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Barclays stuft Siemens Energy wegen Bewertungsbedenken auf Underweight herab

Trotz angehobenem Kursziel auf €130 warnt Barclays vor überhöhter Bewertung und gleichzeitigem Höhepunkt mehrerer Wachstumstreiber im Jahr 2026.

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Barclays stuft Siemens Energy wegen Bewertungsbedenken auf Underweight herab

Barclays hat die Einstufung für Siemens Energy AG (ETR: ENR1n) von „Equal Weight" auf „Underweight" herabgestuft. Gleichzeitig hob die britische Großbank das Kursziel von €110 auf €130 pro Aktie an. Der Grund: Die aktuelle Marktkapitalisierung von €145 Milliarden preise eine „unbefristete Fortsetzung der Zyklus-Höchstwerte" ein – ein Szenario, das Barclays für unrealistisch hält.

Die Analysten modellieren bis 2030 eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate (CAGR) des Gewinns je Aktie von 25 Prozent. Konkret prognostiziert Barclays einen Anstieg des bereinigten Gewinns je Aktie von €4,26 im Geschäftsjahr 2026 auf €9,20 im Geschäftsjahr 2028. Der Umsatz soll im gleichen Zeitraum von €43,24 Milliarden auf €57,41 Milliarden steigen, was einer jährlichen Wachstumsrate von 13,7 Prozent entspricht.

Trotz dieser beeindruckenden Wachstumszahlen argumentiert Barclays, dass die Aktie ein De-Rating verdient – also eine niedrigere Bewertung. Der Grund: Mehrere Wachstumstreiber dürften gleichzeitig im Jahr 2026 ihren Höhepunkt erreichen und danach abflauen.

Gasturbinen-Boom auf dem Prüfstand

Besonders kritisch beleuchtet Barclays das Gasturbinen-Geschäft. Siemens Energy habe in den vergangenen sechs Monaten Aufträge im Äquivalent von 50 Gigawatt auf annualisierter Basis erhalten – mehr als die gesamte weltweite Nachfrage in jedem einzelnen Jahr zwischen 2017 und 2023. Die Analysten schätzen die nachhaltige mittelfristige Nachfrage jedoch auf lediglich 80 bis 90 Gigawatt pro Jahr, was etwa 15 Prozent unter den aktuellen Raten liegt.

Auch beim Marktanteil sieht Barclays Normalisierungspotenzial. Siemens Energy halte derzeit rund 40 Prozent Marktanteil – verglichen mit einem historischen Durchschnitt von 25 bis 27 Prozent. Eine Rückkehr zu historischen Werten sei im Laufe der Zeit wahrscheinlich, so die Analysten.

Hinzu kommt: Große Hersteller von Gasturbinen und Motoren haben in den letzten 15 bis 18 Monaten Aufträge oder Slot-Reservierungen für Rechenzentren im Umfang von mehr als 70 Gigawatt gesichert. Damit sei der Bedarf an gasbetriebenen Erzeugungsanlagen für Rechenzentren für die nächsten drei bis vier Jahre bereits gedeckt – was auf ein erheblich langsameres Bestelltempo in der Zukunft hindeutet.

Freier Cashflow und Working-Capital-Gegenwind

Beim freien Cashflow erwartet Barclays einen Höchststand des Equity FCF von rund €7,62 Milliarden im Geschäftsjahr 2026, bevor dieser wieder sinkt. Etwa zwei Drittel dieses Wertes resultieren aus Veränderungen im Working Capital. Ab 2028 werde das Netto-Working-Capital voraussichtlich zu einem „erheblichen Gegenwind" für das Unternehmen.

Eine weitere Belastung für die Aktionärsrenditen stellt laut Barclays eine Mark-to-Market-Verpflichtung in Höhe von rund 5 Milliarden US-Dollar dar. Siemens Energy muss damit seinen Anteil an Siemens Energy India im Jahr 2028 auf 51 Prozent erhöhen.

Bewertungsvergleich mit GE Vernova

Im Bewertungsvergleich mit dem US-Konkurrenten GE Vernova errechnete Barclays, dass Siemens Energy auf bereinigter Basis mit einem Abschlag von 20 bis 35 Prozent gehandelt wird – gemessen an der Rendite des freien Cashflows und den EV/EBITDA-Multiplikatoren. Dieser Abschlag sei jedoch wesentlich geringer, als Standardvergleiche von Bloomberg vermuten lassen.

Als wesentliche Aufwärtsrisiken für die Aktie nannte Barclays eine potenzielle Outperformance der Margen im Netzgeschäft, die Erwartung der Anleger hinsichtlich neuer Ziele für 2030 sowie einen optischen Bewertungsabschlag gegenüber GE Vernova auf Basis der Multiplikatoren für 2028. Für Anleger bedeutet die Herabstufung ein klares Warnsignal: Der aktuelle Kurs spiegele bereits ein sehr optimistisches Szenario wider, das wenig Spielraum für Enttäuschungen lasse.

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