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Bären wetten massiv gegen High-Yield-Anleihen und verunsichern Märkte

Optionshändler setzen verstärkt auf fallende Kurse beim HYG-ETF – Put-Volumen übersteigt Call-Volumen um das Fünffache.

Bären wetten massiv gegen High-Yield-Anleihen und verunsichern Märkte

Am Donnerstag rückte der iShares iBoxx High Yield Corporate Bond ETF (HYG) in den Fokus der Optionsmärkte. Während viele Marktteilnehmer ihre Aufmerksamkeit auf Staatsanleihen richteten, häuften sich beim HYG auffällig viele bärische Wetten. Das Put-Volumen überstieg das Call-Volumen um das Fünffache – ein deutliches Signal für wachsende Skepsis gegenüber dem Hochzinsanleihen-Segment.

Von den insgesamt 226.000 HYG-Optionen, die am Donnerstag gehandelt wurden, entfielen laut Daten von ThinkorSwim 190.000 auf Puts. Besonders auffällig war ein einzelner Trade: Ein Investor zahlte 1,3 Millionen US-Dollar, um 20.000 Put-Optionen mit einem Basispreis von 75 und Verfall am 27. Januar zu erwerben. Solche großvolumigen Einzeltransaktionen gelten an den Märkten als starkes Warnsignal.

Regimewechsel bei der Fed als möglicher Auslöser

Als möglichen Grund für die bärische Stimmung nennen einige Marktteilnehmer den Führungswechsel an der Spitze der US-Notenbank Federal Reserve. Der neue Fed-Vorsitzende Kevin Warsh leitete seine erste Sitzung, was unter Händlern für Unsicherheit sorgte. Zed Francis, Chief Investment Officer und Mitbegründer von Convexitas in Chicago, brachte die Lage auf den Punkt: „In den vergangenen 20 Jahren wurde den Anleihehändlern ein Skript vorgegeben, dem sie folgen konnten. Ihnen wurde nun signalisiert, dass sie ihre Hausaufgaben wieder selbst machen müssen. Das könnte vorübergehend zu einem Käuferstreik führen."

Diese Aussage verdeutlicht, wie stark die Rentenmärkte in den vergangenen Jahren von einer vorhersehbaren Notenbankpolitik abhängig waren. Ein Wechsel an der Fed-Spitze kann das gesamte Erwartungsgerüst der Marktteilnehmer erschüttern – mit direkten Auswirkungen auf Risikoprämien und Anleihekurse.

Rohölpreise belasten den Energiesektor im ETF

Ein weiterer Belastungsfaktor ist der anhaltende Ausverkauf bei den Rohölpreisen. Nachdem die USA und der Iran ein Friedensabkommen geschlossen haben, fielen die Ölpreise am Donnerstag auf ihren niedrigsten Stand seit März. Das ist für den HYG-ETF besonders relevant: Laut iShares sind mehr als 11 Prozent des Fonds im Energiesektor investiert. Sinkende Ölpreise erhöhen den Druck auf Energieunternehmen mit hoher Verschuldung – genau jene Emittenten, die im Hochzinssegment stark vertreten sind.

Der nach Volumen beliebteste Basispreis beim HYG war am Donnerstag der 77er-Put mit Verfall am 21. August. Hier wechselten 40.000 Kontrakte den Besitzer. Bei einem Preis von 39 Cent pro Kontrakt – also 39 US-Dollar pro Trade – müssen Käufer dieser Puts damit rechnen, dass der HYG um weitere 4 Prozent fallen muss, um die Gewinnschwelle zu erreichen. Das zeigt, dass die Bären zwar auf Kursrückgänge setzen, aber keine unmittelbar dramatischen Einbrüche erwarten.

Hintergrund: Was ist der HYG-ETF?

Der iShares iBoxx High Yield Corporate Bond ETF ist eines der meistgehandelten Instrumente für Hochzinsanleihen weltweit. Er bildet einen Index aus US-amerikanischen Unternehmensanleihen mit niedrigerem Kreditrating ab – sogenannte „Junk Bonds". Diese Papiere bieten höhere Renditen, tragen aber auch ein erhöhtes Ausfallrisiko. Für deutsche Privatanleger ist der HYG ein wichtiger Gradmesser für die globale Risikobereitschaft an den Kreditmärkten.

Die aktuelle Häufung von Put-Optionen deutet darauf hin, dass institutionelle Investoren sich gegen mögliche Kursverluste absichern oder aktiv auf fallende Kurse spekulieren. Ob der genaue Auslöser der Fed-Wechsel, der Ölpreisrückgang oder eine Kombination beider Faktoren ist, bleibt laut Marktbeobachtern unklar. Die Nervosität am Markt ist jedoch spürbar.

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