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Barclays stuft Oscar Health hoch: KI bedroht Krankenversicherungsmarkt

Barclays sieht im KI-bedingten Jobverlust einen Wachstumstreiber für den US-amerikanischen ACA-Krankenversicherungsmarkt.

Barclays stuft Oscar Health hoch: KI bedroht Krankenversicherungsmarkt

Barclays hat Oscar Health Inc. auf „Overweight" hochgestuft und das Kursziel von 30 auf 35 US-Dollar angehoben. Die Investmentbank begründet dies mit einer ungewöhnlichen These: Die durch künstliche Intelligenz getriebene Verdrängung von Berufseinsteigern im Bürosektor könnte den Markt für den Individual Affordable Care Act (ACA) zum am schnellsten wachsenden Segment der US-Krankenversicherungen machen – und zwar in den nächsten fünf bis zehn Jahren.

Grundlage der Analyse ist eine Prognose von Anthropic-Chef Dario Amodei, wonach KI innerhalb von ein bis fünf Jahren 50 Prozent der White-Collar-Einstiegsjobs verändern wird. Barclays argumentiert, dass die entscheidende Folge dabei nicht die Arbeitslosigkeit an sich sei, sondern „die Schwächung der Beziehung zwischen Beschäftigung und Gesundheitsleistungen". Hintergrund: Rund die Hälfte der US-Bevölkerung erhält ihren Krankenversicherungsschutz über den Arbeitgeber – ein System, das in Deutschland kaum bekannt ist, in den USA jedoch zentral für die Gesundheitsversorgung ist.

Historische Daten belegen den Zusammenhang

Historische Krisen zeigen, wie eng Beschäftigung und Krankenversicherungsschutz in den USA verknüpft sind. Während des Platzens der Dotcom-Blase von 2000 bis 2003 sank die Zahl der über den Arbeitgeber versicherten Personen (Employer-Sponsored Insurance, ESI) um 2,5 Prozent, während die Arbeitslosigkeit um 200 Basispunkte stieg. Die globale Finanzkrise brachte einen Anstieg der Arbeitslosigkeit um 500 Basispunkte und einen Rückgang der ESI-Anmeldungen um 5,4 Prozent mit sich. Während der COVID-19-Pandemie führte ein Anstieg der Arbeitslosigkeit um 300 Basispunkte laut Daten des US Census Bureau zu einem ESI-Rückgang von 2,3 Prozent.

Entwicklungen nach der Pandemie deuten zudem darauf hin, dass sich der ACA zu einem bedeutenderen Sicherheitsnetz als Medicaid entwickelt hat. Die Zahl der individuellen ACA-Anmeldungen stieg von 2019 bis 2021 um 21 Prozent und übertraf damit den Anstieg von Medicaid um 11 Prozent im gleichen Zeitraum. Barclays prognostiziert bis 2030 ein jährliches Mitgliederwachstum in den ACA-Börsen von 5 bis 6 Prozent – deutlich mehr als die 3,0 bis 3,5 Prozent bei Medicare Advantage. Bei arbeitgeberfinanzierten Gruppenrisiken erwartet die Bank sogar einen Rückgang von 4,0 bis 5,0 Prozent.

Oscar Health als Hauptprofiteur

Konkret erwartet Barclays, dass die Zahl der ACA-Versicherten bis 2030 auf 24,03 Millionen steigen wird, ausgehend von 19,44 Millionen im Jahr 2026. Für Oscar Health setzt die Bank einen Gewinn je Aktie (EPS) für 2028 von 2,74 US-Dollar an und wendet ein 14x-Multiple an – zuvor waren es 12x. Der Umsatz von Oscar soll von 11,70 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 auf 27,37 Milliarden US-Dollar im Jahr 2028 steigen, was einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 32,7 Prozent entspricht.

Aktuelle Arbeitsmarktdaten stützen die These zusätzlich. Die Arbeitslosigkeit unter Hochschulabsolventen ist seit 2023 schneller gestiegen als die landesweite Arbeitslosigkeit. Die Beschäftigung bei Arbeitnehmern im Alter von 16 bis 24 Jahren blieb hinter der allgemeinen Erwerbsbevölkerung zurück, wie aus Daten des Bureau of Labor Statistics (BLS) hervorgeht. Gig-Worker machen mittlerweile fast 15 Prozent der Gesamtbeschäftigung aus – ein Anstieg von 24 Prozent seit 2017 – wobei laut BLS-Daten etwa 85 Prozent dieser Gruppe krankenversichert sind.

Centene profitiert, Cigna am stärksten gefährdet

Auch für Centene behält Barclays die Einstufung „Overweight" mit einem Kursziel von 75 US-Dollar bei. Die Bank verweist auf ein Bull-Case-Szenario von 9,04 US-Dollar beim EPS im Jahr 2028 sowie einen potenziellen Aktienwert von nahezu 120 US-Dollar bei einem 13x-Multiple. Als am stärksten gefährdet durch den strukturellen Wandel identifiziert Barclays hingegen Cigna: Das Unternehmen erzielt 73 Prozent seiner Einnahmen aus arbeitgeberfinanzierten Versicherungen und weist mit 23 Prozent die höchste Konzentration bei Kunden aus dem Technologiesektor unter den analysierten Wettbewerbern auf.

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