit um das gemeinsame Joint Venture Nevada Gold Mines (NGM) beizulegen. Die Vereinbarung wurde gemeinsam mit Barricks Quartalsergebnissen für das zweite Quartal 2026 bekanntgegeben und räumt ein wesentliches Hindernis für Barricks geplanten Börsengang (IPO) seiner nordamerikanischen Goldaktiva aus dem Weg. Dieser IPO soll noch bis Ende 2026 vollzogen werden.
Branchenbeobachter hatten die Beziehung zwischen den beiden Bergbaugiganten zuletzt als zerrüttet beschrieben. Newmont hatte Barrick vorgeworfen, das NGM-Joint-Venture schlecht zu verwalten – konkret wurde dem Unternehmen vorgeworfen, Ressourcen zugunsten des vollständig im Eigenbesitz befindlichen Fourmile-Projekts umgeleitet zu haben.
Einigung im Nevada-Streit: Fourmile gegen Mike und Fiberline
Im Rahmen der neuen Vereinbarung integrieren beide Unternehmen bislang ausgeschlossene Vermögenswerte in den NGM-Komplex. Barrick bringt sein Fourmile-Projekt ein, während Newmont seine Projekte Mike und Fiberline einbringt. Um den Wert des Fourmile-Assets auszugleichen, zahlt Newmont innerhalb von 30 Tagen eine Barzahlung von 1,95 Milliarden US-Dollar an Barrick. Die Vereinbarung umfasst zudem Änderungen an der Governance-Struktur des NGM-Joint-Ventures, das nach der Erweiterung auf nahezu 100 Millionen Unzen Gold anwachsen soll.
Mit der Beilegung des Streits hat Newmont nun formell der Abspaltung von Barricks nordamerikanischen Aktivitäten in eine eigenständige, börsennotierte Gesellschaft zugestimmt. Barrick plant, zwischen 10 % und 15 % des neuen Unternehmens an die Börse zu bringen. Das neue Unternehmen soll das NGM-Joint-Venture sowie die Pueblo-Viejo-Mine umfassen. Mark Hill, der als künftiger CEO der neuen Gesellschaft ernannt wurde, bezeichnete den IPO als Schaffung eines „Pure Play"-Goldunternehmens mit hochwertigen, langlebigen Vermögenswerten in risikoarmen Jurisdiktionen.
Gemischte Reaktionen: Aktionäre skeptisch, Barrick-Aktie unter Druck
Die Ankündigung stieß bei Investoren auf ein geteiltes Echo. Einige Großaktionäre haben ihre Ablehnung der Strategie signalisiert. Am Montag fiel der Barrick-Aktienkurs nach Bekanntgabe der Einigung um 8 %, während Newmonts Aktien Gewinne verzeichneten. Analysten sehen den IPO als entscheidenden Test für Barrick-Chairman John Thornton, dessen Führung angesichts einer Underperformance gegenüber Wettbewerbern wie Agnico Eagle Mines unter Beobachtung steht.
Operativ lieferte Barrick für das zweite Quartal 2026 ein gemischtes Bild. Die Goldproduktion stieg um 11 % gegenüber dem Vorquartal auf 796.000 Unzen und übertraf damit die eigene Guidance von 730.000 bis 770.000 Unzen. Treiber waren die Hochfahrphase bei Loulo-Gounkoto, die Erholung bei Pueblo Viejo sowie ein Rekord beim Untertagebau in Cortez.
Starke Cashflows, aber höhere Kosten trüben das Bild
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseAuf der Ertragsseite stieg der Nettogewinn um 50 % im Jahresvergleich auf 1,22 Milliarden US-Dollar, der operative Cashflow legte um 28 % auf 1,70 Milliarden US-Dollar zu. Dennoch verfehlte Barrick mit einem bereinigten Ergebnis von 0,82 US-Dollar je Aktie den Analystenkonsens von 0,88 US-Dollar – hauptsächlich aufgrund gestiegener Produktionskosten und rückwirkender Steuerstrafen in Mali. Die Goldverkaufskosten lagen bei 1.993 US-Dollar je Unze, die All-in Sustaining Costs (AISC) bei 1.866 US-Dollar je Unze.
Barrick bestätigte seine Jahresprognose für Produktion und Kosten und senkte gleichzeitig die Gesamtprognose für die zurechenbare Investitionsausgaben auf 3,8 bis 4,2 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen erklärte eine Quartalsdividende von 0,175 US-Dollar je Aktie und meldete Aktienrückkäufe im Wert von 1,2 Milliarden US-Dollar für das Quartal – ein Anstieg der Aktionärsrenditen um 242 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Den Großteil der 1,95-Milliarden-Dollar-Zahlung von Newmont will Barrick vorbehaltlich der Zustimmung des Vorstands an seine Aktionäre weitergeben.
Die Einigung beseitigt zwar die unmittelbaren rechtlichen und strategischen Spannungen zwischen Barrick und Newmont, doch der Erfolg des geplanten IPOs bleibt von den Marktbedingungen abhängig. Die negative Marktreaktion auf die Nachricht deutet darauf hin, dass Investoren zunächst konkretere Belege für eine Trendwende abwarten, bevor sie die Abspaltungsstrategie vollständig unterstützen.


