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Barclays wechselt zu Wall-Street-Modell mit höheren Boni

Die britische Großbank senkt Festgehälter und erhöht variable Vergütungen – nach dem Vorbild amerikanischer Investmentbanken.

Barclays wechselt zu Wall-Street-Modell mit höheren Boni

Barclays PLC stellt sein Vergütungssystem grundlegend um. Die britische Großbank orientiert sich künftig am Modell der Wall-Street-Häuser: höhere Boni, niedrigere Festgehälter. Das gab Finanzvorständin Anna Cross am Dienstag bekannt.

Im ersten Halbjahr zahlte Barclays leistungsbezogene Vergütungen in Höhe von 1,3 Milliarden Pfund (umgerechnet rund 1,7 Milliarden US-Dollar) aus. Das entspricht einem Anstieg von fast 30 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, in dem rund 1 Milliarde Pfund ausgeschüttet wurden. Die Festgehälter hingegen stiegen im selben Zeitraum um weniger als ein Prozent.

Abkehr vom europäischen Vergütungsmodell

Das Vorgehen markiert eine strategische Neuausrichtung. Europäische Banken haben traditionell höhere Fixgehälter gezahlt, während amerikanische Investmentbanken wie Goldman Sachs oder JPMorgan stärker auf variable, leistungsabhängige Komponenten setzen. Mit dem Wechsel zum Wall-Street-Modell will Barclays offenbar die Wettbewerbsfähigkeit bei der Rekrutierung und Bindung von Spitzenkräften im globalen Investmentbanking stärken.

Der Schritt ist auch regulatorisch relevant. In der Europäischen Union und im Vereinigten Königreich galten nach der Finanzkrise 2008 lange strikte Obergrenzen für Banker-Boni, um übermäßige Risikobereitschaft einzudämmen. Das Vereinigte Königreich hat diese sogenannte Bonus-Cap-Regelung nach dem Brexit jedoch abgeschafft, was britischen Banken wie Barclays nun mehr Spielraum bei der variablen Vergütung gibt.

Starker Anstieg der Bonuszahlungen

Der Sprung von fast 30 Prozent bei den variablen Vergütungen innerhalb eines Jahres ist bemerkenswert. Er zeigt, dass Barclays die neue Freiheit nach dem Ende der Bonus-Deckelung aktiv nutzt. Gleichzeitig bleibt das Wachstum bei den Festgehältern mit unter einem Prozent deutlich hinter der allgemeinen Lohnentwicklung zurück – ein klares Signal, dass die Bank die Gesamtvergütung bewusst in Richtung variabler Komponenten verschiebt.

Für Anleger ist die Entwicklung zweischneidig. Einerseits kann ein leistungsorientierteres Vergütungssystem die Produktivität und den Geschäftserfolg im Investmentbanking fördern. Andererseits steigen die Personalkosten in guten Geschäftsjahren stärker an, was die Profitabilität belasten kann. Die Zahlen aus dem ersten Halbjahr deuten darauf hin, dass Barclays bereit ist, diesen Kompromiss einzugehen, um im internationalen Wettbewerb um Talente mithalten zu können.

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