Barclays warnt vor weiterem Euro-Verfall durch Wachstumsdivergenz
Die britische Großbank sieht den Euro unter Druck – wegen wachsender Unterschiede zwischen US- und Eurozone-Wirtschaft.

Barclays hat am Freitag eine klare Einschätzung zur künftigen Entwicklung des Euro abgegeben: Die Gemeinschaftswährung könnte gegenüber dem US-Dollar weiterem Abwärtsdruck ausgesetzt sein. Als entscheidende Faktoren nennt die britische Großbank die zunehmende wirtschaftliche Divergenz zwischen den USA und Europa sowie die anhaltenden Spannungen in der Straße von Hormus.
Die Ausgangslage ist dabei eindeutig: US-Wirtschaftsdaten überraschen laut Barclays weiterhin deutlich positiv, während europäische Daten hinter den Erwartungen zurückbleiben. Diese wachsende Kluft in der wirtschaftlichen Dynamik verstärke den Druck auf den Euro zusätzlich. Beide Regionen sehen sich zwar ähnlichen Herausforderungen gegenüber – darunter kriegsbedingter Inflationsdruck und fiskalische Entwicklungen –, doch die stärkere Wirtschaftsaktivität treibe die Renditen in den USA aus fundamentalen Gründen nach oben.
Wachstumsschwäche in Europa als Risikofaktor
In Europa hingegen schwächt sich die Wachstumsdynamik ab, ohne bislang nennenswerten Abwärtsdruck auf die deutschen Bundesanleihen-Renditen (Bunds) auszuüben. Das liegt laut Barclays an den vorherrschenden Inflationssorgen, die eine Neubewertung am Anleihemarkt bislang verhindert haben. Sollte sich das Wachstum in der Eurozone jedoch weiter verlangsamen, könnte der Markt zunehmend befürchten, dass die Europäische Zentralbank (EZB) einen geldpolitischen Fehler begeht.
Konkret warnt Barclays davor, dass die EZB die Zinsen aus den falschen Gründen anheben könnte – nämlich trotz nachlassender Konjunktur allein aufgrund von Inflationsdruck. Die Folge wäre eine Abflachung der Zinskurve, was typischerweise als Warnsignal für eine wirtschaftliche Abschwächung gilt. Für Anleger wäre ein solches Szenario ein bedeutendes Risikosignal für europäische Anlagen.
Die Positionierung im Dollar habe sich laut dem Devisenteam der Bank bislang nur moderat entwickelt, was zusätzlichen Spielraum für eine weitere Aufwertung der US-Währung biete. Die zugrunde liegenden Fundamentaldaten – insbesondere die Divergenz bei Wachstum und Zinsen – begünstigten weiterhin die Stärke des Dollars, schrieb das Team in einer Mitteilung vom 17. Mai.
Folgen für europäische Aktien und Anleger
Für europäische Aktieninvestoren hat ein schwächerer Euro durchaus auch eine positive Seite: Barclays zufolge würde ein schwaches Euro-Umfeld dazu beitragen, die beginnende Outperformance von Exporteuren gegenüber binnenwirtschaftlich orientierten Sektoren aufrechtzuerhalten. Unternehmen, die einen Großteil ihrer Umsätze in Dollar oder anderen Fremdwährungen erzielen, profitieren von einem niedrigen Euro-Kurs, da ihre Erlöse in Euro gerechnet steigen.
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Zur AktienanalyseGleichzeitig weist die Bank auf ein mögliches Gegenszenario hin: Eine Beilegung des Konflikts rund um die Straße von Hormus könnte den jüngsten Rückgang des Euro-Dollar-Kurses umkehren. In diesem Fall würde auch der Appetit der Anleger auf europäische Binnenzykliker – also Unternehmen, die stark vom inländischen Konsum und Wirtschaftswachstum abhängen – wieder zunehmen.
Für deutsche Privatanleger bedeutet die Analyse von Barclays: Die Währungsentwicklung bleibt ein zentraler Faktor bei der Portfolioausrichtung. Wer in US-Aktien oder Dollar-Anlagen investiert ist, profitiert derzeit von der Dollastärke. Wer hingegen auf eine Erholung der europäischen Binnenwirtschaft setzt, sollte die geopolitische Lage und die EZB-Politik genau im Blick behalten.


